Kalenderwoche 49 - FALTER.maily #388

Eva Maria Konzett
Versendet am 04.12.2020

Österreich. Winter 2020, Kalenderwoche 49. Im zehnten Monat der Corona-Pandemie. Eine kleine Chronologie

Montag, 30. November

Der Präsident des Österreichischen Skiverbands Peter Schröcksnadel fordert den "Saisonstart ohne Verzögerung" für die Skigebiete. Zuvor hatten EU-Länder wie Deutschland und Italien einen einheitlichen Takt bei der Öffnung der Skigebiete eingemahnt. Österreich hatte sich gegen Einmischung verwehrt: Man schreibe den Deutschen auch nicht vor, ob ihre Friseure Haare schneiden dürfen oder nicht.

Acht Monate Entstehungszeit, 627.000 Euro Aufwand, nicht datenschutzkonform und ebensowenig barrierefrei. Das sind die Eckdaten des neuen "Kaufhaus Österreich", eine Onlineplattform österreichischer Geschäfte, die Amazon im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Konkurrenz machen soll. Wirtschaftskammerpräsident und Projektpartner Harald Mahrer spricht von einem "wichtigen Innovationsimpuls". Er steht damit ziemlich alleine da. 

In der steirischen Gemeinde St. Lorenzen übernehmen ABC-Truppen und Militärpfleger des Bundesheers ein Pflegeheim, wo sich 90 Prozent der Bewohner mit dem Corona-Virus infiziert haben.

Dienstag, 1. Dezember

Im kleinen Annaberg-Lungötz in Salzburg beginnen die Massentests im Probelauf. 60 Prozent der Dorfbewohner lassen sich testen. Zwei Proben schlagen an. Die Massentests seien ein probates Mittel im Kampf gegen die Pandemie, wird Bundeskanzler Sebastian Kurz auch an diesem Tag nicht müde zu betonen. Die Expertenrunde im Gesundheitsministerium widerspricht. Fragen über die Beschaffung der Antigen-Tests tauchen auf: Österreich hat offenbar besonders teuer eingekauft. 

Kein europäisches Land kümmere sich so sehr um seine strauchelnden Wirtschaftstreibenden wie Österreich, trommelt Finanzminister Gernot Blümel gern. Von den 50 anberaumten Milliarden an Unterstützung hat er die Hälfte, nämlich erst 27 Milliarden Euro ausgegeben. AMS-Vorstand Johannes Kopf rechnet mit einer halben Million Arbeitslosen und Arbeitnehmern in Kurzarbeit im Winter. Die Pleitewelle wird für Anfang 2021 erwartet. Der Wirtschaftseinbruch beträgt heuer acht Prozent, sagt die OECD.

Mittwoch, 2. Dezember

Leute die in ihren Herkunftsländern urlaubten, haben den Virus im Herbst wieder "eingeschleppt", sagt Bundeskanzler Kurz. Weil die Regierung aber beherzt reagiert habe, kann der Lockdown ab dem 7. Dezember gelockert werden. Pflichtschulen und Kindergärten gehen in den Regelbetrieb, Handel und Friseure sperren auf. Museen ebenso. Die Gastronomie und die Hotellerie müssen bis 7. Jänner warten. Ausgangsbeschränkungen gelten nur noch von 20 Uhr bis 6 Uhr. Ein Haushalt darf den anderen besuchen. In der abendlichen ZIB 2 bei Armin Wolf verbittet sich der Kanzler Kritik am politischen Management der Pandemie. Die darauffolgende Nachrichtensendung "Runder Tisch" muss Tarek Leitner mit zwei leeren Stühlen moderieren: Die Vertreter der Regierungsparteien erscheinen nicht. 

Die österreichweite Anmeldeplattform für die Massentests geht vom Netz. Hier hätte man sich für einen der Antigen-Abstriche anmelden können, dann kam ein Datenleck. Die Daten von 800 Personen wurden an Dritte weitergeleitet. 

Donnerstag, 3. Dezember

Die Statistik Austria meldet für die Woche vom 16. bis zum 22. November 2431 Todesfälle. Seit 1978 sind nicht mehr so viele Menschen in Österreich in einer Woche gestorben. In Summe sind heuer in den ersten 47 Wochen 77.662 Personen gestorben - um 6,5 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Fast jeder zweite Corona-Tote hat hierzulande in einem Pflegeheim gewohnt.

Bleiben Sie gesund. 

 

Eva Maria Konzett

Die Kinder müssen auf Distanz lernen, in den Pflegeheimen sterben die Alten. Aber die Tiroler Tourismusverbände halten ihre Jahreshauptversammlungen ab. Nicht digital, sondern von Angesicht zu Angesicht. Und gegen ihren Willen. Die Landesregierung will es so.

Der Begriff des Politischen Islam hat in den Nachwehen des Terroranschlags von Wien Konjunktur. Die Regierung will gar einen Straftatbestand daraus machen. Aber gibt es den Politischen Islam überhaupt? Der Falter startet die Debatte.

Während der Lockdowns verwandelt sich die FALTER:WOCHE – sonst für ihre umfassenden Veranstaltungstipps bekannt und beliebt – in ein Kultur-Schwerpunktheft. Diese Woche lesen Sie dort etwa ein Interview mit dem Satiriker und Kabarettpreisträger Hosea Ratschiller über Resilienz, Rebellion und rote Nasen. Außerdem: Teil 4 unserer Serie "Filme, die Sie schon längst gesehen haben sollten".

Namibia hat zu viele Elefanten. Der Staat in Südwestafrika bietet deshalb 170 Tiere zum Verkauf an. Lebend. Die Käufer müssen das Tierwohl garantieren. Namibia wird von einer Dürre heimgesucht, Elefanten kommen menschlichen Siedlungen auf der Suche nach Futter und Wasser gefährlich nahe. Man wolle die Tiere nicht töten, heißt es von der Regierung. Aber: Einzeln in den Garten stellen geht nicht, es werden nur ganze Herden veräußert.


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