Master of the Universe Syndrom - FALTER.maily #649

Barbara Tóth
Versendet am 20.10.2021

Vielleicht vermische ich da Dinge, die nicht zusammengehören, aber auffällig ist es dann doch: Binnen einer Woche sind in Österreich und Deutschland zwei junge Männer gescheitert, die lange Zeit als Prototypen für juveniles Durchstartertum galten. ÖVP-Chef Sebastian Kurz (35) und Bild-Chefredakteur Julian Reichelt (41). Dass die beiden sich gut kannten und Kurz regelmäßig in der Bild-Zeitung als Posterboy der deutschsprachigen Neo-Cons inszeniert wurde, passt dazu.

Kurz stolperte über Chats, die seine Skrupellosigkeit, seinen fehlenden Anstand und Integrität dokumentieren. Reichelt behandelte seine Mitarbeiterinnen wie Sklavinnen, die ihm gefügig sein sollten, wollten sie Karriere machen. "Machtmenschen" wie sie faszinieren anfangs, weil sie die Idealbesetzung für die "Stories" unserer modernen Medienwelt sind. Sie wissen sich zu inszenieren, beherrschen Bewegtbild und Schlagzeilen, versammeln ihre Anhängerschaft hinter sich auf den sozialen Medien. Emotionalisierung und Erregung sind ihre Währung. Welch Ironie der Geschichte, dass es Reichelt und Kurz zeitnah gemeinsam erwischt hat.

Was mich noch länger beschäftigen wird, ist die Sprache dieser selbsternannten "Masters of the Universe", die sich in den türkisen Chats wiederfindet, von denen es früher oder später noch mehr zu lesen geben wird. Es ist ein ganz eigener Jargon zwischen Unterwürfigkeit und Größenwahn, garniert mit Schimpfwörtern und Fäkalsprache, Geringschätzung gegenüber Frauen, Klassismus und roher Gewalt. Wenn Sie diese Woche einmal ein paar ruhige Minuten haben, schauen Sie sich meine Sprachanalyse anhand von sechs Leitmotiven im aktuellen Falter an.

Beim Schreiben dachte ich mir oft: Kraftausdrücke geben jenen Kraft, die klein im Herzen sind.

Barbara Tóth

Das in den Chats viel besprochene "Beinschab-Tool" hat Sebastian Kurz mittels frisierter Umfragen an die Macht verholfen. Doch die Geschichte des "Tools" endete möglicherweise nicht mit Kurz' Eintritt ins Kanzleramt. Im aktuellen FALTER haben wir nachgeforscht, welche Umfragen Sabine Beinschabs Institut "Research Affairs" in der vergangenen Zeit durchgeführt hat. Interessanterweise bestätigten ihre Umfrageergebnisse auffällig häufig den politischen Kurs der Türkisen. Hier erfahren Sie mehr.

Die Volkspartei bemüht sich, die innenpolitische Causa Prima so zu drehen, als ginge es lediglich um ein paar derbe SMS, die eigentlich privat hätten bleiben müssen. Doch die Sache ist ernster: Tatsächlich hatten Sebastian Kurz und seine Vertrauten den Sicherungskasten unserer liberalen Demokratie manipuliert, wie Florian Klenk in diesem Beitrag argumentiert.

Was sagen eigentlich die Grünen zu der ganzen Sache? Das haben wir im aktuellen FALTER die grüne Klubobfrau Sigrid Maurer gefragt. "Basis ist das Strafrecht, nicht der Elmayer", sagte sie im Interview, das Sie hier zur Gänze lesen können.

Wurde wohl je eine Steuerreform schneller vergessen als die jüngste der türkis-grünen Regierung? Wir sehen noch Redebedarf. Ob der Klimabonus unfair sei, war eine der meist diskutierten Fragen. Viel wichtiger ist jedoch die Effizienz des CO2-Preises, argumentiert Felix Pirker in seinem aktuellen Beitrag für den FALTER Think-Tank. Dafür müsste er aber dringend angehoben werden, so Pirker. Hier lesen Sie mehr.

Verletzliche Männlichkeit, Verlassen- und Alleingelassenwerden, Alkoholismus: Das sind die Themen des Romans "Shuggie Bain", der im Vorjahr den Booker Prize gewonnen hat. Klaus Nüchtern findet, es sei "zumindest der Roman der Saison" und hat mit dem Autor Douglas Stuart über dessen Kindheit und das Aufwachsen im Arbeitermilieu in Glasgow gesprochen.

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