Was nun? - FALTER.maily #25

Barbara Tóth
Versendet am 28.09.2019

wissen Sie, liebe Falter-Maily-Leserschaft, wie wir im Falter dieses Maily manchmal scherzhaft nennen? "Quäly". Weil wir uns nicht sicher waren, ob es am Ende nicht zu viel war, Sie während des Wahlkampfes jeden Morgen anzuschreiben. Aber die erste Etappe haben wir jedenfalls geschafft. Sonntag wird gewählt.

So richtig spannend wird es aber erst danach werden, in den Koalitionsverhandlungen, wenn man den letzten Umfragen (siehe www.neuwal.com) Glauben schenken darf. Weil wenn das Ergebnis mehr oder weniger jenem der Nationalratswahlen 2017 gleicht, wird die große Frage des Wahlabends lauten: Wozu das Ganze? Was nun? Und natürlich: Mit wem? Wir haben uns deshalb entschlossen, Sie zumindest in der nächsten Zeit mit unserem Maily täglich weiter auf dem Laufenden zu halten - ich hoffe, das ist ganz in Ihrem Sinne. So interpretieren wir jedenfalls Ihre zahlreichen Zuschriften, ein paar davon zeigen wir Ihnen weiter unten.

Aus deutscher Perspektive sind wir Österreicher ja so etwas wie ein demokratiepolitisches Versuchslabor. Bei uns gibt es die Rechtspopulisten schon länger als sonst wo, unsere Volksparteien haben mit den "Schmuddelkindern" schon koaliert, als andere sie nicht einmal begrüßt haben, und jetzt wollen Kollegen aus München, Hamburg und Berlin, die bei uns um Einschätzungen und Interviews anfragen, wissen: Kriegen wir in Österreich vielleicht eine Alpen-Jamaica-Koalition hin, die in Deutschland scheiterte? Ich habe im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk die Argumente für eine - wie ich sie lieber nennen würde - Dirndl-Koalition dargelegt.

Sie käme Sebastian Kurz, der ja mit einer Karriere in der internationalen Politik oder Wirtschaft liebäugelt, entgegen. Dem Kanzler einer pro-europäischen, weltoffenen, Fridays-for-Future-bewussten Koalition schüttelt man lieber die Hand als einem, der ein gescheitertes Ibiza-Bündnis aufgewärmt hat. Aus Sicht der Wählerinnen und Wähler käme mit der Dirndl-Koalition das erste Mal das parteiübergreifende Lager der Optimisten an die Macht. Längst entscheiden ja nicht mehr nur Bildungsstand, Job und Wohnort darüber, was wir wählen, sondern unser Blick in die Zukunft, wie der Sozialforscher Christioph Hofinger im Falter wie immer schlüssig und evidenzbasiert schon vor drei Jahren argumentierte.

Es bleibt also spannend und wir bleiben in Kontakt.

Haben Sie ein schönes Wahlwochenende,

Barbara Tóth

Dass unsere Redakteurinnen und Redakteure gefragte Gesprächspartner für ausländische Medien sind, haben wir ja schon weiter oben erklärt. Dass über unsere Arbeit aber gleich eine ganze Seite geschrieben wird, kommt auch nicht alle Tage vor - und schon gar nicht von so einem renommierten Medium wie

Politico Europe, einem der wichtigsten Medien in Brüssel. "The newspaper the Austrian establishment hates" nennen sie den Text in ihrer Online-Ausgabe. Kollege Klenk war bei der Tagesschau24 zu Gast. Und dann schauen Sie mal, wer vom Cover von "Der Österreichische Journalist" lacht - auch eine Titelgeschichte über unsere Arbeit.

Im Falter produzieren wir seit kurzem auch selbst Videos, "Bobo gegen Bauer" vor ein paar Tagen war ein erster Wurf. Auf die zwei neuesten Videos wollen wir Sie auch hinweisen, weil wir ein bisschen stolz sind: Einmal eine Zusammenfassung des Abends im Audimax mit "Alles kann passieren", einmal der Mitschnitt der Präsentation des Ibiza-Buchs im Rabenhof vom vergangenen Sonntag.

Sie haben schon per Wahlkarte gewählt (dachte ich es mir doch, ich auch) und machen am Wochenende lieber einen Ausflug oder lesen ein gutes Buch? Ich bin mitten in Dror Mishanis neuem Roman "Drei", den ich an dieser Stelle empfehlen kann. Der israelische Krimiautor erzählt aus verschiedenen Perspektiven von den Sehnsüchten, Ängsten und Abgründen unserer Gesellschaft, und das im zeitgemäßen Netflix-Serien-Stil.

Jetzt, im Indian Summer, glühen die Weinberge rund um den Neusiedlersee in allen Herbstfarben. Perfekt für einen Radausflug oder, für alle, die nicht wasserscheu sind, eine (Segel-)Bootsfahrt. Sonntags wird es tagsüber recht windig, das freut die Kiterinnen und Windsurferinnen - mich eingeschlossen. Die erste Hochrechnung um 17 Uhr können Sie ja zum Beispiel auf der wunderschönen Terasse des Lokals "Das Fritz" in Weiden am See am Handy verfolgen, das Falter-Politikteam (und ich) sind da schon in den Parteizentralen und der Hofburg unterwegs, um die wichtigsten Momente des Wahlabends für die Falter-Covergeschichte für kommende Woche aufzuschreiben.

"Schade, dass am Sonntag schon Wahlen sind. Das bedeutet nämlich auch, dass es danach kein FALTER.maily geben wird. Oder vielleicht kann sich die Falter-Redaktion doch dazu durchringen, dieses Format beizubehalten? Das würde hier in den Bergen (den) einen (oder anderen) Leser sehr freuen." - Markus A. Gaßner

"so sehr mir der wahlkampf auf die nerven geht und ich ein ende desselben herbeisehne, so sehr überkommt mich wehmut, wenn ich ans ende des FALTER.maily denke." - Julia Esterhazy

"Das Maily gehört zu meinem Frühstück wie das Frühstücks-Ei. Wie soll das nach der Wahl nur ohne gehen?" - Melanie Mitsche, Wien 20

"Der Falter Maily erinnert mich an den Neuburger. Erschaffe aus längst Altbewährtem ( Leberkäs/Newsletter) durch exzessives Qualitätspimping eine neue Kategorie in dem Genre: Falter Maily eben. 1000 Dank dafür täglich. Bitte bleibt wie Ihr seid." - Reinhard Haberfellner

"Herzlichen Dank für die regelmäßigen Infos, die mir sehr fehlen werden. Jeden Morgen mit vielfältiger, auch mal humorvoller und höchst umfassender Information, Hinweisen und Links versorgt zu werden ist einfach großartig." - Krista Placheta

Freuen Sie sich auch, dass wir noch ein bisschen weitermachen? Schreiben Sie uns! Antworten Sie dazu einfach auf diese Mail.

Im FALTER.maily #24 sind uns zwei Fehler passiert: Sie können mit Sebastian Kurz doch erst heute zum Heurigen Wolff gehen, 15 Uhr hat aber gestimmt.

Auch nicht gestimmt hat die Sache mit den neun Landeshauptstädten ab 1945; Leser Hans-Joachim Herder erklärt: "Dass Österreich seit 1945 neun Landeshauptstädte hat, ist falsch, weil St. Pölten erst seit 1986 die Landeshauptstadt Niederösterreichs ist. Bis 1986 saß die Landesregierung Niederösterreichs in Wien. Daher gab es von 1945 bis 1986 acht Landeshauptstädte; neun Landeshauptstädte gibt es erst seit 1986."

Danke an alle Leserinnen und Leser für die Hinweise!

Puls 4, 20.15 Uhr: Einmal noch haben wir den Mix aus Politik und Entertainment in der großen Samstagabend-Show "Die Qual der Wahl – Welche Partei passt zu mir?". 15 gesellschaftspolitische Fragen werden von sechs Prominenten beantwortet. Die sechs Gäste sind Edi Finger junior (Sportreporter), Stefan Petzner (PR-Berater), Katia Wagner (Krone-Kolumnistin), Reinhard Nowak (Kabarettist), Caroline Athanasiadis (SKabarettistin) und Michael Altrichter (Unternehmer und Business Angel).

ATV, 20.15 Uhr: Die Doku "Finanzpolizei" hat wahrscheinlich nichts mit Parteifinanzen zu tun.

ORF 3, 20.15 Uhr: Alle sechs Teile von "Wie wir wurden. Was wir sind" zeigt ORF 3 im Rahmen von "zeit.geschichte spezial" hintereinander. Diese Doku-Reihe "hat die geschichtlichen Ereignisse, prägende Momente und Persönlichkeiten im Fokus, die Identität und Selbstbild der Österreicherinnen und Österreicher im 20. Jahrhundert geprägt haben."

Und dann ist auch schon Wahltag!


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