So war das - FALTER.maily #213

Stefanie Panzenböck
Versendet am 12.05.2020

draußen braut sich ein Gewitter zusammen. Der Himmel verdunkelt sich, wenn ich aus dem rechten Fensterflügel schaue, er reißt auf ins Blaue, wenn ich mir den linken aussuche. Auf der Straße fahren die Autos über nassen Asphalt, ein paar Tropfen sind schon gefallen. Es ist ein beruhigendes Geräusch, das regelmäßig lauter und leiser wird. Es klingt nach einer Erleichterung. Regen in Wien.

Am Wochenende habe ich das erste Mal meine Eltern besucht. Es traf sich gut. Es war Muttertag. Auf der Terrasse stellten wir noch einen Tisch an den ohnehin großen Tisch, damit jeder genügend Abstand zum anderen hatte. Beim Spazierengehen musste ich immer wieder stehen bleiben, damit wir uns nicht zu nahe kamen. Währenddessen stand der Garten in voller Frühlingspracht, die Sonne schien, irgendwo weit weg grollte kurz der Donner. In der Nacht zirpten die Grillen, und die frische Luft kam unaufhörlich durchs Fenster.

Ich ging barfuß über die Wiese und setzte mich auf einen Stein. Man lächelte sich aus der Entfernung zu, aber zumindest war kein Bildschirm dazwischen. Man erzählte sich die Sorgen über den Tisch hinweg, aber Skype stürzte wenigstens nicht ab. Während meine Schwester weit hinter der Grenze wohnt, konnte ich in die Nähe meiner Eltern. Dass ich sie auch umarmen wollte, war wohl sehr egoistisch gedacht.

Mittlerweile legt sich die Nacht über Wien. Der Autobus grummelt auf der Straße, manche Fenster sind hell erleuchtet.

Haben Sie eine schöne Woche,

Stefanie Panzenböck

Die Künstlerin Valie Export feiert demnächst ihren 80. Geburtstag. Nicole Scheyerer hat mit ihr ein Gespräch geführt, das Sie im heute um 17 Uhr erscheinenden Falter lesen können.

Die Kulturpolitik befindet sich in der Krise. Woran das liegt und was sich ändern muss, haben mein Kollege Matthias Dusini und ich aufgeschrieben. Ebenfalls zu lesen im neuen Falter.

Für Literaturkritiker Klaus Nüchtern war es der Roman des Jahres 2019, "So wie später ihre Kinder" des französischen Schriftstellers Nicolas Mathieu. Es ist ein fantastisches Buch über Gegensätze und unüberwindbare Grenzen, über versuchte Liebe und Hoffnung auf Glück - oder ein schnelles Motorrad. (Hier gibt es das Buch im Faltershop.)

Eine neue Folge in unserer Reihe "Scheuba fragt nach" in unserem Podcast Falter Radio: Florian Scheuba fragt nach …bei Alfred Dorfer. Es geht um die Sprüche von Strache und Gudenus im Ibiza-Video über den Drogenkonsum bei einem Nobelwirten in Wien. Und er nimmt grüne Regierungsgrößen auf die Schaufel, wie immer auf falter.at/radio oder in Ihrer Podcast-App.

Im zweiten Teil unserer gemeinsamen Podcast-Reihe mit der Plattform Addendum fragen wir, warum in der österreichischen Vergangenheitsbewältigung das KZ Gusen, in dem zehntausende Menschen ermordet wurden, einfach nicht vorkommt. Die pensionierte Lehrerin Martha Gammer kämpft seit Jahren für die Errichtung einer würdigen Gedenkstätte. Hören Sie hier rein.

Beim Fest der Freude am Heldenplatz spielen jedes Jahr die Wiener Symphoniker, nicht die Philharmoniker - danke an die aufmerksamen Leserinnen und Leser, die uns auf unseren Fehler hinwiesen.


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