Stabil bleiben! - FALTER.maily #536

Josef Redl
Versendet am 10.06.2021

manchmal muss ich mich direkt selbst ein bisschen bewundern für meine Stabilität. Ich habe gerade während einer längeren Busfahrt die letzten Tage Revue passieren lassen. Und die waren voll von Wut und Ärger. Und hätten Anlass für noch mehr Wut und Ärger geboten. Am Karlsplatz haben vor ein paar Tagen Jugendliche Dutzende Bierflaschen auf Polizisten geworfen. Mein eigenes erstes Bier im Schanigarten ist mir von einem richtigen Ungustl am Nachbartisch getrübt worden.

Der Mann war bereits mit einer Flasche Wein versorgt. Und obwohl der umsichtige Kellner stets in der Nähe parat stand, hat sich der Gast irgendwie nicht wertgeschätzt gefühlt. "Wos is? Host heit dein freien Tag?" hat er den Kellner angeblafft. Und dann ein kleines Glas Wasser bestellt. "Was für ein Trottel", hab ich mir gedacht. Für den hätten sie den Lockdown ruhig verlängern können. Trotzdem wollte ich mir weder von ihm noch von dem absurden Preis von 5,10 Euro für das Krügerl die Laune verderben lassen.

Dann war ich noch bei einem Fußballspiel von Unter-16-Jährigen, wo ein Vater das Spielfeld gestürmt hat und handgreiflich geworden ist. Irgendein Halbwüchsiger hatte etwas über die Mutter von einem anderen Halbwüchsigen gesagt. Und dann dreht ein erwachsener Mann so durch, dass wir ihn zu dritt beruhigen mussten. Woher kommt diese Wut? Und ist die neu? Ich weiß es nicht. Aber mir haben Bekannte schon vor geraumer Zeit erzählt, dass sie sich befreit fühlen, seit die Menschen körperlich mehr Distanz halten. Ich glaube, dass wir vieles, was das Miteinanderleben ausmacht, wieder lernen müssen.

Ich bin ja, wie gesagt, zum Glück sehr stabil. Und manchem Ärger kann man leicht aus dem Weg gehen, indem man zum Beispiel keine "Gespräche" mit Andreas Hanger im Fernsehen ansieht. Ansonsten hilft es, wenn man einfach großzügig ist. Ich hab das bei dem Mann vom Kundendienst meines Internetproviders so gehalten. Er hat mir geraten, das Modem nicht am Boden stehen zu lassen. "Stellen Sie es an einen Ort von einem halben bis einem Meter Höhe." Und ich hab natürlich gewusst, was passiert. Dass das Modem von einem halben bis einem Meter Höhe herunterfällt. Internet geht wieder. Und sauer bin ich auch nicht. Ich hab dir verziehen, Kundendienstmann!

Ihr Josef Redl

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