Bücherverbrennungen - FALTER.maily #46

Stefanie Panzenböck
Versendet am 22.10.2019

wir stehen heute bei Tag 13 der Handke-Debatte. Zur Erinnerung: Dem österreichischen Schriftsteller Peter Handke wurde am 10. Oktober der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. Einer seiner schärfsten Kritiker, der aus Bosnien-Herzegowina stammende und auf deutsch schreibende Autor Saša Stanišić, wurde vier Tage später auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Seitdem reißt die Diskussion nicht ab.

Peter Handke habe die Verbrechen des Milošević-Regimes relativiert und sei einer solchen Ehrung unwürdig, sagen die einen. Man dürfe Politik und Literatur nicht vermengen, zudem habe er sich distanziert, man müsse nur sein Werk lesen, sagen die anderen. Trotz dieser unversöhnlichen Standpunkte war eine Auseinandersetzung innerhalb der und zwischen den einzelnen Medien (die sozialen ausgenommen) auf annehmbarem Niveau möglich. Bis zum Sonntag. Da beschrieb in der Sonntagsausgabe der Kronenzeitung ein „ehemaliger Industrie-Lenker, Wirtschaftsphilosoph und Buchautor“ in seinem Artikel über Handke, wie er die Bücher der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek „im Kachelofen abfackelte“. Es war ihm schlicht nicht möglich, ihre Literatur zu ertragen.

Bücherverbrennungen, seien sie metaphorisch oder real, privat oder öffentlich, sind der Endpunkt jeder gesellschaftlichen Debatte. Sie öffnen Falltüren in jene Abgründe, über denen demokratisch-rechtsstaatliche Gesellschaften in ihrer Fragilität ohnehin immer schweben. Sie sind Ausdruck einer Geisteshaltung, die die Aufklärung und Freiheitsrechte verachtet.

Debatten, Auseinandersetzungen, Streit und vehemente Kritik – alles ist möglich. Aber keine Bücherverbrennungen – unter gar keinen Umständen.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein Thema abseits der Handke-Debatte nahe legen. Hip-Hop ist inzwischen auch in Österreich im Mainstream angekommen. Jetzt fällt auch noch die letzte Bastion: Austro-Rap ist kein reiner Bubenklub mehr!

Wie konnte es dazu gekommen? Pop-Experte Gerhard Stöger hat nachgefragt und einige Protagonistinnen der Wiener Szene getroffen, nachzulesen im morgen um 17 Uhr digital erscheinenden Falter oder ab Mittwoch Früh vor Ihrer Haustür.

Stefanie Panzenböck

Falls Sie Gerhard Stögers Hip-Hop-Recherche auf den Geschmack gebracht hat:

- Die Party Femme DMC im Camera Club - 25.10., 23 Uhr

- Und noch mehr HipHop: Die nächste Ausgabe der Reihe Gürtel Squad im Rhiz - 26.10., 21 Uhr

Sie suchen noch Bücher für (eventuell) verregnete Herbstabende? Dann werfen Sie doch einen Blick in die Falter-Buchbeilage. Besonders zu empfehlen ist das neue Buch von Renate Welsh: „Kieselsteine“. Darin schreibt die Kinderbuchautorin über ihre eigene Kindheit.

Am Freitag, Samstag und Sonntag tritt die Performance-Künstlerin Doris Uhlich mit 120 anderen nackten Menschen auf: "Habitat / Halle E" im Tanzquartier, Halle E.


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