Medienkritik - FALTER.maily #89

Florian Klenk
Versendet am 11.12.2019

der Journalismus ist unter Druck gekommen, von allen Seiten und gerade auch in Wien. Die großen Social-Media-Giganten fressen uns die Werbeeinnahmen weg, die Regierung streicht regierungskritischen Blättern wie dem Falter die Inserate und die Leserinnen und Leser konsumieren ihre Nachrichten gerne gratis.

Dazu kommen politische Angriffe auf Journalisten durch radikale Politiker. Herbert Kickl wollte uns per Erlass Infos sperren, Heinz-Christian Strache phantasierte in Ibiza nicht nur über die Übernahme der Krone und die Beseitigung missliebiger Journalisten (“zack, zack, zack”), er nannte uns Medienleute auch “Huren”, also Gunstschreiberlinge, die sich nach der Macht recken.

Nur einen Journalisten nahm Strache von seiner Verachtung aus, Richard Schmitt, den damaligen Chef des Onlineportals der Kronen Zeitung, heute Chef von oe24.at.

Schmitt ist Ihnen vielleicht kein Begriff, aber in der Branche ist der Boulevardmacher berüchtigt, nicht nur wegen seiner damaligen Nähe zu Strache und zur FPÖ, sondern auch aufgrund seiner Methoden.

Wir wollen im Falter nun offen über diese Methoden reden und sie offen legen. Medienkritik, aber auch die genaue Beobachtung der eigenen Branche war stets auch ein Markenzeichen des Falter.

Deshalb haben wir Richard Schmitt die dieswöchige Titelgeschichte gewidmet. Schmitt selbst versteht das Porträt als Einschüchterung seiner Person, wie er auf Twitter höhnte, etwa weil er dieser Tage einen Prozess gegen einen Wiener Radfahr-Aktivisten, Helge Fahrnberger, angestrengt hat. Fahrnberger beschuldigte Schmitt die Unwahrheit zu berichten.

Doch um den Prozess geht es uns nur am Rande. Uns geht es um die Arbeit der Meinungsmacher im Boulevard, die Transparenz verdienen.

Lukas Matzingers Porträt von Richard Schmitt lesen Sie hier.

Viel Lesevergnügen,

Florian Klenk

Das rotgrüne Wien im Blick. Im Jahr 2020 wird in Wien gewählt, wir werden daher den regierenden Parteien (SPÖ und Grüne) sehr genau auf die Finger schauen und Missstände benennen. Nicht mit den Methoden oder der Häme des Boulevards, sondern mit akribischer Analyse und Recherche. Nach unseren Berichten über die seltsamen Vereinskonstruktionen am Christkindlmarkt und dem Notstand in der Neonatologie am AKH widmen wir uns auch diese Woche zwei großen Brennpunkten des Roten Wien.

Eva Konzett hat die Stadt gleich zweimal genau unter die Lupe genommen. In einer großen Reportage beschreibt sie, wie die Stadt gerade daran geht, den besonnenen Umgang mit Bettlern und Obdachlosen aus Osteuropa aufzugeben. Und im Ressort Stadtleben hat Konzett eine Expertenrunde versammelt, um über die Misere in Wiens Kindergärten zu debattieren.

Zur Besuch bei einer ganz Großen. Wir hätten aber auch noch ein anderes Cover in petto gehabt, jenes mit Friedericke Mayröcker, die dieser Tage ihren 95. Geburtstag feiert. Stephanie Panzenböck hat die Dichterin in ihrer legendären Wohnung besucht und mit ihr über das Leben, den Tod und das Schreiben gesprochen. Das feinsinnige und berührende Gespräch finden Sie hier.

„Ich bin Traditionalist, Patriot und Landei” - das ist der Titel des langen Interviews, das Josef Redl mit Martin Grubinger geführt hat. Der ist Perkussionist von Weltrang, Sozialdemokrat und Krone-Kolumnist. Redl hat sich so schwer getan zu kürzen, dass er für Sie auf falter.at eine Langfassung online gestellt hat. Das Gespräch über Medien, Politik und Attnang-Puchheim lesen Sie hier.


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