Gute letzte Reise - FALTER.maily #667

Nina Horaczek
Versendet am 11.11.2021

Gestern ist der langjährige SPÖ-Nationalratsabgeordnete Otto Pendl verstorben. Der Justizwachebeamte und Bürgermeister der niederösterreichischen Gemeinde Trumau galt in Fremdenrechtsfragen als Hardliner – wobei man zu Pendls Ehrenrettung sagen muss, dieses Land ist dank FPÖ und türkiser ÖVP so weit nach rechts gerutscht, dass der rote Pendl heute weniger Hardliner als vielmehr Caritasfreund wäre.

Von 1998 bis 2017 saß Pendl im österreichischen Nationalrat. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er aber erst 2012 bekannt, wegen eines parlamentarischen Korruptions-Untersuchungsausschusses, der sich schon damals mit dem Anfüttern von Boulevardmedien durch Regierungsinserate beschäftigte. Pendl war roter Fraktionsführer in diesem Ausschuss und eine "rote Firewall", die seinen damaligen Kanzler davor beschützte, dem Ausschuss Rede und Antwort zu stehen. Ich fuhr damals nach Trumau und traf dort einen Menschen, der das Gegenteil war von einem "Berufspolitiker, die was in Wien unter ihrem Quargelsturz leb’n und nix wissen vom realen Leb’n", wie er selbst sagte.

Mit seinem breiten Dialekt sprach Pendl so, dass die Menschen ihn verstehen. Simpel gestrickt war er aber definitiv nicht. Der Sozialdemokrat war ein Politiker, der versuchte, das Leben der Menschen zu verbessern. In seinem Trumau sorgte er dafür, dass schon Einjährige einen Krippenplatz haben, damit deren Mütter wieder arbeiten können. Er baute Genossenschaftswohnungen, einen Sportplatz für die Jugend und für die Ältesten ein Sozialzentrum mit Pflegestation. Sogar ein Wirtshaus ließ er errichten, damit das Dorf einen Treffpunkt hat. Schon damals wälzte er Pläne, wie man die 3.700-Einwohner-Gemeinde völlig auf alternative Energie umstellen kann.

Und es ist Pendls Verdienst, dass die Opposition einen Untersuchungsausschuss als Minderheitenrecht einsetzen kann. Das verriet der frühere Grünen-Abgeordnete Peter Pilz 2017 dem FALTER: "Ich sagte zu Otto: ,Du, wir brauchen ein stärkeres Parlament', also einen U-Ausschuss als Minderheitsrecht. Da bin ich eine offene Tür eingerannt. Und gemeinsam haben wir ÖVP-Klubchef Lopatka und seinen roten Kollegen Andi Schieder überzeugt und so das Parlament reformiert."

Als ich im Rathaus von Trumau in Pendls Büro saß, umgeben von einer beeindruckenden Sammlung an Pfeifen und geschliffenen Gläsern, sagte er zu mir: "Ich bin kein Reisender. Da in Trumau bin i daham, des is mei Leb’n." Gestern ist Otto Pendl doch auf die Reise gegangen. Ich wünsche ihm für seinen letzten Weg nur das Allerbeste.

Nina Horaczek

Fragen Sie sich, ob eine Covid-Schutzimpfung vielleicht gefährliche Langzeitfolgen haben könnte? Ich habe den Impfstoffexperten Florian Krammer, der der renommierten Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York forscht, dazu befragt: "'Langzeitfolgen' ist in Bezug auf Impfungen ein Unwort", sagt er. "Bei Impfstoffen kann es zwei Arten von Problemen geben: Zum einen können Lebendimpfstoffe, wie etwa gegen die Kinderlähmung, mutieren und die Erkrankung selbst auslösen. Bei dieser Schluckimpfung ist ein Kind pro 2,5 Million Impfungen an Kinderlähmung erkrankt. Zweitens kann das Immunsystem auf eine Impfung falsch reagieren. Das ist zum Beispiel beim Guillain-Barré-Syndrom der Fall, das bei etwa ein bis zwei von einer Million Influenzaimpfungen auftritt. Dabei greift das Immunsystem das Nervensystem an. Beides bemerkt man binnen kurzer Zeit nach der Impfung, weil das Immunsystem sieben Tage bis drei Wochen nach einer Impfung am aktivsten ist. Aber noch nie in der Geschichte der Impfstoffe kam es erst nach vielen Monaten oder Jahren zu Impfnebenwirkungen." Das ganze Interview finden Sie im aktuellen FALTER.

Der Antifaschist und Journalist Michael Bonvalot wurde zum Feindbild rechtsextremer Corona-Leugner. Erst kürzlich beschmierten Unbekannte seine frühere Wohnungstür mit Gewaltdrohungen. Wie Bonvalot zur Zielscheibe der Rechten wurde und warum sich die Sicherheitslage für Journalistinnen und Journalisten hierzulande insgesamt verschärft hat, lesen Sie hier.

Der autoritäre Kurs der nationalkonservativen Regierung in Warschau gefährdet die Demokratie – die von Belarus heraufbeschworene humanitäre Krise an der Grenze tut ihr Übriges dazu. Kann die EU hart bleiben? Im Podcast bei Raimund Löw diskutiere ich darüber mit dem EU-Abgeordneten Andreas Schieder (SPÖ), der Nationalratsabgeordneten Ewa Ernst-Dziedzic (Grüne), dem polnischen Journalisten Bartosz T. Wieliński (Gazeta Wyborcza, Warschau) und der EU-Expertin Eva Nowotny. Hören Sie rein!

In der neuen Episode von "Besser lesen mit dem FALTER" stellt die Autorin Didi Drobna ihren neuen Roman "Was bei uns bleibt" vor. Der Roman spielt im zweiten Weltkrieg und beleuchtet die Lebenswelten mehrer Generationen. Mit Moderatorin Petra Hartlieb spricht Drobna über einen weiteren blinden Fleck in der österreichischen Geschichte: Die Munitionsfabrik Hirtenberg. Die beiden versuchen zu verstehen, warum diese Geschichte noch nirgendwo aufgearbeitet wurde und warum es nach vier Generationen immer noch so wichtig ist, aufzuarbeiten, was damals passiert ist. Zum Abschluss der Sendung stellt FALTER-Sachbuchexpertin Kirstin Breitenfellner noch zwei Bücher aus dem aktuellen Bücherherbst vor. 

Morgen endet die 26. Weltklimakonferenz, – doch die Klimakrise geht weiter. Nicht nur in Glasgow, weltweit setzen sich Abertausende junge Menschen für die Rettung des Klimas ein. Benedikt Narodoslawsky hat mit VertreterInnen von Fridays for Future in Österreich gesprochen, ihre Leitfigur Greta Thunberg getroffen und beschäftigt sich journalistisch seit Jahren mit den Folgen der Klimakrise.

Nächsten Donnerstag, den 18. November, präsentiert Benedikt Narodoslawsky sein Buch "Inside Fridays for Future" ab 18h im Café Baharat, dem gemeinnützigen Arbeitstrainingsprojekt des Wiener Hilfswerks für subsidiär Schutzberechtigte, und lädt zur anschließenden Diskussion ein. Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen!

"Wer gerne viele Stunden in einer Buchhandlung verbringt, wird diesen Film lieben" THE HOLLYWOOD REPORTER

THE BOOKSELLERS ist ein lebendiger Blick hinter die Kulissen der New Yorker Welt der seltenen Bücher und jener faszinierenden Menschen, die sie bewohnen. Der Dokumentarfilm ist eine liebevolle Hommage an die Buchkultur und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Zukunft des Buches. Ab 12. November im Kino!


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