Fieber - FALTER.maily #162

Florian Klenk
Versendet am 11.03.2020

am Dienstag um 11 Uhr starten wir in die neue Falter-Woche. Wir sind erschöpft von der Produktion der aktuellen Nummer (das ist die, die Sie gerade in Händen halten). Übernachtig sitzen wir da, trinken Kaffee, debattieren, knurren uns manchmal auch ein bisschen an und verteilen die Arbeit. Vor allem fragen wir uns, womit wir in der kommenden Woche die Leserschaft überraschen werden. Meistens haben wir uns nach der Sitzung dann eh wieder lieb.

Diesmal war die Konferenz aber etwas ungewöhnlich. Denn während wir noch darüber debattierten, ob wir uns der ersten Budgetrede Gernot Blümels widmen sollen oder doch das erste große Interview mit Werner Kogler als Aufmacherstory dient, klingelten die Alarmmeldungen auf den Handys. „Die Regierung schließt gerade die Theater und Opern“, informierte Matthias Dusini.

„Was also schreiben wir kommende Woche?“, fragte ich. „Die Falter-Seuchennummer“, sagte Armin Thurnher. Und langsam dämmerte uns, dass wir eine Zeitenwende erleben, dass sich da etwas verändert in der Gesellschaft, dass dieser 10. März, als die Regierung erstmals die Massen in ihrer Freiheit beschränkt, in die Stadtgeschichte eingehen wird.

Wir werden also ausschwärmen, um die Stadt im Ausnahmezustand zu porträtieren. Es stehen vielleicht ganz besondere Wochen bevor. Hoffen wir, dass nichts passiert.

Wie die Corona-Krise die Welt zum Besseren wenden kann, hat Eva Konzett im dieswöchigen Leitartikel jedenfalls schon aufgeschrieben. Der Text entstand, so wie der aktuelle Falter, vor der Veranstaltungssperre.

Ihr Florian Klenk

Vielleicht erinnern Sie sich noch: im Sommer 2017 widmeten wir uns dem qualvollen Tod des erst 19-jährigen Rekruten Toni P., der bei einem Hitzemarsch in der Kaserne Horn umgekommen ist.

Die Vorgesetzten hätten alle Vorschriften eingehalten, urteilte die Justiz und stellte das Strafverfahren ein. Aber was ist damals wirklich passiert?

Uns ließ der Fall keine Ruhe und wir kontaktierten den Anwalt der Familie des Jungen, Helmut Graupner. Die Hinterbliebenen legen im Falter nun erstmals die erschreckenden Fakten in diesem Fall offen. Wir konnten auch erstmals den Verschlussakt einsehen.

Fast eine Stunde lang dauerte es, bis Tonis Vorgesetzten einen Notarzt holten. Der Doktor fand den Burschen bei 36 Grad Außentemperatur mit 43,5 Grad Fieber in der prallen Sonne am Asphalt liegend vor. Eine Stunde später stellten die Ärzte die Wiederbelebung ein. Die minutiöse Rekonstruktion dieses Falles und die Meinung der Eltern lesen sie hier.

Noch ein großes Thema hat uns diese Woche beschäftigt: die Flüchtlingskrise an der griechisch-türkischen Grenze. Was muss man wissen, was darf man glauben? Nina Brnada hat die Fakten feinsäuberlich recherchiert und aufgeschrieben. Ihren Text finden sie hier.

Außenveranstaltungen mit 500 Personen sind ja jetzt verboten. Aber gilt das auch für Prater und Schweizerhaus? Das wäre traurig, denn die legendäre Gastwirtschaft im Prater feiert ihr 100-jähriges Bestehen und wir freuen uns schon auf das Knirschen im Kies und das Gemischte zur Stelze. Unser Gastro- und Restaurantkritiker Florian Holzer war vor Ort. Seine Hymne lesen Sie hier.

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