Neue Rathausmänner und -frauen - FALTER.maily #341

Nina Horaczek
Versendet am 10.10.2020

wie immer die Wahl am Sonntag ausgeht, es werden neue Gesichter ins Wiener Rathaus einziehen. Mit der Ärztin und SPÖ-Politikerin Mireille Ngosso wird erstmals eine Afroösterreicherin Wiener Gemeinderätin. Sie wurde 1980 im Kongo geboren. Ihre Eltern waren in der Opposition gegen den Diktator Mobutu aktiv und erhielten in Österreich politisches Asyl. Ngosso organisierte im Mai die "Black Lives Matter"-Demonstration in Wien und ist derzeit Turnusärztin im Krankenhaus Hietzing.

Bei den Grünen ist Judith Pühringer eine der Quereinsteigerinnen. Die Betriebswirtin war Geschäftsführerin des Bundesdachverbands für Soziale Unternehmen und in der Armutkonferenz aktiv. Ebenfalls ein sicheres Ticket ins Rathaus hat Felix Stadler. Er war nach seinem Volkswirtschaftsstudium Lehrer in einer Neuen Mittelschule und ist Mitbegründer des Blogs www.schulgschichtn.com

Die Freiheitlichen verzichten auf neue Gesichter. Angesichts eines massiven Stimmenverlusts, der den Blauen droht, reduziert sich die Partei auf ihren Markenkern: deutschnationale Burschenschafter. Von den zehn Männern auf den ersten zwölf Listenplätzen sind sieben Mitglieder schlagender Studentenverbindungen.

Bei der Wiener ÖVP ist der wohl bekannteste Neo-Gemeinderat der frühere Ö3-Moderator Peter L. Eppinger auf Platz 5 der türkisen Liste. Mit dem Rathaus bestens vertraut ist ein schwarz-türkiser Rückkehrer: Norbert Walter tritt auf Listenplatz 17 an. Er war bis 2010 Wiener Landesgeschäftsführer, widmete sich aber nach dem schwarzen Wahldebakel 2010 seinem Weingut in Stammersdorf. Als prominente Unterstützerin hat Walter nun Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

Die Neos haben mit der Architektin Selma Arapovic einen interessanten Neuzugang an wählbarer Stelle. Sie stammt aus Bosnien-Herzegowina, flüchtete während des Jugoslawienkriegs mit ihrer Familie nach Österreich, hat in Graz und Barcelona studiert und in Dubai gelebt.

Sollte das Team Strache den Einzug in das Wiener Stadtparlament schaffen, werden sich zumindest zwei der ersten drei auf der Liste nicht verlaufen: 1996 startete Heinz-Christian Strache dort seine FPÖ-Karriere. Karl Baron, Nummer 2 hinter Strache, zog 2010 erstmals in den Wiener Landtag ein. Ein politisch unbeschriebenes Blatt ist Raphaela Göschl-Marambio auf Listenplatz 3. Aber ihr Vater Harald Göschl hat Politikerfahrung: Er war einst Mitglied in Jörg Haiders "Buberlpartie" und später Haiders Kontaktmann zum libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi.

Ein spannendes Wahl-Wochenende wünscht

Ihre Nina Horaczek

In den vergangenen Wochen haben wir im FALTER die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der wahlkämpfenden Parteien vorgestellt: Den "Parteihackler" (Michael Ludwig, SPÖ), die "Grüne Genossin" (Birgit Hebein, Grüne), den "Türkisen Falken" (Gernot Blümel, ÖVP), den "Höflichen Unbekannten" (Christoph Wiederkehr, Neos), den "Blauen Altstar und seinen Lehrbuben" (Heinz-Christian Strache und Dominik Nepp, THC/FPÖ), den "Cis und die Flints" (Can Gülcü, LINKS), sowie Doktor Marco Pogo, den Obmann der Bierpartei. Wenn Sie über den einen oder die andere noch genauer Bescheid wissen wollen, durchstöbern Sie doch unsere Porträtserie!

Im FALTER Radio erfahren Sie aktuell wie Halbleiter, der kleinste Baustein der globalen Digitalisierung, zur Waffe im Handelskrieg zwischen den USA und China aufsteigen konnten. Halbleiter werden in der Robotik und Industrie ebenso benötigt, wie in dem Smartphone in Ihrer Hand. Die Chefin des IT-Unternehmens Infineon, Sabine Herlitschka, erklärt im Gespräch mit Eva Konzett die großen Zusammenhänge.

In der jüngsten FALTER-Ausgabe können Sie einen Vorabdruck des am 12.Oktober erscheinenden Buches "Welche Grenzen brauchen wir?" des Migrationsforschers Gerald Knaus lesen. Der Leiter des Think Tanks "European Stability Initiative" gilt als Erfinder des EU-Türkei Deals und als pragmatischer Vordenker. In dem im FALTER abgedruckten Textauszug legt er dar, wie man Flüchtlinge retten und dennoch die Europäischen Grenzen schützen kann.


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!