Szene Lokalkritik

Rinkhy

© Heribert Corn


Tapas-Bar; Pan con Tomate (€ 3,30), geröstete und karamellisierte Mandel (€ 3,30), Wildpret-Bratwurst mit Honigketchup (€ 6,90), Tricana-Konserven etc.; Weine, Kaffee. 3 Tische.

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Adresse:
Adresse:
Zieglergasse 37
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0650/739 92 69
Website:
Website:
https://www.facebook.com/Rinkhy-145886342838097/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 17.30–24
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene

Ungarisch-Vancouver

Zwei Kanadier mit ungarischen Wurzeln machen eine wienerische Tapas-Bar
FLORIAN HOLZER | 16.1.2018

Der Vater von Alex und Andrew Rinkhy, ein ungarischstämmiger Kanadier mit finnischem Namen, hatte einmal ein hübsches Restaurant in einer Villa in Vancouver. „Kontinentale Küche“ hätte es dort gegeben, erinnert sich Andrew, worunter in diesem Restaurant vor allem ungarische Küche gemeint war: geschmorte Ente, gefüllte Paprika und lauter so wunderbare Sachen. Rinkhy Senior verkaufte die Villa dann aber und überhaupt sei Vancouver heute ohnehin eher ein Platz für Sportler, Yoga-Lehrer und Freunde von laktosefreiem Superfood, meint Andrew Rinkhy, der seit 13 Jahren in Wien lebt und hier als Fotograf arbeitet.

Das mit dem eigenen Lokal ließ die Söhne aber halt irgendwie nie so ganz los. Weshalb Alex vorigen Herbst ebenfalls nach Wien kam, sie das kleine griechische Frühstückslokal Rote Rübe übernahmen, ein bisschen umbauten, dem Lokal ihren Namen gaben und ein paar nette Sachen suchten, die sie anbieten könnten.

Alles nicht so außergewöhnlich, denn weder sieht das Rinkhy besonders toll aus noch sind die Happen, die Alex da in einer winzigen Küche bastelt, besser als die Happen in anderen winzigen Lokalen. Aber dennoch brummt das winzige Lokal wie Sau, weil nämlich die Atmosphäre so wunderbar ist. Und wer darüber nachsinnt, woran das wohl liegen mag, kommt recht bald zu der Einsicht, dass es etwas mit der fröhlichen Ausgelassenheit der Menschen hier zu tun haben könnte, die – sollte es wer noch nicht ahnen – zum Großteil Kanadier sind.

Etwa die da hinten, die leidenschaftlich darüber diskutieren, wie man das Alter eines Waldes festlegen kann, am Alter der Bäume oder daran, wie lang der Mensch nicht eingriff; oder der heitere Mann, der da plötzlich mit der Gitarre hereinkommt, zwei seiner Songs zum Besten gibt, ein Glas Wein trinkt und weiterzieht. Aber natürlich sind auch die Sachen gut, die einem die beiden Rinkhys da an eines der drei Tischchen bringen.

Die selbstgerösteten und in Ahornsirup karamellisierten Mandeln, zum Beispiel (€ 3,30) oder Pan con Tomate, Weißbrottoasts mit darauf zerriebenem Paradeiser und (viel) Olivenöl (€ 3,30) oder in Weißwein und Knoblauch gebratene Garnelen (€ 7,90) oder eine herrliche Wildbret-Bratwurst mit hausgemachtem Honig-Ketchup (€ 6,90) oder mit steirischem Speck geröstete Kohlsprossen, die allerdings ein bisschen weicher hätten sein können (€ 4,90). Und natürlich die wunderschönen Dosen des portugiesischen Konservenabfüllers Tricana, man hat die Wahl zwischen geräuchertem Tintenfisch, Sardinen natur und in Tomaten, Makrele klein und groß, Thunfisch oder Kabeljau, allesamt erstklassig (€ 5,90).

Bei den Weinen ist noch Luft nach oben, aber das gesamte Angebot stünde noch sehr am Anfang, versichert Andrew Rinkhy. Und dabei sind die beiden Kanadier jetzt schon weiter, als es viele ihrer Wiener Kollegen je sein werden.

Resümee:

Eine kleine Tapas-Bar mit ganz großer Atmosphäre. Vor allem dann, wenn die Kanadier kommen.


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