Auf einen Kaffee - FALTER.maily #476

Stefanie Panzenböck
Versendet am 26.03.2021

"Hier wird Zeit serviert", schrieb der Maler Kurt Moldovan im Februar 1960 unter eine Zeichnung, auf der eine Schnecke, deren Haus eine Uhr ist, auf einem Tablett zu sehen ist. "Solange bleibt's ein zeitloses Hawelka." Das Bild eröffnet das Buch "Café Hawelka - Ein Wiener Mythos", das der Fotograf Franz Hubmann 1982 veröffentlichte. Die Kaffeehäuser sind zu – warum also nicht in ihrer Vergangenheit stöbern? Von der Zukunft sind wir mittlerweile weiter denn je entfernt.

Blättert man in das Buch hinein, fühlt man sich wie zu Hause, auch wenn Menschen wie ich Jahrzehnte zu jung sind, um das Hawelka jemals so erlebt zu haben, wie es hier abgebildet ist. Es sind Fotos, die schon bei Erscheinen des Bandes ein Vierteljahrhundert alt waren, also aus den späten 1950er-Jahren stammen. Trotzdem. Hier winkt die Vergangenheit, die nahe sowie die entlegene.

Es begrüßt die Betrachterin ein Garderobenständer mit s-förmig geschwungenen Haken. Auf einem hängt ein schwarzer Hut. Im Hintergrund sitzen ein Mann und eine Frau an runden Marmortischen. Einmal umblättern und man blickt einem Mann beim Lesen über die Schulter. Weiße, kaum blickdichte Vorhänge sind vor den Fenstern angebracht, eine Frau mit Hut studiert konzentriert die Zeitung, während sie an ihren Fingernägeln kaut. Dann trifft man auf einen der vielen Stammgäste, wie der Begleittext verrät, mit einem Stoß Tagesaktuellem neben sich. "Dazu genießt er seinen Mokka, knabbert versonnen am frischen Gugelhupf und labt sich von Zeit zu Zeit an einer Magenpille", schreibt H. C. Artmann, selbst Stammgast im Café. Oskar Werner sitzt lächelnd und bequem bei Cognac und Bier. Zwei Seiten weiter beugt sich Schriftsteller und Theaterkritiker Hans Weigel über ein Manuskript. Auf einem Foto sieht man sechs junge Frauen ins Kaffeehaus kommen, "die Revuegirls" nach der Arbeit. "Hier können sie wieder als normale Menschen ihren Kaffee trinken oder ein Paar Debrezinerwürstel zum Nachtmahl essen ohne angestarrt zu werden." Ein nachdenklicher Helmut Qualtinger, Friederike Mayröcker mit Zigarette und viel Papier am Tisch sowie ein Gedicht von Friedrich Achleitner:

versuch übers hawelka (um 1956)

ha ha

ha ha

ha ha ha

tschi

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund,

Stefanie Panzenböck

"Jeder Gast hat Rechte und Pflichten": Zum 60. Jubiläum des Café Hawelka sprachen Florian Klenk und Klaus Nüchtern im Jahr 1999 mit dem Ehepaar Josefine und Leopold Hawelka. Das Interview können Sie hier nachlesen.

"Im Zweifel schuldig": Zerstörte Denkmäler und gesäuberte Kinderbücher verstören nun auch Linke. Aber ist Identitätspolitik wirklich so wichtig, fragt sich Feuilleton-Chef Matthias Dusini in seinem Essay im aktuellen Falter.

Wei steht es um das heimische Corona- und Impf-Management? FALTER-Chefredakteur Florian Klenk war bei Puls24 als Politik-Insider zu Gast. Es ging um Kurz' Auftreten am EU-Gipfel, die Rolle der parlamentarischen Opposition und den Oster-Lockdown im Osten. Hier können Sie die ganze Sendung nachsehen.

Im FALTER-Radio finden Sie seit heute eine spannende Episode zum Thema Pflege, Altern und Tod. Falter-Redakteurin Gerlinde Pölsler hat im Pavel Haus in Radkersburg mit Pflegerinnen, Expertinnen und Politikerinnen darüber gesprochen, wie die 24-Stundenpflegerinnen in der Pandemie an ihre Grenzen kommen.

"Weder habe ich ein neues Kabarettprogramm geschrieben noch meine wirklich sehr gute Filmidee ausgearbeitet oder eine neue Sprache gelernt. Nicht einmal zu puzzeln oder zu sticken habe ich begonnen." Der Jungkabarettist Christoph Fritz kann einem mit seinem lakonisch-launigen Text in der aktuellen Kulturbeilage des Falter durchaus herzhafte Lacher entlocken. Lassen Sie sich das nicht entgehen!

Neben der Sehnsucht nach dem Kaffeehaus sind viele von Ihnen vermutlich auch von der Reisesehnsucht geplagt. Das Reisen wieder zu ermöglichen, liegt leider nicht in unserer Macht, wir können aber auf anderem Wege Abhilfe verschaffen: Kommenden Montag erscheint das Buch "Hotel Paradiso" von Feuilletonchef Matthias Dusini im Falter Verlag. Das Buch führt die Leserinnen und Leser an 13 besondere Orte in Mitteleuropa – zu Refugien von Kunstsammlern an den oberitalienischen Seen oder zu industriellen Märchen in der tschechischen Provinz. Und sie alle sind mit der Bahn erreichbar. Theoretisch. Hier können Sie das Buch vorbestellen!

Ob Osterhase oder Osterruhe – „Keep calm and drink tea“ denkt man sich auf gut Wienerisch im ältesten Teefachgeschäft der Stadt. Feinste handverlesene Tees sind gute Gemütswärmer in jeder Lage.

Genießen Sie bis zum 9. April mit dem Gutscheincode "mailytee" 10% Rabatt im Onlineshop und Fachgeschäft. Bestellungen bis Mittwoch 9 Uhr schafft der Osterhase ziemlich sicher. Das Geschäft hat als Lebensmittelhandel normal geöffnet.

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