Unsere Schicksalswahl - FALTER.maily #148

Benedikt Narodoslawsky
Versendet am 24.02.2020

Vielleicht haben Sie's gehört: Österreich wählt schon wieder. Die Unternehmer schreiten zur Wirtschaftskammerwahl. Das könnte uns egal sein. Sollte es aber nicht.

Denn es geht dabei nicht nur um eine fade Kammerwahl. Es geht um nichts weniger als die Zukunft unserer Kinder. Schließlich gilt die Wirtschaftskammer (WKO) als größter Blockierer in der heimischen Klimapolitik - und die Klimakrise als größte Bedrohung der Erde. Seit jeher dominiert der ÖVP-Wirtschaftsbund die Kammer, seit 1987 regiert die ÖVP die Republik. Seit damals geht in der Klimapolitik nichts weiter.

Ja, die türkis-grüne Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Nur wie das gehen soll, weiß niemand. Man weiß nur: Die WKO wird dieses Ziel mit all ihrer Macht verhindern. Und diese Kammer hat extrem viel Macht.

In der SPÖ-ÖVP-Koalition zerstörte die WKO das klimafreundliche Energieeffizienzgesetz. In der ÖVP-FPÖ-Koalition erkämpfte sie das Standortentwicklungsgesetz, das von der EU-Kommission zerpflückt wurde, weil es die Umwelt bedroht. In der Übergangsregierung kam die Kammer an vertrauliche Papiere aus dem Ministerium, und schickte sie an Konzerne weiter, damit diese gegen den Klimaplan Österreichs lobbyieren konnten. Wie praktisch, dass ehemalige WKO-Mitarbeiter heute an entscheidenden Stellen in Ministerien sitzen.

Warum bekämpft die WKO die Klimapolitik? Ich habe eine Vermutung: Schauen Sie sich einmal das achtköpfige Präsidium der WKO an: Nach jemandem aus der Green Economy sucht man da vergeblich, dafür ist der eine Ex-Chef des Ölkonzerns OMV (Richard Schenz), ein anderer ist Ölhändler (Jürgen Roth) und ein dritter kommt aus der Zement-Industrie (Christoph Leitl). Öl- und Zementkonzerne - das sind genau jene Industrien, die viel Geld machen und dabei unser Klima zerstören.

Wer die Klimapolitik im Land ändern will, muss die Wirtschaftskammer ändern. 60 Prozent der Unternehmer sind nicht Zement- und Ölhändler, sondern Alleinunternehmer. Mobilisieren wir sie!

Benedikt Narodoslawsky

Sie sind Unternehmerin oder Unternehmer, wollen das Klima retten, aber wissen nicht, wen Sie wählen sollen? Österreichs Klimaforschungsnetzwerk CCCA hat im September 2019 die Klimapolitik aller Parteien analysiert. Das Ergebnis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden Sie hier: CCCA-Auswertung.

Warum sollte Sie die Klimakrise überhaupt interessieren? Da gibt es viele Gründe. Für mich persönlich einer der wichtigsten ist der Zusammenhang zwischen der Klimakrise und Krieg. Folgender Text des US-Friedensforschers Michael T. Klare aus dem 2015 hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet: Klima und Krieg.

Sie interessieren sich weder für die Wirtschaftskammerwahl, noch für die Klimakrise, wollen aber trotzdem etwas verbessern - etwa Ihr Leben? Dann hilft Ihnen vielleicht folgendes TED-Talk-Video weiter. Es geht in den 13 Minuten um eine Langzeitstudie, die untersuchte, was Menschen gesund und vor allem glücklich macht: What makes a good life?


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