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Treubleiben Wien

Foto: Luca Mercedes

Foto: Luca Mercedes

Foto: Heribert Corn


Amerikanische Küche mit Mac ’n’ Cheese, Tacos und Grilled Cheese Sandwiches; am Wochenende Frühstück Sa, So 10–15; Weitra vom Fass, kleine Craft-Bier Auswahl, Mixgetränke. WLAN; bunte Sesselchen; Schanigarten für 20 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Kirchengasse 20
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/944 94 65
E-Mail:
E-Mail:
office@treubleiben.at
Website:
Website:
www.treubleiben.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 17–2, Sa 10–2, So 10–16 jetzt geöffnet (bis 2:00 Uhr)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Bars, Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück, Raucherlokal, Schanigarten, WLAN

Fremdgehen Berlin

Die Linie der Kirchengassen-Schanigärten ist endlich geschlossen
FLORIAN HOLZER | 14.7.2015

Le Troquet, Figar, Mantibar – da sitzen die Menschen grad ziemlich gern heraußen im Schanigarten, trinken ihre Aperols, Biere und weißen Spritzer. Und finden es angenehm, dass der siebente Bezirk ein angenehmer Platz ist. Auch wenn die Bobo-Hass-Fraktion im Online-Standard und bei anderen publizistischen Frustrationsventilen damit schwer zurechtkommt – Dolce Vita.

Ein paar Lücken hat die durchgängige Kirchengassen-Schanigarten-Linie freilich noch, das Spirali hat vergangenen Dezember geschlossen, ein paar Schuhgeschäfte widerstehen der Lust, Aperol-Spritz auszuschenken, unverständlicherweise nach wie vor, und dann sind da immer noch einige Lokale, die beharrlich unhip bleiben wollen. Zum Beispiel diese karge Pizzeria auf Nummer 20, die jedes Jahr einen neuen Besitzer hatte und irgendwie nicht so recht an die Coolness der Nachbarn anknüpfen konnte oder wollte. Das wurde jetzt aber geändert: Seit Mitte Mai heißt das kleine Lokal „Treubleiben Wien“, hat bunte Sesselchen herumstehen, Pulled Pork-Sandwich und India Pale Ale auf der Karte.

Also so wie alle anderen, wie „Liebling“, „Schadekgasse 12“ und so weiter? Nicht ganz. Karin Ginzel hat mittlerweile fünf Jahre Erfahrung mit Gastronomie, einfach mitschwimmen war schon in ihrem Fein Essen nicht ihre Strategie, im Gegensatz zu dort wollte sie den Kochaufwand jetzt aber so gering wie möglich halten „und ein Lokal mit weniger Essen und mehr Trinken“ machen. Was ja auch keine schlechte Strategie ist.

Ginzel machte mit möglichst geringem Aufwand aus der uncoolen Hütte ein Lokal, das auf den ersten Blick gegen Figar und Troquet nicht wirklich abstinkt, wobei der wesentliche Aspekt natürlich der Schanigarten mit Markise ist. Die Geschichte hinter dem doch eher eigenwilligen Namen? Ein Arbeitstitel, so Karin Ginzel, ein Freund wollte gleichzeitig ein Lokal namens Fremdgehen Berlin eröffnen, „ich denk über eine Bedeutung des Namens längst nicht mehr nach, aber die Leute merken sich’s“. Ebenfalls zu merken ist, dass es hier neben dem schon recht häufigen hellen Tegernseer das grandiose Martha Krieger Spitzenpilsener der Riedenburger Brauerei zu trinken gibt.

Weil Karin Ginzel weiß, dass man in Wien etwas zu essen anbieten muss, wenn man Getränke verkaufen will, gibt’s ein paar Salate, unter denen das eher langweilige gebratene Gemüse mit gerösteten Kernen nicht unbedingt zu empfehlen ist (€ 6,80), die warmen Baguette-Sandwiches aber wirklich Gas geben. Mit Melanzani-Safran-Creme, zum Beispiel, mit Avocado-Hühnersalat und eben mit dem unvermeidlichen Pulled Pork, das sich hier aber wirklich als würzig, saftig und durchaus klassisch erweist.

Übrigens: Moritz Bleibtreu hat – außer dass sein Name das Passwort fürs WLAN ist – mit dem Lokal nichts zu tun.

Resümee:

Ein weiteres Kirchengassen-Lokal, das auf den ersten Blick so ist wie die anderen, dann aber eh ein kleines bisschen anders.

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