Ohrwaschlkräuler - FALTER.maily #56

Gerhard Stöger
Versendet am 02.11.2019

Conchita Wurst und Voodoo Jürgens sind markante Figuren der heimischen Popwelt, ansonsten verbindet sie nicht viel. Hier die Song-Contest-Diva mit Bart, auf der Suche nach dem wahren künstlerischen Ich. Dort der Liedermacher-Poet aus dem Tschocherl, dessen Wurzeln im Punk liegen und der wenig von schillerndem Oberflächenglanz hält. Von emotionalem Tiefgang dafür umso mehr.

Der Zufall will es, dass beide das aktuelle Falter-Cover zieren – Voodoo Jürgens im Hauptheft, Conchita in der Falter:Woche, unserem umfangreichen Veranstaltungsprogramm. Beiden fällt auch etwas zum Thema Herbstdepression ein. „Ich habe mich gut darauf trainiert, jeden Tag mit einer positiven Grundstimmung zu beginnen“, sagt Tom Neuwirth, der Mensch hinter der Figur Conchita. „Das ist am Anfang anstrengend, dann aber ein großer Gewinn.“ Ein guter Ratschlag für Wien, der Welthauptstadt des Grants.

Voodoo Jürgens verpackt die Lebenshilfe in „Ohrwaschlkräuler“ („Ohrwurm“, falls Sie des Wienerischen nicht mächtig sind), ein Lied seiner neuen Platte „’S klane Glücksspiel“. Als zärtlicher Wienerischer Soulsong will „Ohrwaschlkräuler“ Trost in schwierigen Lagen spenden, ein „Schwimmflügerl“ sein, „desd zur Not aufblost“. „Auf muaß geht gor nix, es muaß si ergebn / Und monchmoi muaßt eifohrn, des is so im Lebn / Des is ollas hoib so wüd“. Das mag sich schlicht gestrickt lesen, wirkt gesungen aber Wunder.

Wer denselben Effekt sucht, aber keinen Leisetreter hören möchte und frei von Zynismus und Coolness-Dünkel ist, wird von Voodoos Namenspaten gut bedient: „Immer wieder geht die Sonne auf“ sang Udo Jürgens 1967 – ein Stimmungsaufheller für alle Lebenslagen.

Conchita tritt heute im Wuk auf, das Album „Truth Over Magnitude“ ist bereits erschienen. „’S klane Glücksspiel“ folgt am 8. November, Voodoo Jürgens wird es am 2. und 3. Dezember in der Wiener Arena vorstellen, eine umfangreiche Tournee folgt.

Einen Herbst mit guter Musik und ohne Depressionen wünscht

Gerhard Stöger

Wer Udo Jürgens auch fünf Jahre nach seinem Tod noch für einen Schlageronkel hält, kann sich mit seinem hippiesken Feger „Peace Now“ von 1970 eines Besseren belehren lassen.

Zehn Jahre später hat sich Udo ein Disco-Mäntelchen übergeworfen und einen der besten deutschsprachige Song zum Thema Begehren geschrieben (echt nur in der achtminütigen Maxiversion).

Die Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin hat als etwas andere Form der Autobiografie mit „Munkey Diaries“ gerade den ersten Teil ihrer seit der Kindheit geführten Tagebücher veröffentlicht. 2005 kam Birkin als Stargast zum Wiener Filmfestival Viennale, davor hat Klaus Nüchtern damals mit ihr telefoniert. Das wunderbare Ergebnis können Sie hier nachlesen. Den Text haben wir für Sie freigeschaltet.

Arnold Schwarzenegger gibt im Kino gerade wieder den Terminator. Noch als Bodybuilder-Muskelberg hat er in den 1980ern eine Trainingsstunde in breitesten Steirer-Englisch auf Schallplatte veröffentlicht, „Arnold Schwarzenegger's Total Body Workout“. Ein Ausschnitt daraus findet sich hier.


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