Ich bin "cheugy". Sie auch? - FALTER.maily #520

Anna Goldenberg
Versendet am 19.05.2021

was haben die herzigen gelben "Minions" aus dem Disneyfilm "Despicable Me", US-Popstar Britney Spears und Cakepops, die auf Stäbchen gebackenen Tortensnacks, gemeinsam? Sie sind "cheugy". Für den englischen Begriff gibt es (noch) keine Übersetzung, er existiert seit 2013 und beschreibt Dinge, Redewendungen und Verhaltensweisen, die nicht mehr im Trend liegen. "Cheugy" sind Menschen, die zu sehr versuchen, mitzuhalten.

Im März landete der Begriff auf der Videoplattform TikTok und wurde zum Thema einiger Videos, Ende April erschien in den New York Times ein vielgeteilter Artikel darüber. Als ich ihn las, fühlte ich mich ertappt. "Cheugy", so macht sich nämlich die Generation Z, also die Jahrgänge 1997 bis 2012, über meine Generation lustig. Wir Millennials, zwischen 1981 und 1996 geboren, halten uns nämlich noch immer für jung, und glauben, was uns prägte, liegt nach wie vor im Trend.

Ich klickte mich also durch die erklärenden Instagram-Posts, bis ich las, dass die Fotoplattform auch ziemlich "cheugy" ist; die Jungen sind schließlich allesamt auf TikTok. Tja.

Vieles, was dort als "cheugy" beschrieben wird, hat eine sentimental-verspielte Ästhetik und kann man lose einer soziokulturellen Gruppe zuordnen – nämlich weißen, US-amerikanischen, eher privilegierten Frauen, die nun eben zwischen Mitte 20 und Ende 30 sind. Jene Menschen also, die die fellbesetzten UGG-Boots und Hüftjeans trugen, Ellen DeGeneres und Jason Derulo toll fanden, auf den sozialen Medien Jahresrückblicke posteten. Was soll ich sagen, ich bin schuldig in allen Anklagepunkten.

Es wird also Zeit, dass das Phänomen auch hierzulande benannt wird. Anstelle einer Übersetzung schlage ich vor, die Rechtschreibung einzudeutschen. Was könnte im österreichischen Kulturraum als "tschugie" klassifiziert werden?

Starmania. Hochzeits- oder Babyfotos auf Facebook. Redewendungen wie "zum Bleistift". Aus Thomas Brezina-Büchern zitieren. Milchschaum-Muster. Keilabsätze. Bunte Cocktails.

Und weiter?

Stolz und tschugie grüßt Sie

Ihre Anna Goldenberg

"Die Mischung", das ist beim Faltermachen immer ein wichtiges Argument. Aus dem Redaktionssprech übersetzt heißt es: Die Themen und Formate müssen möglichst unterschiedlich sein. Im Politikressort soll sich beispielsweise "Politik-Politik" (bezeichnet meist Artikel, in denen es hauptsächlich um Parteipolitik geht) mit Chronikalem abwechseln, im Feuilleton Interviews neben Porträts (oder "verfeatureten", nicht im Frage-Antwort-Format geschriebenen Interviews) und Rezensionen stehen, im Stadtleben darf neben ernsten Gesellschaftsthemen die "Lebenslust" nicht zu kurz kommen. Ich finde, in der aktuellen Ausgabe ist uns das besonders gut gelungen. Von Korruptionsermittlungen bis Bob Dylan, von Mauthausen bis Gastgärten, von Falschmeldungen bis Extinction Rebellion, Sie wünschen, wir mischen.

Dieser Twitter-Thread des österreichischen Journalisten Wolfgang Luef ist das Lustigste, was ich seit Langem über Corona gesehen habe. Luef ging ins Museum und sah in den alten Kunstwerken "überall nur Corona". Aber klicken Sie selbst; dazu brauchen Sie im Übrigen keinen Twitter-Account.

Sie haben es vielleicht schon mitbekommen: Die Gastronomie sperrt heute wieder auf. Im FALTER.morgen hat Soraya Pechtl die wichtigsten Regeln zusammengefasst, die man beachten muss, wenn man ins Gasthaus will. Den Wien-Newsletter können Sie hier kostenlos abonnieren!

Fußball-Fans auf der ganzen Welt durften aufatmen: Die Europameisterschaft 2021 kann von 11. Juni bis 11. Juli stattfinden und das heißt natürlich nicht weniger, als dass auch die FALTER-Wuchtelwette kurz vor dem Anpfiff steht! Sie verstehen kein Wort? Die FALTER-Fußballwette gibt es seit 1994 (ziemlich "tschugie"!), man kann alleine oder in Teams auf die Ergebnisse der einzelnen Spiele tippen und dabei reichlich Bier und viele andere tolle Dinge gewinnen. Spielplan, Registrierung und Gewinne finden Sie hier.


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!