Weniger Barbaren - FALTER.maily #44

Barbara Tóth
Versendet am 19.10.2019

denken Sie mit mir zum Wochenende doch kurz einmal darüber nach, wie sehr sich politische Debatten ins Netz verlagert haben - und damit die Frage, wer gehört wird oder nicht, wer Macht und Deutungshoheit hat und wer nicht, wer politisch überlebt oder nicht. 

Als Anlass dafür kann man den Streit um die Facebook-Seite von Heinz-Christian Strache nehmen. Wer sehr viele Follower hat, kann seine Partei am Ende auch leichter erpressen. Politische Macht, innerparteiliche Macht ist jetzt eine Währung, die digital funktioniert.

In der Süddeutschen Zeitung konnten sie diese Woche nachlesen, wie es in Ländern des ehemaligen Ostblocks zugeht. Dort ist das Bewusstsein, dass mit gefälschten Informationen eine neue, hybride Kriegsführung möglich ist, schon weiter fortgeschrittenen. 

Wer mehr darüber wissen will, wie Gesellschaft und Demokratie durch die Digitalisierung herausgefordert sind, liest am besten die Sammelrezension Armin Thurnhers aus der aktuellen Falter-Buchbeilage, alle besprochenen Bücher gibt es im Faltershop.

Dass Sitten in den Sozialen Medien verrohen, Debatten sich hysterisieren und wir am Ende oft überreizt und erschöpft, aber ohne großen Gewinn einfach nur abschalten wollen, davor hat der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen schon letztes Jahr gewarnt. Er wünscht sich eine "redaktionelle Gesellschaft" als Antwort.

Ich finde, der Schriftsteller Karl Markus Gauss hat Recht, wenn er in der SZ an uns alle appelliert, ein wenig weniger Barbaren und mehr Ladies und Gentlemen zu sein.

Seid einfach höflicher zueinander! Im digitalen und im echten Leben.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende,

Barbara Tóth

In der Bibliothek des Instituts für Zeitgeschichte gastiert seit diesen Donnerstag die Ausstellung "… unmöglich, diesen Schrecken aufzuhalten". Sie dokumentiert die medizinische Versorgung durch Häftlinge im Frauen-KZ Ravensbrück.

Die Serie Euphoria steht auf meiner Watch-List ganz oben, Teenager-Welten sind einfach bestes Filmmaterial. Denken Sie nur an Sophie Coppolas The Virgin Suicides.

Wir Journalistinnen und Journalisten schreiben nicht nur, manchmal reden wir auch über unseren Job und bisweilen unterrichten wir auch. Gerade eben etwa auf der Universität Wien im Rahmen des "Masters Zeitgeschichte und Journalismus", immer Donnerstags um 18.30 im Hörsaal 41. Mein Vortrag war diese Woche, aber viele interessante Kolleginnen und Kollegen treten demnächst auf.


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