Home(land) Office - FALTER.maily #294

Anna Goldenberg
Versendet am 17.08.2020

die österreichischen Universitäten und Fachhochschulen sind schon mitten in den Vorbereitungen für das Wintersemester. Weshalb Gerd Valchars, Wiener Politikwissenschaftler und externer Lektor an zwei Instituten der Universität Wien, kürzlich eine Email von der Personalabteilung bekam. Er teilte sie auf Twitter: Externe Lektoren und Gastprofessoren, stand darin, hätten zu Beginn ihrer Lehrveranstaltung in Österreich zu sein."Ein Abhalten der LV online aus dem Ausland ist leider nicht möglich."

Warum eigentlich? Fragt man bei der Pressestelle der Universität Wien nach, erhält man die Auskunft, dass das aus steuer- und versicherungsrechtlichen Gründen so sei. Beim Planen der Lehrveranstaltungen werden die Lehrenden gebeten, möglichst flexibel zu sein, sodass einfach zwischen Online- und Präsenzveranstaltungen gewechselt werden kann. Man rechnet zwar nicht mit einem längeren, großflächigen Lockdown, aber hält es für möglich, dass einzelne Standorte über Wochen hinweg nicht betretbar sein könnten. Wäre es also nicht ein Leichtes, Lehrenden zu erlauben, aus dem Ausland zu unterrichten, ja vielleicht sogar die Gelegenheit zu nutzen, Vortragende, die sonst nicht nach Wien reisen würden, für Online-Veranstaltungen zu gewinnen?

"Es gibt keine Vorschrift, die verbietet, grenzüberschreitend digital zu unterrichten", sagt der Arbeitsrechtler Martin Gruber-Risak von der Universität Wien. Wer an der Universität Wien als externer Lektor oder Gastprofessor unterrichtet, ist bei der BVAEB, der Versicherungsanstalt der öffentlich Bediensteten, Eisenbahnen und Bergbau, versichert, meist entweder als freier Dienstnehmer oder in einem Angestelltenverhältnis. Und bei Sozialversicherungen gilt nun einmal das Territorialitätsprinzip, also dass man dort versichert wird, wo die Arbeit erbracht wird. Aber was, wenn die digitale Corona-Welt das durcheinander bringt? 

Die Universität Wien sei einen „extrem bürokratischen“, aber gesetzeskonformen Weg gegangen, meint auch Florian Burger von der Arbeiterkammer Wien. Die BVAEB könnte die Angelegenheit etwas "entspannter" sehen, schlägt er vor: Lehrende versichern sich selbst in ihrer Heimat, von der aus sie für österreichische Unis arbeiten. "Versorgungslücken treten keine auf, man muss nur bei der Höhe des Gehalts aufpassen und die Mehrkosten dazurechnen", sagt Burger. Eine Möglichkeit wäre etwa, die Lehrenden mit bestehenden Verträgen ins EU-Ausland zu "entsenden", sodass diese in einem anderen Land arbeiten, aber von den österreichischen Regelungen umfasst sind. 

Einen guten Start in die Woche wünscht

Anna Goldenberg

Am Freitag fand übrigens das wohl größte Event seit Beginn der Corona-Krise in Österreich statt: Rund 16.000 Menschen fanden sich zum Aufnahmetest für die österreichischen Medizinunis in Wien, Graz, Linz und Salzburg ein – allerdings auf sechs Standorte verteilt und natürlich unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen, Fiebermessen inklusive. Wie geht Medizinstudium in Corona-Zeiten? An der MedUni Wien (die ich vergangenen Oktober für den Falter porträtiert habe) wird noch an den letzten Details fürs Wintersemester getüftelt. Was die Praxis betrifft, sollen die Studierenden keine Abstriche machen müssen. "Wir werden manche Lehrveranstaltungen über längere Zeit anbieten als bisher", sagt Anita Rieder, Vizerektorin für Lehre. So kann in kleinsten Gruppen und mit Simulationen gearbeitet werden, zum Beispiel in der Notfallmedizin. Bei Reanimationsübungen ist es nicht leicht, den Sicherheitsabstand einzuhalten.

Eine junge Kandidatin des Team HC Strache sorgte mit antisemitischen und wirr-verschwörungtheoretischen Parolen auf einer Corona-Demo für Verärgerung. Ihre Arbeitergeberin, die AUA, kündigte sie daraufhin. So weit, so verständlich. Doch obwohl die junge Frau eigentlich auf dem ziemlich aussichtslosen Listenplatz 17 herumgrundelt, erschien am Sonntag ein großes Interview mit ihr in der Kronen Zeitung. Was unseren Kolumnisten Harry Bergmann zur Frage bewegt: Liebe, hochverehrte Conny Bischofberger, mussten sie der dreisten 17er wirklich Ihre wunderbare, große Bühne geben?

Welches Schicksal erwartet Flüchtlinge, die aus Europa und auch aus Österreich nach Afghanistan abgeschoben werden? Diese werden ja mit dem Verweis auf angebliche "Vorzeigeprojekte" wie die Stadt Mazar-e Sharif trotz der katastrophalen Sicherheitslage im Land weiter durchgeführt. Wie funktioniert humanitäre Hilfe vor Ort? Die Außenpolitikexpertin und ehemalige Direktorin der Organisation Echo für humanitäre Hilfe der EU Irene Horejs gibt im aktuellen FALTER-Podcast Einblick.

Noch ist genug Sommer übrig, um ordentlich die Seele baumeln zu lassen. Und wo ginge das besser als in der luftig weichen FALTER-Hängematte? Die Hängematte von Ticket to the Moon ist aus Fallschirmseide genäht und dadurch besonders leicht und lässt sich klein zusammenpacken. Sie ist hautfreundlich, atmungsaktiv, schimmelresistent, elastisch, langlebig und lässt sich einfach und baumfreundlich montieren. Und das Allerbeste: Sie ist FALTER-blau!


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!