Behemoth - FALTER.maily #133

Eva Maria Konzett
Versendet am 07.02.2020

der Kapitalismus hat keine Moral. Aber er hat einen guten Riecher. Das Geld muss wissen, wo es sich vermehren kann. Sonst hat es seinen Daseinszweck verwirkt.

So war es nur auf den ersten Blick erstaunlich, als der Chef des größten privaten Investitionsfonds der Welt im Jänner erklärte, in Zukunft nicht mehr in Kohle zu investieren. Der Mann heißt Larry Fink, sein Unternehmen heißt BlackRock, es verwaltet so viel Geld wie Deutschland in zwei Jahren erwirtschaftet, nämlich mehr als sechs Billionen US-Dollar. Die angelsächsischen Medien nennen Black Rock einen Behemoth, das ist ein mächtiges Ungeheuer aus dem jüdischen Tanach. BlackRock jedenfalls war bis dato ein Klimaungeheuer. Der Fonds hat seinen Profit mit allem gemacht, was Geld hergibt: Ganz vorne dabei fossile Brennstoffe in sämtlichen ihrer Facetten. Dass man nun zumindest jene Unternehmen meiden will, die mindestens 25 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen, ist mehr als eine Ansage. Es ist richtungsweisend.

Vor allem, weil Larry Fink nicht alleine da steht. David Solomon, CEO von Goldmann Sachs, erklärte Ende des vergangenes Jahres, seine Investmentbank werde in den kommenden 20 Jahren 750 Milliarden US-Dollar in Klimaschutz investieren. Wer bei Goldman Sachs an Gordon Gecko denkt, ist wohl richtig. "Gier ist gut!".

Die größten Dinger der Wallstreet entdecken den Klimaschutz nicht aus altruistischem Gemüt. Dafür haben sie Charity. Die Welt vor dem Untergang zu retten beflügelt die Investorenphantasie.

Erleben wir gerade ein Moment? Manches spricht dafür: Die Tesla-Aktie, die durch die Decke geht. Die sogenannten Green Bonds – dahinter stecken klimafreundliche Investitionen –, die heute schon mit einem Volumen von einer Billion US-Dollar gehandelt werden. Die halbe Hochfinanz die plötzlich wie Greta spricht. Und die EU-Kommission, die einen Grünen Deal in Aussicht stellt und dafür eine Billion Euro lockermachen will. Wenn grüne Investitionen nicht mehr nur als als imageboostender Anstrich verstanden werden, sondern als profitable Geschäftsfelder, dann ist der Hebel groß.

Zweifler werden jetzt sagen, dass sich der Kapitalismus überall draufsetze, um sich alles untertan zu machen. Vielleicht haben sie recht. Vielleicht sind sie Realisten.

Vielleicht aber kann er gar nicht mehr anders. Das wäre eine gute Nachricht.

Lassen Sie mich optimistisch bleiben.

Ich wünsche Ihnen einen fabelhaften Start in den Tag,

Eva Maria Konzett

Haben Sie, liebe Leserin und lieber Leser, die Vorgänge im deutschen Freistaat Thüringen auch fassungslos miterlebt? Dort hatte sich der FDP-Politiker Thomas Kemmerich, der es mit ein paar hundert Stimmen überhaupt nur in den Landtag geschafft hatte, mit der Unterstützung der Rechtsaußen-Partei AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen. 22 Stunden später war alles Geschichte. Der Liveticker der Süddeutschen hält Sie auf dem letzten Stand.

Derweil geht in Österreich die Causa um die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft weiter. Bundeskanzler Sebastian Kurz will zu einem runden Tisch laden, der Jurist Oliver Scheiber sieht darin einen Tabubruch. Und was sagen eigentlich die Staatsanwälte?

Die Mehrheitsführerin im amerikanischen Repräsentantenhaus Nancy Pelosi hat öffentlichkeitswirksam das Manuskript der Rede zur Lage der Nation von Präsident Donald Trump zerrissen. Haben Sie das Gif schon gesehen? Wie die sozialen Medien die Gesten von Politikern verändern und wie Pelosi Trump schon mehrfach die Show gestohlen hat, hat Andrian Kreye noch einmal in der Süddeutschen aufgeschrieben.


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!