Corona und Babys - FALTER.maily #516

Birgit Wittstock
Versendet am 14.05.2021

eine Schwangerschaft inmitten der Pandemie – wie ist das, habe ich mich gefragt, als die Stadt Wien ihre Impfkampagne für Schwangere startete. Ich hörte mich also bei Schwangeren im Freundeskreis um, klickte mich durch diverse Elternforen im Internet und telefonierte mit Frauen, die dort ihre Gedanken und Sorgen teilten. Daniela Katzensteiner war eine von ihnen. Die 34-jährige Grazerin ist im siebenten Monat schwanger. Im vergangenen Oktober, gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest war auch ihr Coronatest positiv. Sie hatte Glück und die Infektion verlief mild, "wie eine unangenehme Erkältung", sagt sie.

Glaubte man zu Beginn der Pandemie noch eine Covid-Infektion würde für Schwangere kein zusätzliches Risiko darstellen, hat sich im Laufe der vergangenen Monate gezeigt, dass Schwangere zwar nicht häufiger erkranken als Nicht-Schwangere, im Fall einer Infektion aber dreimal so gefährdet sind, auf der Intensivstation zu landen, intubiert zu werden oder eine Fehlgeburt zu erleiden. Das Risiko, dass sie bei einer Infektion eine Herz-Lungen-Maschine brauchen, ist doppelt so hoch.

Deshalb hat das Nationale Impfgremium vor zwei Wochen die Covid-19-Schutzimpfung nicht nur – wie ohnehin bereits Praxis – für schwangere Risikopatientinnen freigegeben, sondern für alle Schwangeren. Auch die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) empfiehlt die Impfung, Wien hat als erste EU-Hauptstadt 5000 Impftermine für Schwangere ab dem 20. Mai freigeschaltet und in Salzburg und Oberösterreich werden schwangere Frauen bereits mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna geimpft. Und während es manchen nicht schnell genug gehen kann mit der Impfung, fragen sich andere: Soll ich, oder soll ich nicht?

So auch Daniele Katzensteiner, deren Antikörpertest zeigte, dass sie nach ihrer Infektion nur eine geringe Immunität gebildet hatte. "Ich glaube schon, dass ich mich impfen ließe, wäre es jetzt in der Steiermark möglich", sagt sie. Sie habe sich informiert und die Zahlen und Fakten sprächen dafür. Dennoch: Ein gewisser irrationaler Restzweifel bestehe trotzdem.

Manche haben die Unsicherheiten, die mit der Pandemie verbunden sind, dazu gebracht, den Kinderwunsch zu vertagen: 2020 wurden in Österreich um 1459 Kinder – das sind -1,7 Prozent – weniger geboren als im Jahr zuvor. Andreas Obruca, ärztlicher Leiter des Kinderwunschzentrums an der Wien erzählt, dass die Nachfrage während der Lockdowns spürbar geringer war. "Wir erleben Paare, die aufgrund von Kurzarbeit oder Jobverlust die Behandlung verschieben. Gleichzeitig hat die viele Zeit zu Hause bei vielen den Wunsch nach Familie verstärkt."

Möglich also, dass auf die Pandemie ein Baby-Boom folgt. Dazu rät Obruca den Paaren aber dringend zur Impfung: Nicht nur wegen des Risikos, das eine Covid-Infektion für Schwangere mit sich bringt. Auch für Männer bedeutet sie ein Handicap: Es habe sich nämlich gezeigt, dass sich die Samenqualität – zumindest vorübergehend – bei Erkrankten deutlich verschlechtert, sagt Obruca.

Und wenn Sie diese Argumente nicht überzeugt haben, können Sie hier Weitere nachlesen.

Ihre Birgit Wittstock

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