La Mascherina - FALTER.maily #355

Barbara Tóth
Versendet am 27.10.2020

ich habe das Feiertagswochenende genutzt, um nach Rom zu reisen, und dabei einmal wieder gespürt, wie wichtig der Blick über Österreichs Grenzen ist.

Was kann man von Italien lernen? Jedes Lokal, jedes Geschäft hält am Eingang einen Desinfektionsspender bereit. Meistens gibt es auch Temperaturkontrollen, oft Gratis-Einwegmasken, wobei in Italien ja ohnehin eine generelle Maskenpflicht herrscht und niemand ohne "Mascherina" (klingt viel netter als Mund-Nasen-Schutz, oder?) vor die Tür gehen kann.

Bemerkenswert ist auch, wie selbst kleine Cafés, Bars und familiengeführte Geschäfte es schaffen, separate Ein- und Ausgänge für ihre Gäste und Kunden einzurichten, und sei es nur, dass am Eingang eine Kordel die Ankommenden von den Weggehenden trennt. In großen Läden markieren Pfeile am Boden die Richtung zwischen Regalen und Kleiderständern, die man nehmen darf. Lokale schreiben außen an, wie viele Menschen sich zu einem Zeitpunkt im Inneren aufhalten dürfen, Schlange stehen ist deshalb ganz normal. Das Abstandhalten, Ausweichen, mehr noch eine ganz generelle Rücksichtnahme im öffentlichen Raum wurde verinnerlicht, sie ist Teil des Alltags und deshalb kaum der Rede oder des Ärgers wert.

Sie ahnen vermutlich, auf was ich hinaus will? Diese aus sich selbst heraus generierte Corona-Höflichkeit ist das, was fehlt in Österreich. Das ist vermutlich auch das, was wir in diesem Sommer als Gesellschaft versäumt haben, weiterzutragen, nachdem wir es im Frühjahr schon einmal gelernt hatten. Wirklich schade, weil es so einfach geht - und so viel Wirkung hat. Auf unsere Gesundheit sowieso, aber auch auf das Zusammenleben, vor allem in den Städten.

Bleiben Sie gesund!

Barbara Tóth

Es ist völlig verständlich, dass eine Gesellschaft den Anspruch hat, unbeschadet durch die Pandemie zu kommen. Gleichzeitig ist es aber völlig unmöglich. Es sind Public-Health Experten wie Martin Sprenger, die immer wieder gegen den Absolutheitsanspruch in der Pandemiebekämpfung anschreiben. Sehr lesenswert ist etwa sein zuletzt erschienener Gastkommentar für die Wiener Zeitung.

Im FALTER-Podcast hören Sie heute eine neue Folge von Scheuba fragt nach…diesmal bei Ashwien Sankholkar. Der Satiriker Florian Scheuba versucht den "Kurier" vor seiner Chefredaktion und Karl-Heinz Grasser vor sich selbst zu beschützen. Im Gespräch berichtet der Investigativ-Journalist Ashwien Sankholkar was er als Zeuge der Anklage im Buwog-Prozeß erlebt hat.

Der Vorwurf, die Politik treibe die Verrohung der Gesellschaft voran, ist dieser Tage oft zu hören. Aber was, wenn es auch innerhalb der Gesellschaft am gegenseitigen Respekt hapert? Und wenn diese Respektlosigkeit in Form von Rassismus, Antisemitismus und Herzlosigkeit gegenüber den Schwachen und den Armen diese populistischen Politiker erst heraufgespült hat? All das, und was es mit der Präsidentenwahl in den USA zu tun hat, lesen Sie in der aktuellen Kolumne von Harry Bergmann.


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