Freitagskinder - FALTER.maily #438

Barbara Tóth
Versendet am 10.02.2021

wie macht ihr das am Freitag? Wenn Sie keine Kinder im Gymnasium oder in der Mittelschule haben, verstehen Sie diese Frage vielleicht gar nicht. Also ein kurzes da capo: Die Schulen sind seit Montag wieder in Betrieb, es gibt Gruppe A- und B-Kinder, die einen haben Montag und Dienstag, die anderen Mittwoch und Donnerstag Unterricht. Betreuung gibt es jeden Tag, de facto sitzen dann ein paar A-Kinder auch an B-Tagen in ihrer Klasse und umgekehrt, so zumindest hat es das Gymnasium meines Älteren gelöst. Das fühlt sich fast schon wieder nach Schulalltag wie damals an, vor der Pandemie. Ein Segen.

Aber der vermaledeite Freitag, der bleibt "Distance Learning Tag" für alle Kinder. Die, die an diesem Tag in die Schule kommen müssen, weil ihre Eltern sie zu Hause nicht betreuen können, werden zwar beaufsichtigt und sollen auch mit Laptops am Distance Learning teilnehmen können. Wenn – ja, wenn –das WLAN der Schule stark genug ist, alle tatsächlich einen Computer zur Verfügung haben und so weiter. Ja, auch in Monat 11 der Corona-Zählung ist das leider noch keine Selbstverständlichkeit.

Wir haben also bis auf Weiteres eine 5-Tages-Arbeitswoche, aber eine 4-Tagesschule. Wer freitags sein Kind in die Schule schicken muss, hat das Nachsehen. Wer sind sie? Schlüsselarbeitskräfte, Gesundheitspersonal, Systemerhalter, also jene, denen die Gesellschaft gerade jetzt besonderen Dank (und bessere Gehälter) schuldet. Und Alleinerzieherinnen.

Ich könnte an dieser Stelle "Alleinerziehende" schreiben, aber 93 Prozent sind Frauen, und alleinerziehend ist übrigens schon jede 7. Familie. Ich bin eine von ihnen, eine Teilzeit-Alleinerziehende, wie viele, die in Patchwork-Familien leben. Wiewohl privilegiert (ich habe einen großartigen Kindesvater, der sich sehr um unsere Kinder kümmert, dazu einen Job und genug Platz in der Wohnung) bin ich erschöpft. Wie muss es erst jenen gehen, die das alles nicht haben? Von der Frauenministerin habe ich dazu schon lange nichts mehr gehört.

Barbara Tóth

Während dieses Maily geschrieben wird, sitzt die ehemalige Korruptionsstaatsanwältin Christina Jilek im Ibiza-U-Ausschuss und legt darüber Zeugnis ab, wie politischer Druck und Intrigen die Aufklärung des derzeit größten Korruptionsfalles verhindern. Jileks Anklage gegen das (grün regierte) Justizministerium und die Oberstaatsanwaltschaft ist ein Stück Justizgeschichte. Die Hintergründe können Sie in der aktuellen Titelgeschichte von Florian Klenk lesen. Eine Reportage über den bisher wichtigsten Tag im U-Ausschuss lesen Sie morgen früh im Wien-Newsletter FALTER.Morgen. Hier anmelden und nichts verpassen.

Vom Nahrungsmittellieferanten für hungernde Städter übers Zuckerl für aufrechte Sozialdemokraten hin zur blauen Wähleroase: Birgit Wittstock widmet sich in der aktuellen Ausgabe der Wiener Institution des Kleingartens. Seit wenigen Wochen darf die Stadt keine Kleingartenparzellen mehr verkaufen. Dadurch soll der Spekulation der Riegel vorgeschoben werden. Und auch neue Anlagen sind im Gespräch, denn die Nachfrage nach den Gärten steigt ungebrochen. Wird etwas daraus?

In unserem Newsletter FALTER.morgen hatten wir heute eine spannende Exklusivgeschichte über den Bericht der Untersuchungskommission zum Terroranschlag in Wien. "Multiples Staatsorganversagen" attestierte Martin Staudinger nach Recherchen zum Inhalt des Dokuments, das heute an das Innenministerium und die Justiz übergeben wurde. Wir haben die Geschichte aufgrund ihrer Brisanz ausnahmsweise online gestellt. Um allmorgendlich mit den wichtigsten Informationen in Ihrem Postfach aufzuwachen – und an dieser Stelle müssen wir uns leider wiederholen – können Sie sich hier für den FALTER.morgen anmelden.

Im FALTER Think-Tank, den wir in Kooperation mit der Universität Wien betreiben, lassen wir junge, kritische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Wort kommen. Aktuell erklärt etwa der Jurist Ralph Janik (Schwerpunkt: Wirtschaftsvölkerrecht und Menschenrechte) warum die sogenannte "Kindeswohlkommission", die nach der Abschiebung der 12-jährigen Tina ins Leben gerufen wurde, sich zu Recht den Vorwurf einer Feigenblatt-Aktion gefallen lassen muss.

In seiner Kolumne "Loge 17" zeichnet Harry Bergmann das Föderalismus-Drama zwischen Gesundheitsminister Anschober und den Politikern des Westens nach. Armin Thurnher erinnert in seiner Seuchenkolumne, die heute ausnahmsweise nichts mit der Seuche zu tun hat, an jene Sternstunde des österreichischen Fernsehens, in der er mit DJ Ötzi einen Schlagersong zum Besten gab.

„Du bist, was Du isst.“ - Das gilt nicht nur für uns Menschen. Entlang dieses Gedankens wurde in Österreich auch THE GOODSTUFF entwickelt: Hundenahrung auf einem neuen Niveau - besonders schonend hergestellt, nach einfachen Rezepturen, natürlich getreidefrei. THE GOODSTUFF tut Hunden Gutes! Erhältlich im wohl sortierten Futterfachhandel oder direkt im Onlineshop.


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