Restaurant/Gaststätte Waldviertlerisch Rezensiert

KaFee von Sinnen

© Heribert Corn


Waldviertler Beisl. Keine fixe Karte, tägl. 3–5 frisch gekochte Speisen (€ 3,50 bis € 8,–). Lebensmittel werden von kleinen lokalen Produzenten bezogen. Schönbacher Bier, Bio-Säfte, Gin, Whiskey (alles aus dem Waldviertel). Nichtraucher/Raucher. WLAN. Regelmäßige Livemusik.

Adresse:
Adresse:
Pazmanitengasse 15
1020 Wien
Telefon:
Telefon:
0680/501 27 70
Website:
Website:
www.kafeevonsinnen.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mi, Do 18–2, Fr, Sa 18–4, fallweise auch Di 18–2 geöffnet
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Gaststätten, Restaurants, Beisln
Küche:
Küche:
Waldviertlerisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Live-Programm, Musik, Raucherbereich, WLAN

Kein Zwiebelkuchen, aber Spirit

Im Volkertviertel zeigt ein neues Beisl, dass Spontaneität durchaus ihr Gutes hat
FLORIAN HOLZER | 21.3.2017

Eigentlich wollten sie ein Kultur-Gasthaus im Waldviertel übernehmen, erzählt Michael, aber da sei die Substanz so marod gewesen, das wäre eine längerfristige Angelegenheit geworden. Und Michael mag eher das Spontane. Und als er zufällig erfuhr er, dass da ein ehemaliges Veranstaltungslokal zu haben sei, griffen sie zu, Michael aus Pöggstall im Waldviertel, Theophil aus dem burgenländischen Seewinkel und die in Wien aufgewachsene Kärntnerin Silke. Alle musikaffin, alle mit großer Freundesschar und Michael sogar mit gastronomischer Vorbildung: Er kochte schon im Rasouli am Yppenplatz und in einem Lokal in Kreuzberg.

Sehr viel verändert hätten sie nicht, sagt Silke, „aber einigermaßen geputzt und einen anderen Spirit reingebracht“. Und verbessern musste man das Lokal auch gar nicht: eine alte Schankanlage, bei der das Bier – ein spritzig-unkompliziertes Pils aus der Waldviertler Mini-Brauerei in Schönbach – direkt aus der Kühlung gezapft wird, Wände mit einer alten, dicken, unverwüstlichen Holzverkleidung, in deren Aussparungen jemand hübsche Fin-de-Siècle-Tapeten geklebt hatte, ebenso schmuckloser wie unzerstörbarer Fliesenboden. Ein paar Kräutersträußchen und Vasen mit Tulpen, um die historische Schwere des Lokals ein bisschen abzufedern, kamen neu dazu. Und der Name KaFee von Sinnen. Und die Kreidetafel über der Schank, die von Weinen aus Gobelsburg, Waldviertler Craft-Bieren aus Münichreith am Ostrong und ein paar Tagesspezialitäten aus der Küche kündet, „lieber ganz wenig, aber dafür frisch gekocht“, lautet Michaels Küchenphilosophie.

Das mit dem frisch gekocht meinen die KaFeen übrigens völlig ernst, man wartet also ewig. Und dann kann es schon einmal sein, dass Michael aus der Küche kommt und sagt, der Zwiebelkuchen sei leider misslungen, den müsse jetzt die Schwester aufessen, und weil eben frisch gekocht, gibt’s auch kein Zwiebelkuchen-Backup.

Aber es läuft ja guter Jazz vom Laptop in die Anlage, vom Münichreither Craft-Bier gibt’s immerhin sechs verschiedene Abfüllungen, außerdem nimmt man Dinge eh viel zu ernst und das vegetarische Erdäpfelgulasch war offenbar schon ein paar Stunden zuvor begonnen worden, da machte ich mir bezüglich Frischkochung nämlich ein bisschen Sorgen. Kam aber eh bald, war gut, mit Schwammerln, Chili und Kürbis drin. Und der kleine Brot-Pudding danach auch sehr fein.

Das KaFee von Sinnen ist sicher kein Lokal, um mit den Schwiegereltern essen zu gehen. Aber ein paar schöne Biere oder Gläser Wein in großartigem Beislambiente und mit guter Musik zu trinken und dazu irgendwann einmal etwas zu essen zu bekommen, das geht sehr gut.

Nichts scheint hier in Stein gemeißelt, alles sehr entspannt, es kommt, wie es eben kommt. Konventionelle Lokale gibt’s in Wien eh schon genug.

Resümee:

Ein bezauberndes Beisl, nur ein kleines bisschen aufgepeppt und von drei jungen Nonkonformisten mit guten Sachen aus dem Waldviertel bespielt.


Anzeige

Diese Lokale könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige