Schrammelklang - FALTER.maily #557

Stefanie Panzenböck
Versendet am 05.07.2021

Es gilt als Woodstock des Wienerlieds. Am idyllischen Litschauer Herrensee versammeln sich Anfang Juli Jahr für Jahr tausende Liebhaber der alten und neuen Wiener Musik. Traditionelle Klänge sind am Schrammelklang-Festival ebenso zu hören wie Ensembles, die Zeitgenössisch-Experimentellem frönen.

Als sich das Corona-Virus im Frühjahr 2020 immer weiter verbreitete, stand auch das Waldviertler Festival auf der Kippe. Doch Zeno Stanek, Erfinder und Intendant des Schrammelklang-Festivals, blieb unbeirrbar. "Welche Gesetze auch immer kommen, wir werden sie erfüllen", lautete seine Devise. Aber auf Kunst zu verzichten? Dazu war er nicht bereit. Im Jahr 2020 setzte er die Konzerte statt an einem, an insgesamt fünf Wochenenden an, um die Besucherzahl pro Abend pandemiekonform zu reduzieren.

Die Idee dazu kam Stanek allerdings schon früher. Das Schrammelklang-Festival, das nun bereits zum 15. Mal abgehalten wird, ist als entspanntes Erleben von Natur und Musik angelegt. Etwas größeren Konzerten kann das Publikum im Herrenseetheater beiwohnen, doch ein essentieller Teil der Darbietungen findet am sogenannten Schrammelpfad statt. Besucherinnen und Besucher wandern am Seeufer entlang, zweigen etwa in den Wald ab und erreichen eine der neun Naturbühnen, auf denen ohne Verstärkung und nur vor kleineren Gruppen musiziert wird. Über 6000 Menschen kamen vor der Pandemie an einem Festival-Wochenende in die nördlichste Stadt Österreichs. Es waren zu viele. Immer öfter herrschte Gedränge, kaum hörte das eine Konzert auf, fing das andere schon an. Ein Widerspruch zum ursprünglichen Gedanken der Gemütlichkeit.

Heuer findet das Festival an zwei Wochenenden statt, jeweils von Freitag- bis Sonntagabend. Es wird volles Programm geboten, aber nur noch für 1000 und nicht wie bis ins Jahr 2019, 2000 Menschen pro Tag. Die Anzahl der Konzerte verdoppelt sich - auf zwei Wochenenden gerechnet - nicht, sondern erhöht sich um etwa ein Drittel. Da die Kosten steigen, wenn aus einem Festival zwei werden, aber insgesamt nicht mehr Menschen kommen, half das Land Niederösterreich aus. Zudem wurden die Kartenpreise erhöht. Einen Drei-Tages-Pass kann man im Vorverkauf nun um 80 Euro statt wie zuvor um 70 Euro erstehen.

"Die Pausen dauern heuer etwas länger, man hat mehr Zeit, um zum nächsten Konzert zu kommen, es ist nicht mehr so atemlos, wie in den Jahren davor", kündigt Stanek an. Eine mögliche Vorlage für den gesamten Kulturbetrieb nach der Pandemie?

Am kommenden Freitagabend beginnt das Schrammelklang-Festival am Litschauer Herrensee, das Programm finden Sie hier,

Stefanie Panzenböck

"Mich hat niemand aufgehalten": Die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth feiert heute ihren 80. Geburtstag. Sebastian Fasthuber hat sie in ihrem Garten in Altaussee besucht und mit ihr über Femizide und Cancel Culture, Bauwut und Chalet-Dörfer sowie Hannes Androsch und Dietrich Mateschitz gesprochen.

Swimmingpool und Schneckensex: Sind Sie noch auf der Suche nach Lektüre für den Sommerurlaub? Klaus Nüchtern empfiehlt im aktuellen Falter Patrica Highsmiths Krimi "Tiefe Wasser".

Die FALTER-Kunstkritikerin Nicole Scheyerer hat den Österreichischen Staatspreis für Kunstkritik 2021 gewonnen. Seit über 20 Jahren schreibt sie im FALTER Kunstkritiken und KünstlerInnenportraits, derzeit zeichnet sie unter anderem für die Serie 'Atelierbesuche' in der FALTER:WOCHE verantwortlich.

"Ihre Berichte wenden sich über das Fachpublikum hinaus an ein breites interessiertes Publikum und tragen so zur Bekanntmachung und Unterstützung zeitgenössischer bildender Künstler:innen bei. Ihre Künstler:innenportrais und Kritiken sind anschaulich, informativ und mit leichter Hand geschrieben", schreibt die Jury in ihrer Begründung. Wir gratulieren ganz herzlich zu dieser großen Anerkennung!

In seinem aktuellen Natur-Newsletter beschreibt Benedikt Narodoslawsky, warum man den Austrian World Summit nicht ernst nehmen kann, wo man die biologischen Eindringlinge Ragweed und Asiatische Mörtelbiene melden kann und welche Medien (außer uns, natürlich) coole Klima-Newsletter anbieten.

Ahmed Samir studiert an der Central European University in Wien und wollte in seiner Heimat Ägypten Ferien machen – jetzt sitzt Ahmed Samir bereits seit 155 Tagen in einem Gefängnis. Vor wenigen Tagen wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt und ist seitdem im Hungerstreik. Der FALTER.morgen hat sich den Fall angesehen und versucht herauszufinden, wer dem jungen Mann helfen könnte.

In ihrer neuen Kolumne schreibt die Extremismusforscherin Julia Ebner über ein gefährliches Phänomen: reziproke Radikalisierung. Was bedeutet das? Rechte befeuern islamistischen Extremismus und Islamisten spielen wiederum Rechtsextremen in die Hände. Warum die verfeindeten Gruppen Brüder im Geiste sind, lesen Sie hier. Die Kolumne von Julia Ebner können Sie hier kostenlos abonnieren!

Sollten Sie nach dem ohnehin recht entspannten Schrammelklang-Festival noch mehr Entspannung suchen, empfehlen wir Ihnen diesen Wanderführer aus dem Falter Verlag: "Wandern im Waldviertel" versammelt die 40 schönsten Wanderungen und Stadtspaziergänge in der Region.


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!