Impfneid - FALTER.maily #414

Barbara Tóth
Versendet am 14.01.2021

zu den vielen neuen Wörtern, die die Pandemie-Ära prägen, kommt ein weiteres dazu: "Impfneid". Wieso wurde in Vorarlberg Gesundheitspersonal früher geimpft, warum bekommen in manchen Bundesländern Hausärzte früher den Stich als über Achtzigjährige, die zu Hause wohnen? In Österreich legt diese "Priorisierung" (noch so ein neues Wort!) das "Nationale Impfgremium" fest. Das macht Sinn. Wenn die rettende Impfung zu einer Frage von Beziehungen, Glück oder Zufall des Wohnortes wird, ist die ohnehin schon fragile Solidarität im Land ernsthaft gefährdet.

Seit gestern gibt es auch einen zentralen Überblick über den Fortschritt der "Operation Impfen" in Form eines "Dashboards" des Gesundheitsministeriums. Es wird uns nicht nur zeigen, wo wie rasch geimpft wird, sondern uns auch eine Art Föderalismus-Check mitliefern. Wie gut sind die einzelnen Bundesländer organisiert? Wer hat seine Gesundheitsdienste im Griff, wer nicht?

In den sozialen Medien, vor allem auf Twitter, derzeit eine Art offenes Therapieforum für alle Formen der Corona-Angstlust, wurde ein solches Dashboard und schnelleres Impfen schon letzte Woche massiv eingefordert. Der Grundtenor war: Impfchaos! Gesundheitsminister rücktrittsreif! Schnell wegimpfen, was da ist! Jede Stunde zählt!

Die Ungeduld vieler Menschen letzte Woche ist verständlich. Ein paar Tage Wartezeit auf den Impfstart können ewig erscheinen, erst recht, wenn ein Angehöriger seit Monaten darauf wartet. Aber wie so oft gingen die Relationen dabei verloren. Der vom Gesundheitsministerium für 12. Jänner geplante Impfstart hatte ja auch den Sinn, dass in allen Bundesländern nach einheitlichen Regeln und akkordiert geimpft wird. Damit eben kein Impfneid entsteht.

Barbara Tóth

Wir im Falter sind ja mehr als Journalisten, deswegen arbeite ich so gerne für dieses Blatt. Wir schreiben Bücher, halten Vorträge, sitzen in Jurys, sind DJs und vieles mehr. Mein Feuilleton-Kollege Klaus Nüchtern zum Beispiel bittet regelmäßig zu einer literarischen Rezensionsrunde namens "Tea for Three" in die Wiener Hauptbücherei, in der er mit der Literaturexpertin Daniela Strigl Neuerscheinungen und einen Klassiker bespricht. Heute Abend um 19:30 habe ich die Ehre, als Gast dabei zu sein. Ich werde Nicolas Mathieus "Rose Royal" vorstellen. Ebenfalls auf dem Lesetisch: Susan Sontags Erzählungen und eine wirklich lesenswerte biografische Skizze über die Kult-Essayistin von Sigrid Nunez. Ich freue mich schon darauf, einmal nicht über österreichische Innenpolitik, sondern französische Literatur zu sprechen. Live hier!

In der Silvesternacht haben Jugendliche in Favoriten randaliert. Wie reagiert die Polizei, was können die Schulen besser machen? Sind migrantische Parallelgesellschaften ein politisches Schreckgespenst? Darüber spricht Raimund Löw im aktuellen FALTER-Podcast mit dem Wiener Neos-Chef und Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr, dem Jugendanwalt Ercan Niknafs, Amar Rajković (Biber) und Nina Horaczek (Falter).

Ein zweites Mal zu Wort kommt Christoph Wiederkehr im aktuellen Falter, wo er erklärt, warum er den Frust vieler Eltern über das schier endlose Homeschooling verstehen kann, dass er die Schulen möglichst bald wieder öffnen und mehr Polizei nach Favoriten schicken will. Außerdem fordert er die Senkung der Kosten für das Annehmen der Österreichischen Staatsbürgerschaft. "Das ist eine gewaltige finanzielle Hürde", so Wiederkehr im Interview.

Wenn der Chef kocht, schmeckt's am besten. Zu unserem Glück teilt Armin Thurnher seine kulinarischen Kreationen gerne und versieht sie in seinem Buch "Thurnher auf Rezept" außerdem mit kurzweilig erzählten Geschichten. Die Gerichte (fotografiert von Irena Rosc) sind leicht nachzukochen, also durchaus auch für Kochmuffel geeignet!


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