Strache - FALTER.maily #112

Nina Horaczek
Versendet am 14.01.2020

Heinz-Christian Strache ist ein Fan von Traditionen. Just an jenem Ort, an dem er Mitte der 1990er Jahre seine erste Frau kennengelernt hatte (die Scheidung folgte 2006) und wo er vergangenen Juni seinen 50. Geburtstag feiern wollte, soll nun am 23. Jänner sein politisches Comeback stattfinden.

Die Geburtstagsparty damals fiel ins Wasser, Ibiza. Die Polit-Revival-Feier scheint unter einem besseren Stern zu stehen. Zumindest berichten Vertraute des früheren Langzeit-FPÖ-Chefs, dass es mittlerweile in mehreren blauen Bezirksorganisationen rumort. Die Bezirke Innere Stadt, Leopoldstadt, Landstrasse und Donaustadt sollen, so erzählt man es zumindest in Straches Umfeld, gewisse Spannungstendenzen zeigen. Es könnten also noch ein paar Blaue zu Strache rutschen. Und am 23. Jänner wird sich zeigen, wer sich öffentlich zu Strache bekennt. Doch derzeit, ist zumindest aus Straches Umfeld zu hören, konzentriere man sich darauf, neue Gesichter für eine Liste "HC Strache - das andere Österreich" zu finden. Denn schließlich könne eine Liste Strache doch nicht aus lauter alten FPÖ-Gesichtern bestehen.

Aber auch der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp hat indes Verbündete. Eine sichere blaue Bank bleibt trotz aller parteiinternen Turbulenzen der Bezirk Simmering mit seinen mehr als 60.000 Wahlberechtigten. Der Arbeiterbezirk ist der erste und einzige blau regierte Bezirk im roten Wien. Hier ist seit 2015 der Freiheitliche Paul Stadler an der Macht. Stadler ist ein hemdsärmeliger Kerl, einer, der anpackt, ein politischer G'schaftelhuber, der in Simmering bestens verankert ist, der stets ein offenes Ohr hat und auf keinem Kirtag und keinem Gschnas im Pensionistenheim fehlt.

Sollte die Wiener FPÖ unter dem farblosen Dominik Nepp bei der Wien-Wahl nicht ganz an Heinz-Christian Strache scheitern, so liegt dies an Personen wie dem Simmeringer Bezirksblauen Stadler. Spannend wird die Wien-Wahl allemal.

Ihre Nina Horaczek

"Straches Fahnenoffizier" lautete der Titel eines Artikels, den ich 2015 über den ersten blauen Bezirksvorsteher Paul Stadler geschrieben hat. Wer verstehen möchte, wie blaue Politik auf Bezirksebene funktioniert, kommt an dem Freiheitlichen Stadler nicht vorbei: https://www.falter.at/zeitung/20151014/straches-fahnenoffizier/69fea3719f

Ein Tipp für alle Geschichtsinteressierten: Heute Abend spricht der deutsche Historiker Gerhard Sälter auf Einladung der Arbeiterkammer über "Der NS-Untergrund in Österreich und die Organisation Gehlen. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der FPÖ". Sälter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Berliner Mauer und erforscht im Auftrag des deutschen Bundesnachrichtendienstes deren Kollaboration mit ehemaligen Nazis nach 1945. Ich hatte das Vergnügen, mit dem Historiker schon vorab über deutsche Spione in der FPÖ-Vorgängerpartei "Verband der Unabhängigen" zu sprechen und kann diese Veranstaltung nur wärmstens empfehlen. Heute, 18.30 Uhr in der AK-Bibliothek, 4., Prinz-Eugen-Straße 20-22 (Anmeldung an anna.haas@akwien.at)

Im gestrigen Maily #111 Brennstoff ist uns ein Fehler unterlaufen. Tesla ist mit einem Börsenwert von 89 Milliarden Dollar nicht wie geschrieben die wertvollste Automarke der Welt, sondern die wertvollste US-amerikanische Automarke. Wir bitten Sie, den Fehler zu entschuldigen.


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