Nackter Hintern - FALTER.maily #144

Florian Klenk
Versendet am 19.02.2020

vielleicht haben Sie es schon auf Facebook oder Twitter gesehen. Seit kurzem gestaltet unser Bewegtbild-Chef Tom Rottenberg kleine, feine Videos. Wir nennen sie "Falter in einer Minute", sie sind natürlich auch auf falter.at abrufbar, und wir versuchen darin, die wichtigsten politischen Themen der Woche so darzustellen, dass Sie diese schnell verstehen. Die Minuten-Videos sind das Gegenstück zu unseren Podcasts, wo wir Falter-Texte noch einmal ganz grundsätzlich debattieren.

Diese Woche zeige ich Ihnen in einem 1-Minuten-Video ausnahmsweise einen nackten Hintern. Nein, nicht meinen. Sondern den von Erhard Steininger. Der Mann zeigte den Medien 2007 ganz freiwillig sein Gesäß, weil diese ihm Fragen nach jenen sechs Millionen Euro stellten, die er großzügig unter blauen Lobbyisten und Militärchefs verteilte - und zwar im Auftrag des Rüstungskonzerns EADS, dessen Eurofighter Sie zahlten, liebe Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Warum da nichts weitergeht? Weil die Staatsanwälte schlicht untätig geblieben sind. Aus Faulheit, aber auch Überforderung. Das habe ich hier und hier und hier und hier sehr akribisch aufgeschrieben.

Auch das Verteidigungsministerium ist ziemlich sauer, so hat es den Anschein. Es hat den Mega-Skandal hier zusammengefasst und auch das Parlament hat alles rekonstruiert: hier und ganz ganz eindringlich noch einmal hier.

Es liegt also alles auf dem Tisch und dennoch kann uns die Rüstungslobby den Allerwertesten zeigen, denn die Fälle sind verjährt, nur ein paar Manager-Verfahren sind noch offen.

Ein Staatsversagen, wie ich in meinem Kommentar im aktuellen Falter argumentiere. Und die Grüne Justizministerin müsste den Fall nun zum Anlass nehmen, um die Anti-Korruptionsbestimmungen bei Beschaffungsvorgängen massiv zu verschärfen.

Haben Sie einen schönen Mittwoch,

Florian Klenk

Vergangene Woche beschlossen die Briten, dass es in London ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden. Paris räumt gerade den öffentlichen Raum frei und verbannt die Autos. Der leise Abschied vom Automobil, wie wir es kennen wird eingeläutet. Was bedeutet das für unsere Freiheit und Mobilität? Und wieso kaufen wir dennoch wie verrückt SUVs? Eva Konzett, Lukas Matzinger und Benedikt Narodoslawsky haben das für uns ergründet, in dieser und in dieser Geschichte.

Besonders lesenswert ist diese Woche die Reportage von Nina Brnada. Meine Kollegin ist der Frage nachgegangen, wieso ein 13-jähriges Mädchen mit 33 Kilo in Windeln neben ihrer Mutter verstorben ist. Ein Mordprozess in Krems hat ein Drama enthüllt. Brnada aber ist auch dem Versagen der niederösterreichischen Jugend- und Schulwohlfahrt auf der Spur. Von Wiener Behörden gewarnt, haben sie offenbar versagt.

Ein regelrechter Krieg findet gerade in der Tageszeitung Kurier statt. Die Redakteure beklagen politische Interventionen und Übergriffe in ihre Arbeit. Online-Chef und ÖVP-Intimus Richard Grasl hat nämlich in der Nacht eine höchst umstrittene Geschichte über "rote Netzwerke" in der Staatsanwaltschaft Wien publiziert. Sein Problem: die Geschichte war falsch und wegen ihr wurde der Kurier schon einmal verklagt. Die Redaktion tobt, weil interne Kontrollmechanismus ausgeschaltet worden sein sollen. Nun stellt sich Kurier-Chefin Martina Salomon vor den Kollegen, wie Barbara Tóth in Erfahrung bringen konnte.

Wenn Sie es sich in der Frühlingsluft wirklich fein machen wollen, dann nehmen Sie doch den Railjet und fahren sie zwei Tage an den Semmering. Der verschlafene ehemalige Sehnsuchtsort des Wiener Großbürgertums wird gerade wieder entdeckt. Der Grazer Hotelier Florian Weitzer renoviert gerade eines der schönsten Hotels, das Kurhaus Semmering. Das wird die Region rund um das Bahn-Weltkulturerbe wohl nachhaltig verändern. Matthias Dusini war für uns dort.


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