Mexikanisch Lokalkritik

Mexican Grill & Bar Santos

Foto: Mexican Grill & Bar Santos

Foto: Mexican Grill & Bar Santos

Foto: Mexican Grill & Bar Santos


Mexican Grill und Cocktailbar; Tex-Mex, Steaks, Burger (Mo–Fr 11–16 Mittagskarte, außer Fei/HS ab € 10,–); umfangreiche Cocktailkarte, 16–20 und 23–24 Happy Hour (alle Cocktails € 5,90). WLAN. Gastgarten für 40 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Favoritenstraße 4–6
1040 Wien
Telefon:
Telefon:
01/942 99 02
E-Mail:
E-Mail:
office@santos-bar.com
Website:
Website:
www.santos-bar.com
www.facebook.com/santosbar
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Do, So 11–24, Fr, Sa 11–1 jetzt geöffnet (bis 24:00 Uhr)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard, Amex, Diners
Küche:
Küche:
Mexikanisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Gastgarten, Nichtraucherlokal, WLAN

Institutionalisierte Tortilla

Ein neuer systemgastronomischer Groß-Mexikaner mit guten Ansätzen
FLORIAN HOLZER | 11.11.2013

Gehen wir’s einmal so an: Was sollte ein mexikanisches Lokal können? Authentisches Essen, das uns erfreut, erfrischt, neugierig auf Land und Leute macht; dezente Gestaltung ohne Klischees, aber durchaus mit Zitaten mexikanischer Gastronomiekultur; passende Musik, passende Getränke, in diesem Fall ein paar Biere jenseits der geschmacksneutralen Dünnbrühen, ein paar Tequilas und Mezcals jenseits der Ware, die auch im Supermarktregal steht, im Idealfall kenntnisreich zubereitet, arrangiert und präsentiert.

Und wie sieht die Mehrheit mexikanischer Lokale in Wien aus? Tex-Mex aus der Retorte, Konserven, Industriebier, an der Wand hängen
Sombreros und die Interpreten der Hintergrundmusik haben im Idealfall einen spanischen Vor- oder Nachnamen.

Und jetzt zum neuen Santos, das zweite Lokal einer zwar noch überschaubaren, aber offenbar rasch expandierenden Kette, das vor kurzem im nur mäßig erfolgreichen Almost famous eröffnete. Es wurde weitgehend unpeinlich eingerichtet, für Lokalkolorit sorgen Wandverkleidungen mit schlampig in Weiß, Grün, Rot und Schwarz gestrichenen Brettern sowie Sitzbezüge in Pseudorindsleder, ein weiß gestrichener toter Baum und eine Wandtafel mit dem Rezept, beziehungsweise den Zutaten für Esquites, einen gerösteten Mais-Snack und typischen Vertreter mexikanischen Streetfoods. Gibt’s hier nur leider nicht, eher blöd.

Stattdessen natürlich brasilianische und kubanische Hintergrundmusik, und die dafür umso lauter, und auf der Karte die üblichen Tex-Mex-Verdächtigen, gefüllte, überbackene, frittierte oder sonstwie zubereitete Mais- oder Weizenfladen, alle schön ordentlich mit viel Fleisch und Käse, damit’s dem Redneck auch schmeckt. Aber eben auch noch ein bisschen was anderes: Molletes etwa, Scheiben saftigen Maisteig-Brotes mit Bohnenpaste und Chorizo-Streifen, dazu leider fade „pico de gallo“-Salsa (€ 5,90) oder Santos-Fingerfood, das im Gegensatz zur Lugner-City-Filiale nicht aus frittiertem Schrott, sondern aus passablen Zwiebelringen, drei Streifen eines gar nicht schlechten Mais-Omelettes mit Speck und Zwiebeln und zwei „Chicken-Lollipops“ besteht, zwei optisch zwar stark entfremdeten, aber gar nicht unsaftigen, marinierten Hühnerkeulen (€ 7,80).

Weiters findet man Gorditas, drei kleine und immerhin zweifelsfrei hausgemachte Mais-Teig-Terrinen, gefüllt mit zerrupfter Ente und Salat (fad), mexikanischem Maispilz (schon sehr viel besser) und gebratenen Rindfleischstreifen (gar nicht schlecht, € 9,60). Auch hier sind die beigestellten Saucen eher fürn Hugo, können aber mit Limette und Habanero-Sauce etwas aufgepimpt werden.

Insgesamt also nicht so schlecht, wie zu befürchten war, man kann hier durchaus was finden. Und immerhin an einem Abend voller als das Vorgängerlokal in einem Jahr.

Resümee:

Das neue Santos ist natürlich nicht das mexikanische Lokal, von dem wir träumen, aber auch nicht das, von dem wir Albträume bekommen.

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