Hier spricht die Polizei – mit dem Falter - FALTER.maily #432

Florian Klenk
Versendet am 03.02.2021

der Falter und die Polizei. Das ist eine lange Geschichte. Schon in den Neunzigerjahren haben wir damit begonnen über Polizeiübergriffe und Misshandlungen zu berichten – zu einer Zeit, als klassische Wiener Tageszeitungen noch "Polizeireporter" hatten.

Diese so genannten Polizeireporter zeichneten sich dadurch aus, dass sie den Polizeifunk abhörten oder von der Polizei wie Schoßhündchen mit Information gefüttert wurden. Das Gegengeschäft war offensichtlich: Für ein Foto vom Tatort drückt der Polizeireporter auch mal ein Auge zu, wenn der Inspektor am Wachzimmer den Delinquenten abwatschte.

Der Falter stand immer für eine andere Art der Polizeiberichterstattung. Nicht Hass auf "die Bullen" trieb uns an, sondern der Wunsch nach Rechtsstaatlichkeit im Wachkörper. Respektvoll, aber kritisch distanziert. Hart in der Sache, wenn es sein muss. Die Fälle Marcus Omofuma (erstickt bei der Abschiebung), Cheibani Wague (erstickt bei der Festnahme), Bakary J. (gefoltert in einer Lagerhalle) und viele mehr haben den Falter bei der Polizei nicht beliebt gemacht, aber letztlich zu wichtigen Reformen geführt.

Dieser kritische Blick bringt uns bis heute Feindschaften bei der Polizei ein. Viele Uniformierte halten uns für ein "Kommunistenblattl" oder, etwas derber, für eine "Häuslpapierzeitung". Diese Worte verwendete vergangene Woche auch ein Polizist, als ich ihm bei der Abschiebung von in Österreich geborenen Kindern in der Zinnergasse offenbar auf die Nerven gegangen war. Ich fotografierte diese nämlich mit meinem Handy und streamte via Facebook, wie Wega-Beamte und bellende Hunde davor eine Angstkulisse erzeugten. "Fahr ab mit deiner Häuslpapierzeitung", sagte der genervte Inspektor.

Ich hätte mich nun beschweren können, aber ich habe dem Polizeipräsidenten von Wien, Gerhard Pürstl, einen anderen Vorschlag unterbreitet. Ich würde den Beamten gerne in den Falter einladen, um ihm unser Unternehmen zu zeigen, unsere Art Journalismus zu machen, und unsere lange Firmengeschichte zu erzählen. Ich glaube nämlich, dass sowohl die Polizei, als auch die Presse eine wichtige Funktion in einer offenen Gesellschaft haben. Der Beamte, aber auch der Polizeipräsident (sein Vater arbeitete einst beim Kurier) haben zugesagt. Wir freuen uns auf das Gespräch!

Einen schönen Abend wünscht

Florian Klenk

In der ersten Ausgabe unseres Wien-Newsletters FALTER.morgen habe ich Polizistinnen und Polizisten nach ihrer Meinung zur Abschiebung aus der Zinnergasse befragt. Viele äußerten sich kritisch, andere sahen einen zu Unrecht auf dem Rücken der Beamten ausgetragenen Konflikt. Hautnahe Reportagen und Einblicke wie diese bekommen Sie von Montag bis Freitag frühmorgens in Ihr Postfach – sofern Sie sich beim FALTER.morgen einschreiben. Kostet nichts und bringt doch viel!

Wussten Sie, dass die Atemluft in Wien 2020 um 1,5 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter sauberer wurde, oder dass die Bevölkerung der Stadt 3.380 Tonnen mehr Biomüll als im Vorjahr angehäuft hat? Im FALTER-Stadtleben lesen Sie diese Woche zehn überraschende Zahlen rund um Corona abseits der Sieben-Tage-Inzidenz. 

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