Katastrophen - FALTER.maily #47

Florian Klenk
Versendet am 23.10.2019

wir haben die letzten Wochen die österreichische Politik sehr stark aus der Sicht der Parteizentralen und der hohen Politik beschrieben. Diese Woche legen wir den Schwerpunkt auf die Politik im Mikrokosmos. Etwa die Gesundheitspolitik des roten Wien und den Jugendschutz im schwarzen Niederösterreich. 

Beginnen wir bei Wien: Vergangene Woche machte der Chef der Geburtshilfe am AKH, Peter Husslein, via Kronen Zeitung seinen Wutbrief öffentlich, in dem er eine Katastrophe an der Neonatologie des AKH beklagte. Auf der Frühchenstation des Allgemeinen Krankenhauses, so beklagte der bekannte Mediziner wörtlich, sei eine „Katastrophe“ ausgebrochen, auf die Ärzte und Pflegepersonal seit Jahren hingewiesen hätten. Es fehle an Personal, Mütter würden weggeschickt, Behandlungen abgebrochen oder in andere Spitäler verlagert. Das Leben von Säuglingen sei in Gefahr. 

Falter-Chefreporterin Nina Horaczek hat sich angesichts dieses Notrufs die Station 9C des AKH vergangene Woche sehr genau angesehen und den verantwortlichen SPÖ-Stadtrat Peter Hacker mit den schweren Vorwürfen der Ärzte konfrontiert. Die ausführliche Recherche über die Verfehlungen der Stadt Wien und des Krankenanstaltenverbundes lesen sie hier. Was bei der Recherche übrigens auffiel: Viele Ärzte die mit uns sprachen haben Angst vor Konsequenzen, wenn sie mit vollem Namen ihre Kritik äußern.

Die Stadt Wien spielt auch in einer zweiten investigativen Falter-Recherche eine wichtige Rolle, diesmal eine aufklärerische. Falter-Redakteurin Nina Brnada stellte sich die Frage, wie es geschehen konnte, dass ein 13-jähriges Mädchen vor den Augen seiner offenbar von religiösem Wahn ergriffenen Eltern versterben konnte, obwohl die Jugendbehörden von der prekären Situation des Kindes informiert worden waren. Brnada fand heraus, dass die Stadt Wien die niederösterreichischen Behörden eindringlich warnte, dem Kind drohe Gefahr. Doch die Warnungen kamen offenbar nicht an. Die erschütternde Chronologie dieses durchaus auch politischen Kriminalfalles lesen sie hier.

Und jetzt zu den Goodnews. Heute war Falter-Leserin und Maily-Abonnentin Lisa Z. zu Gast im Falter. Vor zwei Wochen hatte ich ja die Falter-Leserschaft eingeladen, zu uns zur Blattkritik zu kommen. Lisa Z. lobte unsere Recherchen und gab uns auch wertvolles Feedback über Dinge, die sie weniger gelungen fand. Wir danken ihr für die Mühe, einen ganzen Falter durchzuackern. Wir haben ihr mit unserem Jubel-Band „40 Jahre Widerstand“ gedankt, einem Buch über unsere Ausstellung im Wien-Museum.

Ich wünsche eine feine Falter-Woche,

Florian Klenk

Was Populisten in einer der stabilsten Demokratien der Welt anrichten können, hat Tessa Szyszkowitz in einer lesenswerten Reportage über den britischen Premier Boris Johnson aufgeschrieben. Für jene, die den Überblick im Brexitwahn verloren haben, gibt es ein Lexikon für Einsteiger. Unsere London-Korrespondentin ist übrigens auch zu Gast bei Raimund Löws Podcast.

Ich habe am Sonntag mit dem Kabarettisten Florian Scheuba eine launige Jam-Session abgehalten. In einem Höllenritt durchs Jahr 2019 haben wir im ausverkauften Hotel The Park in Baden die Innenpolitik kommentiert. Einen Mitschnitt der Show gibt es im Falter-Radio am Nationalfeiertag. Am sechsten Dezember werden wir zwei auch erstmals in Wien auftreten, in der Kulisse.

Bald startet die Viennale. Damit Sie wissen, worauf Sie sich konzentrieren sollten, hat unser Filmexperte Michael Omasta eine Vorauswahl getroffen. Seine zehn Empfehlungen - von Johanna Dohnal über genmanipulierte Pflanzen bis zu Leonard Cohen - finden Sie hier.


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