Wir wollen ja nur spielen - FALTER.maily #95

Florian Klenk
Versendet am 18.12.2019

drüben im sogenannten „Kultur-Zimmer“ wird gerade eine neue Steckdose installiert. Derweil packen die Redakteurinnen und Redakteure ihre Bücher und Akten in Kisten, weil morgen die Maler kommen und alles neu anstreichen. Wir schaffen nämlich zwei neue Arbeitsplätze.

Ja, wir wachsen. Langsam, aber stetig. Die Auflage des Falter ist in den letzten drei Jahren enorm gestiegen.

Das Gerede, die Leute würden keine Zeitungen mehr lesen, erweist sich zumindest in unserem Fall als falsch. Warum das so ist? Unsere These lautet, weil wir sehr viel Geld in investigative Recherche, aber auch in gute Analyse stecken, die Regierung mit Fakten verantwortlich halten und dennoch nicht unseren Humor verlieren. Ibiza-Affäre, Schredder-Affäre, die geheimen Konten der Liste Kurz, der Mord in Dornbirn und viele, viele Geschichten mehr haben Sie zuerst im Falter gelesen. Manche Geschichten haben wir auch auf unserem heuer komplett neu gestalteten Webauftritt auf falter.at veröffentlicht. Etwa jenes Tonband, auf dem ein Polizeichef seinen Untergebenen traktiert. Es war die am meisten geklickte Geschichte des Jahres.

Bei all den Skandalen wollen wir aber auch unseren Humor nicht verlieren. Und deshalb finden Sie heute – sofern Sie uns abonniert haben – die legendäre Satirebeilage „Best of Böse“ im Postkasten, mit der Liste der 100 bösesten Österreicherinnen und Österreicher.

Ich gestehe es: ich schaue mir die von einem geheimen „BoB“-Team gestaltete Satire-Beilage erst an, wenn sie schon in der Druckerei ist. Weil wir fast immer irgendjemanden derb beleidigen und ich das dann mit Gulasch-Einladungen und Entschuldigungen ausbügeln muss. Aber meistens kommen wir durch, wir wollen ja nur spielen.

Ihr Florian Klenk

Eine Falter-Geschichte, die mir in diesem Jahr besonders am Herzen lag, war jene über die Ballettakademie der Wiener Staatsoper. Die New York Times hat die investigative Geschichte breit zitiert. Kinder sind in Österreichs berühmtester Institution unwürdig behandelt, sexuell belästigt und schikaniert worden.

Der in Wien lebenden kanadischen Tanzlehrerin Sharon Booth ist es zu verdanken, dass die Missstände aufgeflogen sind. Sie motivierte ehemalige Schülerinnen und Lehrerinnen, ihre Geschichten öffentlich zu erzählen. Was uns Booth in vielen vertraulichen Interviewstunden im Café Korb erzählt hat, findet sich nun auch in einem Bericht einer prominent besetzten Untersuchungskommission wieder, der vernichtende Kritik an der Staatsoper und Direktor Dominique Meyer übt. Ich danke Booth, dass sie auf den Qualitätsjournalismus des Falter vertraut hat.

Guter Journalismus soll auch etwas bewirken, im besten Fall Reform oder zumindest Einsicht. Wie jedes Jahr fragen wir auch heuer die Protagonisten unserer wichtigsten Reportagen, wie die von uns aufgeschriebene Geschichte weiter gegangen ist. Die Antworten finden Sie hier.

Zu den Enthüllungen in der Staatsoper bat mich Puls24 zum Interview, das können Sie hier nachsehen. Und am Sonntag war unsere Chefreporterin Nina Horaczek bei Im Zentrum in ORF 2 eingeladen, um über den Fall FPÖ/Strache zu diskutieren. Das können Sie hier sehen.


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