Wie wird das sein? - FALTER.maily #200

Stefanie Panzenböck
Versendet am 25.04.2020

es ist Ende April und Samstagfrüh. Ein leichter Regenschauer benetzt die staubigen Straßen, ein frischer Lufthauch schafft es sogar bis ins Stadtzentrum. Sie frühstücken, schnappen sich die Einkaufstasche und spazieren zum Lebensmittelgeschäft Ihrer Wahl. Sie haben Freunde zum Mittagessen eingeladen. Am Abend steht noch ein gemeinsamer Konzertbesuch an. Am Sonntag wollen die Schwiegereltern vorbeikommen und freuen sich auf einen Spaziergang im Wienerwald.

Fragen Sie sich auch, wie es sein wird, wenn dann alles vorbei ist? Wenn alles überstanden ist? Und können Sie diese beiden Halbsätze der Corona-Zeit auch schon nicht mehr hören? Sie haben etwas bedrückend Verheißungsvolles, etwas Karottiges vor der Nase, etwas skurril Normales.

Ich ertappe mich dabei, mir immer öfter diese Momente des Danachs vorzustellen. Etwa, wenn die Türen des Burgtheaters wieder knarrend aufgehen und langsam der Lärmpegel im Foyer steigt. Wenn es still wird im Saal, kurz nachdem das Licht ausgegangen ist und sich eine feierliche Gemeinsamkeit über den Raum legt. Hin und wieder denke ich mir auch, dass es schön wäre, sich mit Freunden in ein enges Café zu zwängen und die Köpfe zusammenzustecken, wenn man nicht will, dass die Leute am Nachbartisch zuhören. Oder auf einer Parkbank Platz zu nehmen, auf der schon zwei andere Menschen sitzen. Oft träume ich auch, dass der Zug quietschend in einem steirischen Dorf stehen bleibt und ich meine Eltern umarme, die dort auf mich warten. Bizarr, wohin einen die Fantasie so führt.

Haben Sie ein schönes Wochenende und vergessen Sie nicht auf das Schöne,

Ihre Stefanie Panzenböck

Wie geht es der Filmbranche in der Krise? Das hat Michael Omasta für den aktuellen Falter recherchiert und auch die Leiterin der Vienna Film Commission, Marijana Stoisits, interviewt. Was die Kunst- und Kulturszene zum Überleben bräuchte, können Sie hier nachlesen.

Sebastian Kurz inszeniert sich gern als allwissendes Corona-Orakel. Wie würde seriöse Kommunikation aussehen? Politik-Redakteurin Nina Brnada hat eine Rede für den Bundeskanzler geschrieben.

... beziehungsweise, was mir gerade vorgelesen wird: Homers "Die Odyssee" in der Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt. Geeignet für alle Menschen, die wunderschöne Geschichten lieben.

Im Falter Radio gibt es wie jeden Samstag eine neue Folge, diesmal geht es darum, wie Covid-19 den Süden bedroht. Die Pandemie führt zu einem sprunghaften Anstieg von Armut und Verzweiflung. Zu hören: Karim el-Gawhary aus Kairo, Jacob Lassar aus São Paulo und Marcus Bachmann von Ärzte ohne Grenzen. Die Folge gibt es auf falter.at/radio zu hören oder in Ihrer Podcast-App.

Für unsere FALTER-Corona-Debatte hat uns Thomas Nowotny einen Text geschickt. Der ehemalige Diplomat und seinerzeitige Sekretär von Bundeskanzler Kreisky schreibt: "Bundeskanzler Kurz führt Österreich an Europas national-populistischen Rand. Er wird die historische Verantwortung dafür übernehmen müssen, sich dem drohenden Niedergang Europas nicht entgegengesetzt, sondern ihn beschleunigt zu haben." Seinen Gastkommentar lesen Sie hier.


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