Cafés, Espressos Lokalkritik

Figar

Stadtcafé im Berlin-Style, eine Mischung aus stylisch und Shabby-chic. Frühstück bis 16 (French Toast mit Ahornsirup, Porridge mit Obst, Eggs Benedict). MM 11.30–16 (€ 7,50 bis 7,50), Lachsfilet mit Spinat-Erdäpfelgröstl (€ 15,–), Oktopus an Erdäpfel-Thymian Pürree (€ 15,–), Sommersalate (€ 7,– bis € 13,–); Tegernseer und andere deutsche Flaschenbiere und Piestinger Märzen vom Fass; regionale Schnäpse; Cocktails und hausgemachte Limonaden; Kinderportionen, -sessel. Fr, Sa DJ; Schanigarten für 20 Pers. Rauchen ab 16 Uhr.

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Adresse:
Adresse:
Kirchengasse 18
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/890 99 47
E-Mail:
E-Mail:
reservierung@figar.net
Website:
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www.figar.net
www.facebook.com/zum.figar
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Do 8–24, Fr 8–2, Sa 9–2, So, Fei 9–24 derzeit geschlossen
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard, Amex, Diners, JCB
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück, Gastgarten, Live-Programm, Mittagsmenü

Gib den Webdesignern Porridge

Schon wieder ein schickes neues Stadtcafé im Urbanitätsbrennpunkt
FLORIAN HOLZER | 7.10.2013

Haben wir schon einmal gehört, dass ein junger, erfolgreicher Unternehmer immer davon geträumt hat, ein eigenes Lokal zu machen? Höchstens hundert Mal.
Diese Unternehmer machen es dann normalerweise genau so, wie sie es in ihren erfolgreichen Unternehmen nicht machen, nämlich erstens auf Selbstverwirklichung setzen und zu glauben, dass die eigenen Bedürfnisse jenen eines tragfähigen Publikums entsprechen, zweitens Marktbeobachtung und Standortanalyse komplett in den Wind zu schießen und drittens Ideen mit Investitionsbereitschaft kompensieren zu wollen.
Diese Träume währen meistens nur recht kurz.

Das ist jetzt natürlich völlig unfair, bei der Besprechung von David Figars neuem Lokal ein so pessimistisches Bild zu zeichnen. Die sonst übliche gastronomische Naivität legt der junge Kommunikationsprofi und Geschäftsinhaber nämlich eher gar nicht an den Tag. Wenngleich ein paar Passagen der Werdungsgeschichte dennoch ein leises Déjà-vu hinterlassen: Figar hat in der Boutique, die hier war, immer seine Kleidung gekauft, dem Betreiber angeboten, die Location zu übernehmen, falls das Geschäft nicht mehr läuft, was dann schnell der Fall war; baute zweieinhalb Monate um, „Berlin-Style, eine Mischung aus Style und abgefuckt“, und will jetzt Frühstück nicht nur früher als die anderen, sondern auch besser bieten. Und Tagesgerichte, die den völlig unentdeckten Rezepteschatz des Nahen Ostens thematisieren, und eine kleine Abendkarte mit regionalen Produkten.

Okay, warum nicht, vielleicht gibt’s da ja wirklich noch Bedarf. Das Lokal wurde jedenfalls ausnehmend hübsch, Ziegelwände, grauer Boden, ein bisschen Vintage-Mobiliar, ein apartes „Carrie Bradshaw“-Sitzpult in der Auslage (allerdings sinnlos, solange es kein WLAN gibt; kommt angeblich demnächst), zwei wirklich aparte Tischchen am Gehsteig und großartige Lampen, die ein Künstler aus Champagnerflaschen bastelt.

Zu essen gab’s „Feine Wurst“, ein Sortiment diverser Schinken und Antipasti, bei dem Beinschinken, Prosciutto und Serrano (das zum Thema „regional“) ein bisschen nach Hotelfrühstück schmeckten, der Speck war super (€ 11,90), die gebratene Hühnerbrust auf getoastetem Schwarzbrot mit gebratenem Gemüse war zwar etwas trocken, aber insgesamt kein schlechter Snack (€ 8,90).

Ein paar Salate und Brot mit Steak gibt’s auch noch, weitaus differenzierter das Getränkeangebot, da gibt’s nämlich das rare Storchenbier aus dem Marchfeld und offen das Piestinger Märzen. Und auch das Frühstück kann was, nicht nur, dass es schon um acht Uhr startet, es gibt auch French Toast mit Ahornsirup und Porridge mit Birnenmus. Alle Achtung! Derzeit wirkt das Figar jedenfalls wie ein ruhiger Gegenpol zum atmosphärisch dichten, pulsierenden Le Troquet daneben, vielleicht, hoffentlich eine gute Ergänzung.

Resümee:

Wieder ein neues Selbstverwirklichungslokal eines Jungunternehmers, diesmal aber durchaus ernst zu
nehmen.

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