53 Jahre Italopop - FALTER.maily #262

Matthias Dusini
Versendet am 10.07.2020

er wurde vier Tage geboren, nachdem das faschistische Italien 1940 an der Seite Hitler-Deutschlands in den Krieg eingetreten war. „Und ich bin der erste in meiner Familie, der 80 Jahr alt wird“, sagt Francesco Guccini, der unlängst im privaten Kreis seinen Geburtstag feierte. Aus einem kleinen Nest in den Abruzzen stammend, gehört der Cantautore und Schriftsteller zu jener Generation, die den Beat und Bob Dylan nach Italien brachten und mit dieser Musik den Zorn einer aufgebrachten Jugend ausdrückten.

Die 68er-Generation, zu deren poetischem Sprachrohr Guccini wurde, fühlte die Leere der Konsumkultur und das Nachwirken des Faschismus in einer nicht wirklich demokratischen Gesellschaft. 1967 veröffentlichte Guccini das Album mit dem programmatischen Titel „Folk beat n.1.“, auf dem sich auch ein Lied über Auschwitz befand. „Ich bin gestorben mit hundert anderen / ich bin gestorben und war noch ein Kind / und durch den Rauchfang gegangen / bin ich nun im Wind.“ Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis römische Politiker den Anteil des notorischen Opferlandes am Holocaust als historische Tatsache anerkannten.

Jedes Land hat seine Dylan-Phase, also eine Zeit, in der die Popmusik den Planern der Musikindustrie entrissen und zum Ausdrucksmittel von Gedanken und Gefühlen junger Menschen erhoben wurde. Das Schreiben von Texten in der Landessprache war Teil dieser Aneignung. In Österreich fand dieser Durchbruch ein bisschen später statt, aus den Cantautori wurden zwischen Bregenz und Wien Liedermacher. Unser Musikredakteur Gerhard Stöger lässt im aktuellen Falter den Austropop im Jahr 1970 mit Marianne Mendts „Glock’n“ beginnen. Der Überblick über 50 Jahre Austropop erstellt einen Kanon der wichtigsten Alben, in dem Lieblinge (Ambros) neben weniger Geliebten (Wilfried?!) stehen, Entlegenes (Kurt Sowinetz: „Alle Menschen san ma zwider“, 1972) neben Falco-Blockbustern. Ein Hit lokaler Popgeschichtsschreibung und – hoffentlich – Anstoß für ein Buch über die Welt von Ambros bis Wanda.

In bocca al lupo!

Matthias Dusini

Wo hört man dann und wann Italohits? Beim Italiener. In unserem Lokalführer haben wir zwei Listen, die für Sie interessant sein könnten - hier haben wir etwa die zehn besten Pizzerias und hier die zehn besten Italiener.

Um die Grauen Wölfe, Wien-Favoriten und das Bundeskanzleramt geht es in der neuesten Kolumne "Loge 17" von Harry Bergmann auf falter.at. Es wird auch die Frage geklärt, was ein "Überstürzter Neumann" ist - wissen Sie's? Hier gibt es die Antwort.

Kennen Sie schon "Grenzenlos Radeln - Band 2" aus dem Falter Verlag? Julia Köstenberger schreibt über entschleunigtes Reisen durch die österreichisch-slowakischen Landschaften, das Marchfeld, die Záhorie und das pannonische Dreiländereck mit Bratislava.

Die Autorin empfiehlt zehn Etappen, die insgesamt etwa 290 Kilometer umfassen und gut miteinander kombiniert werden können. Viele Orte an den Routen sind mit der Bahn gut erreichbar. Das Buch gibt es überall wo es Bücher gibt, aber natürlich auch im Faltershop.


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