Johanna - FALTER.maily #583

Stefanie Panzenböck
Versendet am 04.08.2021

der Sommer dauert an, wie lang das Reisen noch möglich sein wird, wissen wir nicht, aber gute Bücher kann man auch in den eigene vier Wänden lesen. Empfehlen möchte ich Ihnen heute "Die alte Johanna" von Renate Welsh. Es ist das Porträt einer Frau, das die Schriftstellerin vor über 40 Jahren begonnen und nun abgeschlossen hat. "Johanna" hieß der erste Band und erzählte die Geschichte eines jungen Mädchens, das als Kind einer ledigen Mutter in der österreichischen Provinz auf die Welt kam. Eine Ziehmutter zog es auf, doch dann wurde sie zu einem Bauern geschickt, bei dem sie hart arbeiten musste. Lohn bekam Johanna, die Protagonistin, jahrelang keinen und als sie anmerkte, dass sie gern eine Lehre machen wolle, sah man sie abschätzig an. "Das wäre ja noch schöner, wenn ledige Kinder schon was wollen dürften", bekam sie zu hören. Diesen Satz sollte Johanna nie wieder vergessen.

Die Figur der Johanna hat sich Welsh nicht ausgedacht. Die beiden Frauen waren Nachbarinnen in einem Dorf in Niederösterreich. Hin und wieder erzählte Johanna von ihrer Kindheit und Welsh bat sie eines Tages, diese Geschichte aufschreiben zu dürfen. Die Frau zögerte. Welsh kam aus gutem Hause, wie sollte sie in der Lage sein, das Schicksal einer Tochter einer ledigen Magd, die selbst schon die Tochter einer ledigen Magd war, zu verstehen. Schließlich stimmte Johanna zu, und Welsh verfasste das Porträt einer Gruppe von Menschen, die nahezu unsichtbar gemacht worden war - der sogenannten ledigen Kinder. Sie wurden aus der Gesellschaft ausgestoßen und konnten sich nur mit größtem Kraftaufwand behaupten. Oft reichte auch das nicht aus, um der Armut zu entkommen.

Vor wenigen Jahren starb Johanna und Welsh erzählte die Geschichte nun zu Ende. Wie Johanna heiratete, ihre Kinder aufzog und bis zum Schluss immer darauf achtete, dass alles perfekt war. Niemand sollte ihr und ihrer Familie etwas Schlechtes nachsagen. Welsh, die vor allem als Kinderbuchautorin Bekanntheit erlangte, ist ein einfühlsames Porträt gelungen. Es ist ein Buch für alle Generationen.

Schöne Tage wünscht Ihnen

Stefanie Panzenböck

Wenn Bundeskanzler Sebastian Kurz über grüne Klimapolitik spricht, spielt er mit Insiderbegriffen radikaler Szenen - "Steinzeit", "Klima-Lockdown" heißt es da etwa. Unsere Kolumnistin Julia Ebner argumentiert, dass er dadurch reichlich Öl ins Lagerfeuer der Klimakrisenleugner gießt. Ihren Text lesen Sie hier.

Mirwais Wakil hat an der London School of Economics studiert und als parlamentarischer Mitarbeiter für den Neos-Klub gearbeitet. Er ist aus Afghanistan geflohen und hat anlässlich des Falles Leonie einen Gastkommentar für uns verfasst: "Schiebt sie nicht ab!" schreibt er zur Abschiebung von afghanischen Straftätern, denn das würde den Rechtsstaat in Österreich aushöhlen.

Waren Sie schon mal in Ljubljana? Wenn nicht, versäumen Sie etwas. In fünf Spaziergängen stellt der Reiseführer aus dem Falter Verlag Bemerkenswertes und Landestypisches in der Stadt vor und weist den Weg zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Bauwerken, zu idyllischen Altstadtgassen, quirligen Hotspots, ruhigen Grünoasen und empfehlenswerten Restaurants und Cafés.


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!