Was gibt’s denn hier zu lachen? - FALTER.maily #179

Klaus Nüchtern
Versendet am 31.03.2020

zum Beispiel der: „Warum hamstern so viele Menschen Klopapier? Weil, wenn einer hustet, schei**en sich hundert an.“ Den hat mir die Frau vom Brot vorletztes Wochenende am Markt erzählt. Mittlerweile hat sich die Hamsterwelle gelegt, der Witz ist quasi „von gestern“, vielleicht würde ihn heute auch niemand mehr witzig finden.

Humor hat viel mit Grenzüberschreitung zu tun: Was die einen lustig finden, scheint den anderen nur zynisch oder frivol. Jedenfalls ist Humor offenbar eine Art Existenztechnik, die hilft, mit Krisensituationen besser fertig zu werden.

So sieht es auch der Kabarettist Michael Niavarani, mit dem Stefanie Panzenböck ein langes Interview für die nächste Falter-Ausgabe gemacht hat und in dem der „Gaukler“ (Selbstdefinition) darauf besteht, dass die Unterscheidung zwischen „gut“ und „schlecht“ beim Humor nicht zählt: „Es gibt nur lustig und nicht lustig. In der Abteilung lustig haben wir unzählige Unterabteilungen, von geschmacklos bis intelligent. Von dumm und sehr lustig, bis intelligent und nicht so lustig. Humor ist immer positiv und immer gut.“

Tatsächlich wartet das Feuilleton in der morgen erscheinenden Ausgabe mit einem fetten Humor-Schwerpunkt auf. Das hat sich so ergeben. Niavaranis Kabarett-Kollegin Lisa Eckhart, die im übrigen auch einen Beitrag für den soeben im Falter-Verlag erschienenen Sammelband „Unser Land. Wie wir Heimat herstellen“ verfasst hat, aus dem ich in diesem Video-Beitrag einen kleinen Ausschnitt vorlese, meint es mit ihrer Polemik gegen die von ihr so genannten „Gutunmenschen“ aber durchaus ernst: Sie kritisiert darin jene, die pöbelnd – #staythefuckhome – immer nur die Unbotmäßigkeit der anderen im Auge haben und ausstellen, wie gut sie selber es meinen. Über das „ansteckende Lachen“ schließlich denkt der Philosoph Thomas Macho in seinem Essay über den Umgang mit der Seuche vom Spätmittelalter bis zu Camus’ Roman „Die Pest“ nach.

Stay calm, stay confident and, please, don’t zizek your face!

Ihr Klaus Nüchtern

Wenn Michael Niavarani die Lektüre der „Wahlverwandtschaften“ empfiehlt und Goethe mit Woody Allen vergleicht, dann kann ich, als jemand, der sein letztes Wochenende damit verbracht hat, sich Allens soeben erschienene Autobiografie reinzuziehen, nur sagen: Lesen Sie lieber ,Die Wahlverwandtschaften‘ als ,Ganz nebenbei‘!“ Eine ausführliche Begründung finden Sie ebenfalls in der morgen erscheinenden Ausgabe des Falter (schon heute um 17 Uhr digital).

Ab sofort finden Sie im Feuilleton ein neues Format, das sich „Ecke der Ermunterung“ nennt. Darin geben prominente Kunst und Kultur darüber Auskunft, woran sie sich gerade erfreuen. Den Anfang macht die im deutschen Bad Belzig lebende US-Autorin Nell Zink, die mit ihrem Romandebüt „The Wallcreeper“ (2014) schlagartig berühmt wurde. Anlässlich der deutschen Ausgabe „Der Mauerläufer“ habe ich Zink vor genau vier Jahren getroffen und ein Porträt verfasst, das Sie hier nachlesen können.

In seiner Autobiografie gelingt ihm das nur streckenweise, aber natürlich kann Woody Allen komisch, reichlich albern und verdammt witzig sein. Hier ist eine berühmte Szene aus „Annie Hall“ (1977, dt.: „Der Stadtneurotiker“), bei dem Allen und Diane Keaton (eigentlich: Diane Hall) offenkundig auch beim Drehen viel Spaß hatten.

Als genaue Leserin, als genauer Leser des Mailys kennen Sie sicher die Video-Reihe "Berti Blockwardt passt auf – Geschichten aus der Wiener Kwarantäne", die Puppenkünstler Nkolaus Habjan für uns gestaltet. In Folge drei meldet sich Bertis Rechtsbeistand, Dr. jur. Josef Staißbeyn, zu Wort. Er wendet sich an die Polizei, weil es in seiner Apotheke zu untragbaren ... Aber sehen Sie selbst, was Nikolaus Habjan in seiner bitterbösen Handpuppensatire diesmal ans Tageslicht bringt.

Unser Verlag hat sich für die Osterzeit etwas überlegt und bis zum Ostermontag auf unserer Website falter.at eine Reihe von bunten Ostereiern versteckt. Klicken Sie ruhig drauf - dahinter verbirgt sich nämlich ein Gewinnspiel!


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