Frauen im und auf dem Falter - FALTER.maily #51

Klaus Nüchtern
Versendet am 28.10.2019

manchmal ist's einfach dumm gelaufen. RSO-Chefdirigentin Marin Alsop tritt ihren neuen Job an, meine Kolleginnen Miriam Damev und Stefanie Panzenböck führen ein langes und interessantes Interview – und dann kriegt Peter Handke den Nobelpreis. Immerhin, die Woche drauf war Alsop auf dem Cover der Falter-Woche. Oder nehmen wir die Ausgabe Nr. 42 vom Oktober 2008. Wir hatten ein tolles Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Ruth Klüger. Sie war fix vorgesehen. Und dann? Schießt sich Jörg Haider mit seinem Phaeton ins Jenseits und kegelt Klüger vom Cover. Manchen ist wirklich jedes Mittel recht! 

Solche Einzelfälle sind allerdings wenig aussagekräftig, und insgesamt muss man wohl selbstkritisch anmerken, dass in Sachen „Frauen am Falter-Cover“ noch viel Luft nach oben ist. Zugleich darf ich dennoch darauf hinweisen, dass wir uns durchaus bemühen. Das Feuilleton bietet in der aktuellen Ausgabe ein Interview mit Céline Sciamma, der Regisseurin des Viennale-Eröffnungsfilms, noch eines mit der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann sowie Gerhard Stögers ausführliche Würdigung junger heimischer Rapperinnen. Immerhin konnte Nicole Scheyerer Heimo Zoberning als Cicerone durch die Caravaggio-Ausstellung des Kunsthistorischen gewinnen und damit den „Quotenmann“ der Ausgabe bereitstellen.

Auch nächste Woche ist es um die Frauen-Quote im Feuilleton nicht soo schlecht bestellt. Die meisten Seiten für sich verbuchen konnte zwar der Wiener Barde Voodoo Jürgens, aber mit der Theaterregisseurin Christina Tscharyiski, die Martin Pesl porträtiert hat und den derzeit erfolgreichsten Schriftstellerinnen des Landes, Angela Lehner und Raphaela Edelbauer, die wir an einen Tisch gebeten haben, sind junge kreative Frauen prominent vertreten. Dass solche nach wie vor ein gerüttelt Maß an männlicher Herablassung gewärtigen müssen, wird aus dem Gespräch mit den beiden Autorinnen leider mehr als deutlich. Das muss sich ändern. Kritik im Modus der mahnenden Ermunterung führt mitunter eher zum Ziel als die Verbunkerung im diskursiven Schützengraben. Wenn Menschen merken, dass man ihnen etwas zutraut, steigert das den Lernerfolg bekanntlich beträchtlich. Und merke: Auch alte weiße Männer sind (nur) Menschen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ermahnen und ermuntern Sie uns, damit wir uns weiterhin bemühen. Bemühen ist voll wichtig!

Ihr Klaus Nüchtern

Dass der unlängst verstorbene Hollywood-Produzent und langjährige Viennale-Vorsitzende Eric Pleskow unglaublich witzig und ein verdammt cooler alter weißer Mann war, wissen alle, die je einer seiner Eröffnungsreden beigewohnt haben. Diejenige aus dem Jahr 2012 ist im aktuellen Falter-Radio zu hören.

Eichhörnchen sind die Königinnen der Lüfte in unseren Parkanlagen. Alle Menschen finden sie süüüß, obwohl die possierlichen Nager eigentlich nicht besonders nett (und zum Beispiel ziemlich territorial) sind. Das und alles, was Sie schon immer über die Gattung Sciurus wissen wollten, bloß dass Sie keine Ahnung hatten, um überhaupt danach zu fragen, beantwortet der deutsche Evolutionsbiologe und Ökologe Josef H. Reichholf in seinem äußerst spannenden Buch „Das Leben der Eichhörnchen“ (Hanser, € 20,60).

Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel ist ein Paradies für Birdspotter. Über 350 Vogelarten sind dort schon gesichtet worden. Das Info-Zentrum in Illmitz bietet tolle Führungen an, in deren Rahmen auch Menschen, die einen Stelzenläufer (noch) nicht von einem Säbelschnäbler unterscheiden können, von fachkundigen und mit professionellem optischen Gerät ausgestatteten Mitarbeiterinnen in die Freuden der Vogelbeobachtung eingeführt werden. Saisonal aktuelles Thema: Kranichzug und Gänsestrich.

Der Autor dieses Mailys, der seine Vogerl- und Wolkensichtungen als clousinthesky zwitschert, hat am vergangenen Wochenende in besagtem Nationalpark unter anderem einen Großen Brachvogel gesehen. Den bekannt vogelnarrischen Briten ist Letzterer unter dem Namen Curlew bekannt. Diesem imposant beschnäbelten Vogel aus der Ordnung der Regenpfeiferartigen hat die Band Grasscut auf ihrem Album „Everyone Was a Bird“ den schönen Song „Curlews“ gewidmet, der den melancholische Gepfeife dieses Vogels auch  im O-Ton featured.


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