Humor und Scheitern - FALTER.maily #96

Stefanie Panzenböck
Versendet am 19.12.2019

"Humor entsteht aus dem menschlichen Scheitern", sagt der Schauspieler Manuel Rubey im Interview, das in der aktuellen Falter:Woche erschienen ist. "Wir scheitern, wenn wir uns cooler, klüger, stärker und schöner machen wollen, als wir sind. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit geschieht Humor." Die Komödie ist für Rubey die Königsdisziplin. Am 9. Jänner wird er sein erstes Solo-Kabarettprogramm präsentieren. Alfred Dorfer, der mit seinem siebten Solo, "und ...", auf Tour ist, geht noch einen Schritt weiter. "Komik ist immer existenziell", stellte er in einem Gespräch mit dem Falter im Sommer 2017 fest. "Weil die gute Komik die Tragik immer mitnimmt, während die Tragik das mit der Komik umgekehrt nicht tut. Und weil die Komik so großartig ist, misslingt sie auch so oft. In diesem Genre scheitern wir mehr, als dass uns etwas gelingt. Komik ist kein Talent, und man kann es auch nicht studieren. Es ist so wie in der Clownerie - man ist es."

Die Komik macht das Scheitern also unausweichlich. Auch die Themen von Kabarettprogrammen muten oft traurig an: In Rubeys Solo "Goldfisch" geht es etwa um das Verlassenwerden. Einen Vorgang, der nicht selten mit der Frage nach dem eigenen Versagen endet.

Sobald wir aber aus dem Raum, der für die Komik vorgesehen ist, heraustreten, wird das Scheitern zu Qual. Schließlich haben wir uns eine Gesellschaft gebaut, die den Erfolg fordert. Versagen ist in erster Linie persönliches Versagen, die Niederlage demütigend und peinlich. Ein Makel, den man schwer wieder los wird. Die Komödie hat dabei keine Chance, die Tragödie gewinnt Oberwasser.

Niederlagen zu feiern wäre lächerlich, sie als unausweichlich anzusehen, ist eventuell hilfreich. Vor allem wenn daraus Humor entsteht. Ich wünsche Ihnen ein gutes Ende des Jahres.

Ihre Stefanie Panzenböck

Manuel Rubeys erstes Solo-Kabarettprogramm hat am 9. Jänner im Stadtsaal Premiere, alle seine feststehenden Termine finden Sie hier.

Alfred Dorfer spielt sein Programm "und..." wieder am 11. und 12. Jänner im Orpheum. Mehr Termine finden Sie hier.

Im Falter Radio, auf W24 und im Falter TV können Sie morgen eine Debatte zum Thema "Europäische Verschiebungen und Aussichten 1989-2020" hören und sehen. Zu Gast bei Raimund Löw sind der Historiker Philipp Ther (Uni Wien), Philosophin Isolde Charim (Falter), Diplomatin Eva Nowotny und der Journalist Michael Laczynski (Die Presse).


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