Warum der zweite Shutdown erträglicher wird - FALTER.maily #372

Lukas Matzinger
Versendet am 16.11.2020

am Tag vor dem zweiten echten Shutdown in Österreich.

Das Land hat die Kontrolle über die Pandemie verloren, die Intensivabteilungen arbeiten am Anschlag, jeden Tag sterben Dutzende mit der Diagnose. Das gesellschaftliche Leben wird nun heruntergefahren, die meisten Freuden verboten. Unternehmer leben wieder in Ungewissheit, Eltern unter Dauerbelastung, Wirtschaftsforscher erwarten Konkurse und neue Arbeitslose.

Als wäre das alles nicht genug, tötete heute vor zwei Wochen ein Terrorist im Bermudadreieck vier Menschen, weil der Staatsschutz offenbar zu überfordert ist, um uns vor den Gefährlichsten zu schützen.

Sie haben sich ein bisschen Aufmunterung verdient. Einfach war es nicht, aber lesen Sie nun einige Gründe, warum der jetzige Shutdown jedenfalls erträglicher wird als der Erste.

November ≠ März Wie oft haben Sie sich in dieser Jahreszeit schon nach einem plausiblen Grund daheimzubleiben gesehnt? Im November werden die Tage bedrückend kürzer und kälter, der Wiener Hochnebel erstickt jeden Freiheitsdrang. Die Frühlingsgefühle des März haben einen in die Welt gezogen, der Novemberblues aber macht das Eigenheim attraktiv. Und wenn Sie hinaus müssen, hält der Mund-Nasen-Schutz überraschend warm.

Der freundlichere Lockdown Wenn schon nicht im Pandemiekampf hat die Regierung wenigstens in der Gesetzgebung dazugelernt. Der kommende Shutdown erlaubt explizit, zur "körperlichen und psychischen Erholung" rauszugehen, Kontakte zum Partner und "wichtigen Bezugspersonen" zu pflegen. Im Frühjahr hat der Innenminister quasi jeden Wanderer zum Lebensgefährder erklärt und die Polizei scharfgestellt, nun gibt sich Karl Nehammer versöhnlich, seine Beamten sollen der Bevölkerung im Dialog "zur Seite stehen."

Mehr Entertainment Das Unterhaltungsprogramm auf hoher See ist diesmal erheblich besser. Die großen Fußballligen, der Skiweltcup und die Formel 1 sind in Betrieb. Sony hat eine neue Playstation auf den Markt gebracht und Stefanie Sargnagel ein neues Buch. Zum leichten Vergnügen läuft auf ATV "Bauer sucht Frau" und auf RTL "Die Bachelorette". Außerdem hat der größte Paul McCartney für Dezember ein Album angekündigt. Es passieren noch schöne Dinge!

Licht am Ende des Tunnels Coronaviren haben üblicherweise von September bis März Saison – vieles spricht dafür, dass wir im Frühling das Schlimmste überstanden haben werden. Die Hoffnung ruht auf den findigen Laboranten dieser Welt, wie vom Mainzer Start-Up BioNTech, deren Impfstoff bald Millionen US-Amerikaner immunisieren soll. Nicht zuletzt: Das Virus ist weniger tödlich als im Frühjahr befürchtet und verbreitet weniger Furcht. Planen Sie doch eine Reise für Juni. Alles wird gut.

Lukas Matzinger

Apropos Formel 1. Der erste schwarze Grand-Prix-Fahrer der Geschichte, Lewis Hamilton, wurde gestern zum siebenten Mal Weltmeister – keiner hat es öfter geschafft. Egal, ob man ihn mag oder nicht (eher nicht), Hamilton ist ein unwahrscheinlicher Champion und ein großer Kämpfer gegen den Rassismus. Nach der Ziellinie weinte er am Teamfunk: "Das ist für all die Kinder da draußen, die vom Unmöglichen träumen. Ihr könnt das auch, ich glaube an euch."

Ein Buch, ein Film und ein Album, bei denen es um wenig und dem Konsumenten hinterher besser geht: Der lange verschollene Roman des US-amerikanischen Journalisten Hunter S. Thompson, The Rum Diary, beinhaltet 288 Seiten Rum in der Karibik. Im großen Bollywood-Film Bajrangi Bhaijaan bringt der gutherziger Pawan ein taubes Mädchen zurück zu ihrer Familie in die pakistanischen Berge. Beim Hören des tollen ersten Albums der kalifornischen Adoleszenzband Weezer ist man automatisch 17 und beschwipst.

Das Duo Kruder & Dorfmeister machte Wien in den Neunzigerjahren zur Hauptstadt der elektronischen Musik. Jetzt haben sie ihr unveröffentlicht gebliebenes Album von 1995 aus dem Archiv gefischt. Matthias Dusini hat im aktuellen Falter mit den beiden über die Anfänge in Ottakring, schwere Plattenkoffer und die Liebe zu gutem Weißwein gesprochen.

Der zweite Lockdown durchkreuzt wohl auch den guten Vorsatz vieler, ihre Weihnachtsgeschenke heuer rechtzeitig zu besorgen. Zum Glück gibt es das Internet und für all jene, die statt Onlinehandel-Monopolisten kleine Unternehmen unterstützen wollen, haben wir die Österreichische Onlineshop-Fibel erstellt. Zugegeben: Es bedarf ein paar mehr Klicks als bei den großen Plattformen, aber das ist es allemal Wert!

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