Aufmücken - FALTER.maily #524

Barbara Tóth
Versendet am 26.05.2021

Aufmücken, das Wort gibt es nicht. Es heißt Aufmucken. Aber vielleicht werden wir das Wort "aufmücken" bald verwenden, wenn jemand dagegenhält und erklärt, wie die Dinge wirklich laufen, intern, in dieser zerrütteten Koalition.

Wann tragen wir keine Masken mehr? Wann fällt die 22-Uhr-Sperrstunde? Am 10. oder 17. Juni? Es gab viele offene Pandemie-Fragen über die Pfingstfeiertage, nachdem Kanzler Sebastian Kurz letzten Samstag vorgeprescht war und weitere "Öffnungsschritte" angekündigt hatte. Mückstein reagierte verschnupft. Dieses "einseitige Abgehen vom gemeinsamen Prozess kann nicht in unserem Interesse sein", twitterte er. Intern hatte sich die Koalition vor Pfingsten nämlich darauf geeinigt, sich im Laufe dieser Woche mit Expertinnen und Ländervertretern zu beraten und dann am Freitag den weiteren Fahrplan in Richtung "Normalität" zu verkünden.

Die meisten Medien machten aus der Pfingst-Pandemie-Kakophonie die Schlagzeile "Hick-Hack" um Öffnungsschritte. Das ist die einfachste Zusammenfassung, sie stimmt nur leider nicht. "Kurz ignoriert Message Control" wäre besser gewesen. Es scheint, als wolle der Kanzler alle guten Botschaften für sich haben, als Mahner und Bremser soll einmal mehr der Gesundheitsminister dastehen.

Mückstein hat das erkannt und öffentlich dagegengehalten. Aufgemückt. Gut so.

Schönen Abend,

Ihre Barbara Tóth


Zitat Des Tages

"Die Armut wird steigen, das wissen wir alle. Wir haben 1,3 Millionen armutsgefährdete Menschen in Österreich. Das sind die Zahlen vor Corona. In diese Situation platzt der Wirtschaftsbund hinein, der sagt, man soll das Arbeitslosengeld degressiv auf 40 Prozent herunter fahren. Dass es da keinen gesamtgesellschaftlichen Aufschrei gegeben hat, wundert mich. Die Beratungsorganisationen wie die Caritas sagen, die Zahl der Leute, die Hilfe brauchen, weil sie Gas und Strom nicht mehr zahlen können, geht rasant hinauf. Da sind solche neoliberalen Ansagen entbehrlich. Wir werden sehen, wie wir das in der Regierung lösen, es liegt am Tisch."

Das sagte Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein im FALTER-Talk zum Thema Pandemie und Zukunft. Was er und der Rest der Gesprächsrunde, darunter auch die Virologin Dorothee von Laer und ich selbst zu sagen hatten, hören Sie ab morgen früh im FALTER-Radio.


Aus Dem Falter 1

Was ist eigentlich mit der SPÖ los? Es wäre alles angerichtet für eine erfolgreiche Oppositionsarbeit: Die türkis-grüne Regierung verliert an Rückhalt, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kanzler und Finanzminister, die FPÖ hat sich von Ibiza noch nicht völlig erholt. Dennoch fliegen die Fetzen bei den Roten vor allem intern. Nina Horaczek und Josef Redl analysieren die Lage der größten Oppositionspartei.


Aus Dem Falter 2

Im FALTER.natur-Ressort finden Sie diese Woche eine faszinierende Geschichte über den Tierarzt Amit Khalil. Der Mann, der für die internationale Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" mit Sitz in Wien arbeitet, holt Tiere aus Kriegs- und Krisengebieten. Er hat Saddam Husseins Löwen ebenso gerettet wie Bären aus Aleppo, der Künstler Ai Weiwei und die Sängerin Cher drehten Dokus mit ihm, doch hierzulande kennt ihn kaum jemand. Bis jetzt.


Kolumne

Es gibt Anlass zur Freude, denn die Autorin und Extremismusforscherin Julia Ebner startet ab Juni im FALTER ihre Kolumne namens "Ebner im Netz: Erkundungen radikaler Welten". Ebner arbeitet am Londoner Institute for Strategic Dialogue und ist auf Rechtsextremismus, Polarisierung und europäische Terrorismusprävention spezialisiert. Für ihre Bücher Wut und Radikalisierungsmaschinen hat sich die Wissenschafterin mehrere Monate undercover in radikale Gruppierungen eingeschleust. Sie können es vielleicht.schon erahnen: Das wird spannend!


Zum Schaün

Beschimpfungen, Hass und Verschwörungstheorien im Netz sind für viele bereits zur traurigen Normalität geworden. Aber geht das auch besser? Ist eine zivilisierte Diskussionskultur im Internet möglich und wie können Betroffene mit Angriffen umgehen, wie kontern, wie Freunden und Familienmitgliedern begegnen, die zu tief ins "rabbit hole" geklettert sind? Das diskutieren die Autorin und Digitalexpertin Ingrid Brodnig morgen ab 19h beim Wiener Stadtgespräch mit Peter Huemer, organisiert von Falter und Arbeiterkammer. Hier gehts zum Livestream.


Zum Hören

Bei genauer Analyse der Misserfolge in der Pandemie besteht die Chance auf rasches und nachhaltiges Lernen aus der Krise und, im Endeffekt, die Möglichkeit auf eine bessere Gesellschaft. Diese überraschend optimistische Einschätzung stammt vom Soziologen Bernd Marin, vorgetragen im Salzburger Nachtstudio auf Ö1. Welche Fehler seiner Meinung nach gemacht wurden und warum, wie wir weitere Katastrophen verhindern können und was jede und jeder einzelne von uns aus der Pandemie-Erfahrung lernen sollte, lesen Sie in Marins jüngstem Buch "Die Welt danach", das im Falter Verlag erschienen ist.


Aus Dem Verlag

Was macht uns Angst? Was ist für uns riskant? Wer oder was beschützt uns? Die Antworten auf diese Fragen haben sich im Laufe der Zeit verändert, zurückgegangen ist das Gefühl der Unsicherheit jedoch auch bei zunehmender Sicherheit nicht. Das Buch "Auf eigene Gefahr. Vom riskanten Wunsch nach Sicherheit", herausgegeben von Peter Melichar und Andreas Rudigier und veröffentlicht im Falter Verlag, widmet sich dem paradoxen Verhältnis von Sicherheitsbedürfnis, Technologie und echtem Sicherheitsgefühl.

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