Nowitschok - FALTER.maily #403

Eva Maria Konzett
Versendet am 22.12.2020

wie es ist, wenn man vor einer Flugzeugtoilette liegend dem Tod in die Augen blickt, hat Alexey Nawalny gegenüber dem deutschen Spiegel so beschrieben: "Du fühlst keinen Schmerz, aber du weißt, du stirbst. Und zwar jetzt sofort". Der russische Oppositionelle Alexei Nawalny war auf dem Weg von der sibirischen Stadt Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Vom Geheimdienst FSB offenbar vergiftet mit dem Kampfstoff Nowitschok, das war am 20. August 2020.

Der Pilot reagiert mit einer Notlandung in Omsk. Die dortigen Ärzte spritzen ein Gegenmittel. Sie haben Nawalny das Leben gerettet, bevor der Mann noch im Koma in die Berliner Charité ausgeflogen wurde.

Ohne den Piloten und die Mediziner in Omsk wäre Nawalny tot sagt einer der Männer, der beim Todeskomplott dabei gewesen sein soll. Er hat es einem vertraulichen Gespräch zugegeben. Was der Mann nicht wusste: Am anderen Ende der Leitung saß Nawalny. Er hatte sich von Berlin aus mit einer Fake-Nummer als FSB-Agent ausgegeben. Und konnte 49 Minuten den Plänen seiner eigenen Ermordung lauschen. Das haben der Spiegel, die Investigativplattform Bellincat und Partner in dieser beindruckenden Recherche herausgearbeitet. Gestern wurde sie veröffentlicht.

Erst am Donnerstag hatte der russische Präsident Wladimir Putin in seiner traditionellen jährlichen Fragestunde mit Journalisten zum Fall Nawalny nur gesagt, dass es der Inlandsgeheimdienst gar nicht gewesen sein hätte können. "Der nämlich hätte den Job zu Ende gebracht." 

Um einen Staat zu beurteilen, muss man seine Gefängnisse von innen sehen, sagte einst der russische Schriftsteller Leo Tolstoj.

Man kann auch einfach seinem Herrscher genau zuhören.

Genießen Sie die Woche,

Ihre Eva Maria Konzett

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