Ode an die Sommerzeit - FALTER.maily #477

Lukas Matzinger
Versendet am 28.03.2021

heute war einer der schönsten Tage des Jahreskreises: In der Nacht haben wir eine Stunde übersprungen, das schwarze Loch namens Winterzeit ist überwunden. Oder: Uns Faulen zeigen die hauseigenen Mikrowellen und Videorekorder nun ein halbes Jahr lang wieder die tatsächliche Uhrzeit an.

Bis vor 41 Jahren lebte Österreich in permanenter Winterzeit. Erst im Angesicht der Ölkrise 1973 empfanden die Franzosen ihre hell erleuchteten Wohnungen an Sommerabenden als Problem und stellten zum Stromsparen die Uhren im Frühjahr um eine Stunde vor. Die umliegenden Länder fanden den Zeitunterschied am Binnenmarkt blöd und zogen nach. Und das, obwohl die Sommerzeit tatsächlich kaum Elektrizität einsparte: Die Franzosen heizten dafür in der Früh mehr und kühlten am Abend ihre Räume.

Mit Sicherheit beeinflusst die Sommerzeit aber den Energiehaushalt des Einzelnen: Für die meisten Menschen ist das Licht am Abend mehr wert als morgens. Es ist mir doch wumpe, ob es auf meinem Arbeitsweg dunkel ist, und ein ziemlich süßes Opfer, den Sonnenaufgang vom Arbeitsplatz aus zu erleben. Deprimierend ist, wenn Teenager im Winter nach zehn Stunden Unterricht in die Finsternis treten.

Der Zeitgeist verlangt nach permanenter Sommerzeit. Die Winterzeit bildet heute keine Wachphasen mehr ab, sie ist der alte Rhythmus der Knechte, der emanzipierte Mensch braucht nach getaner Arbeit Lichtfreizeit. Selbstverwirklichung gelingt eher, wenn man dabei etwas sieht. Im Wiener Hochsommer geht die Sonne so schon vor 5 Uhr auf, noch eine Stunde früher, und die Nachtruhe wäre gestört. Auch der Jetlag der Zeitumstellung ist unnötig: Es belastet Menschen mit Schlafstörungen, Kühe geben einige Tage lang weniger Milch und Nachtzüge kamen heute mit einer Stunde Verspätung an.

Aber Moment, da war doch was: Der Ex-EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte die Zeichen der Zeit erkannt und ließ die 500 Millionen EU-Bürger schon 2018 befragen: 84 Prozent von 4,6 Millionen Antwortern wollten nicht mehr an der Uhren drehen, das EU-Parlament beschloss ein letztes Zeitumstellen für 2021. Das Problem an dem Plan: Jeder Staat solle selbst entscheiden, ob er mit dauerhafter Winterzeit oder Sommerzeit leben möchte. Wie vor 50 Jahre drohen nun wieder Zeitinseln und die Asynchronisierung Europas. Die Länder werden sich nicht einig und hatten zuletzt wirklich andere Sorgen.

Ich bitte hiermit den nächsten EU-Ratsvorsitzenden Slowenien, das Thema wieder auf die Tagesordnung zu nehmen. Manchmal kann die Politik die Leben der Menschen mit einfachen Mitteln verbessern oder erschweren. In diesem Sinne gelobe ich sogar, nach Einführung einer mitteleuropäischen Dauersommerzeit die nächsten zehntausend EU-"Cookies zulassen"-Fenster ganz ohne Groll wegzuklicken.

Lukas Matzinger

Ich behaupte jetzt einfach, dass die Popband Bilderbuch bestimmt auch für die permanente Sommerzeit wäre. Jedenfalls haben die neuen Falcos kürzlich vier Wochen in Argentinien verbracht und einem dortigen Bergsee ein Lied geschrieben. Man muss diese Band einfach lieben, man weiß nie, was man bekommt: Nun ein Stück Späte-70er-Soft-Rock mit Verwandtschaft zu diesem Juwel von The Alan Parsons Project.

Auf der blauen Seite des ORF finden Sie heute eine Präsentation des Buches "Die Welt danach" des Sozialwissenschaftlers Bernd Marin, das jüngst im Falter Verlag erschienen ist. Marin ermuntert die Politik darin, Konsequenzen aus den Fehlern in der Pandemiepolitik zu ziehen, wie etwa die Etablierung von langfristigen Frühwarnsystemen und Präventionsplänen. Auch die heißen Themen Pflegeversicherung und Erbschaftssteuer kommen aufs Tableau, aber lesen Sie selbst!

A man with a plan: Der Gründer des Think Tanks "European Stability Initative" Gerald Knaus, gilt nicht nur als Vordenker des EU-Türkei-Deals, er hat auch Vorschläge, wie Europa zu einer humanen Migrations- und Asylstrategie finden könnte. Flüchtlingspatenschaften nach kanadischem Vorbild sind da nur eine Idee von vielen. Am Donnerstag, den 1. April, ist Knaus um 19h im Wiener Stadtgespräch, organisiert von Falter und Arbeiterkammer bei Peter Huemer zu Gast. Über diesen Link können Sie das Gespräch live mitverfolgen, wenn Sie sich hier vorab anmelden, erhalten Sie eine Erinnerung per E-Mail. Gerald Knaus' Buch "Welche Grenzen brauchen wir?" können Sie hier bestellen.

Woher hat der Osterhase die Ostereier?

Die bunten Freilandeier bringen ihm die Ögreissler-FahrerInnen – CO₂-frei aus dem Marchfeld.

Wir liefern auch gerne zu Ihnen und bringen Straußeneier, Marzipanküken, bunte Blumensträuße und noch mehr regionale Geschenke aus dem Ögreissler-Shop.

Auch für den österlichen Genuss hat der Ögreissler vorgesorgt.

Lassen Sie sich inspirieren - im Ögreissler-Shop finden Sie alles, was Sie brauchen!


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!