Würstelstände Lokalkritik

Wiener Würstelstand

© Katharina Gossow

Foto: Katharina Gossow

© Wiener Würstelstand

Foto: Wiener Würstelstand

© Stefan Oláh

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Würstel vom Hofmann aus Hollabrunn, vom Schober aus Gars am Kamp (z.B. Lammbratwürstel € 4,90) oder vom Landl aus Ottakring; vegane Pilzwürstel von Hut & Stiel (€ 4,90); speziell angefertigte Bosna-Weckerl vom Gragger. Bier wie z.B. Augustiner vom Salzburger Müllner-Bräu.

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Adresse:
Adresse:
Pfeilgasse 1 (Ecke Strozzigasse)
1080 Wien
Website:
Website:
www.wienerwü.at
www.facebook.com/wienerwuerstelstand/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di, Mi 11.30–24, Do–Sa 11.30–4 jetzt geöffnet (bis 4:00 Uhr)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Würstelstände
Sonstiges:
Sonstiges:
Bioprodukte, Essen nach Mitternacht, Essen zum Mitnehmen

Es geht um die Wurst

Wieder ein Versuch, den Würstelstand neu zu erfinden. Vielleicht der beste bisher

FLORIAN HOLZER | 16.7.2019

Wurst ist großartig. Wurst ist eine zivilisatorische Errungenschaft, weil es darum ging, sonst schwer zu verwertende Reste eines geschlachteten Tieres nicht nur schmackhaft, sondern auch haltbar zu machen. Durch Salzung, Trocknung, Räuchern, Kochen, Fermentieren oder alles zusammen. Die Vielzahl der Würste ist unendlich, konkret in Wiens Wurst-Kultur mischen sich polnische, ungarische, bayerische, deutsche und slowenische Einflüsse, bis zur vorigen Generation war Wurst ein nicht wegzudenkender Bestandteil heimischer Snack- und Ernährungskultur.

Hat sich geändert. Nitritpökelsalz, Fett, Fleisch, alles nicht so die großen Hits bei den jungen urbanen Menschen, Aufschnittplatte wich der Bowl, und einen besoffenen Abend beim Würstelstand mit einer Haaß’n zu beenden, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Wirkte sich aus: Die Zahl der Wiener Würstelstände schrumpfte in den vergangenen Jahren dramatisch, was natürlich auch an der Attraktivität der asiatischen und orientalischen Konkurrenz, an Einfallslosigkeit, Verabreichung industrieller Massenware und hohen Preisen lag. Immer wieder versuchten Wurstkultur-Beseelte, den Niedergang durch Neuerfindung zu entschleunigen, klappte nicht.

Stefan Sengl, Politberater, und Mike Lanner, Start-upper und ehemaliger Gebruder Stitch, probierten es trotzdem, „weil ich einfach keinen Würstelstand meines Vertrauens mehr hatte“, sagt Lanner. Was für ihn als Oberösterreicher (Sengl ist geborener Salzburger) keinen angenehmen Zustand darstellte. Sie übernahmen den legendären Stand beim Pfeilheim – nicht unbedingt eine Hochfrequenzlage, was heute eigentlich Grundvoraussetzung für ein Würstelstandl ist – und forschten lange nach guter Ware. Brot und speziell angefertigte Bosna-Weckerln vom Gragger („der ist Oberösterreicher, dem muss ich ein Bosna nicht erklären“), Bier unter anderem vom kultigen Augustiner-Bräu im Salzburger Mülln, das noch wie vor 100 Jahren gebraut, in Fässern gelagert und vor allem nicht aus Salzburg rausgeliefert wird, und natürlich tolle Würste. Vom Hofmann aus Hollabrunn, vom Schober aus Gars am Kamp oder vom Langl aus Ottakring, mit dem Lanner im Übrigen gerade eine Pökelsalz-freie Wurstserie entwickelt. Und dazu spielt Gipsy Swing.

Das ist aber doch bitte alles voll bobo und geht an den proletarischen Ursprüngen des Würstelstandes vorbei! Na und? Die Bosna verkaufen sich wie die warmen Bosna, besonders die vegane Variante mit Pilz-Würsten der großartigen Schwammerlzüchter Hut & Stiel aus der Donaustadt (€ 4,90) und eine bessere Wurst als die zarten Lammbratwürstel vom Schober wird man an einem Wiener Standl schwer finden (€ 4,90). Die Leute kommen jedenfalls wieder. Weil ihnen Wiener Streetfood-Kultur wichtig ist, weil das Bier so super ist und die Würste schmecken. Eigentlich ganz einfach.

Resümee:

Das hochriskante Projekt, einen Würstelstand mit ausgesuchter Ware zu bespielen, funktioniert offenbar doch. Hurra!


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