Tiere sind nicht immer unsere Freunde - FALTER.maily #679

Eva Konzett
Versendet am 06.12.2021

Nun ist also wieder Lockdown, die Gespräche dünnen aus, das Mitzuteilende ebenso: Man erlebt im Schnitt wenig. Stumm wird das Frühstück gegessen, das Abendbrot als Lagerfeuer der Familie, es will nicht anzünden.

Dabei gäbe es durchaus Neuigkeiten, über die auszutauschen es sich lohnen würde. Monothematisch natürlich auf die aktuelle Lage abgemischt. Ein kleines Corona-Glossar, mit dem zumindest der Lockdowner auf dem häuslichen Kanapee angeregt eingenommen werden kann.

Kinderimpfung: Heute hat die europäische Zulassungsstelle EMA nach zweimonatiger Prüfung einem für Kinder entwickelten Impfstoff aus der Gemeinschaft Biontech/Pfizer die Zulassung erteilt. Dem muss nur noch die EU-Kommission formal zustimmen. Mit dem Serum können voraussichtlich ab Ende des Jahres in Österreich fünf bis elfjährige Kinder gegen das Corona-Virus immunisiert werden. Ärztinnen und Krankenpfleger in den USA und Israel spritzen den Stoff bereits in den kindlichen Oberarm. Der Nachwuchs, der hierzulande "off-label"-geimpft wurde, hat indes den für Erwachsene zugelassenen Impfstoff verabreicht bekommen: allerdings nur in der Dritteldosis.

Totimpfstoff: Seit das Pharmaunternehmen Novavax am 17. November alle Daten und Dokumente für die Zulassung seines Impfstoffes ebenfalls an die EMA in Amsterdam geschickt hat, frohlocken Impfskeptiker: Bald könnte ein Impfstoff auf den Markt kommen, der nicht mit dem innovativen mRNA-Verfahren arbeitet, sondern quasi auf Altbewährtes setzt: Auf tote Viren, wie weiland bei den Pocken. Nur dass dem nicht so ist, zumindest nicht beim Novavax-Kandidaten. Dieser sei eben genau kein Totimpstoff, erklärt der österreichische Virologe Florian Krammer auf der Nachrichtenplattform Twitter. Vielmehr wird hierfür das Spike-Protein des SARS-Cov-2-Erregers, mit dem er quasi die menschliche Zellwand knackt, im Labor gezüchtet, anschließend in Motten vermehrt und dann angereichert mit Verstärkern dem Menschen gespritzt. Von allen Insektenteilen gereinigt.

Mortalität: Es wird wieder gestorben. Vor allem am Virus. Die Sterberate ist in Österreich Mitte November auf das Niveau vom Jahresbeginn geklettert, vom 8. bis zum 14. November verstarben 2.054 Menschen. Nur in der dritten Kalenderwoche 2021 hatte die Sterberate in diesem Jahr schon einmal über 2000 Toten gelegen, ein letzter Ausläufer der Corona-Welle, die ab November vor allem durch die Pflegeheime mit noch ungeimpften Bewohnerinnen und Bewohner gezogen war. Um 0,7 Jahre hatte die Pandemie die Lebenserwartung in Österreich schon 2020 nach unten gedrückt.

H5N1: Die nächste Seuche steht schon vor der Tür, allerdings nur für das Federtier. Im niederösterreichischen Fischamed haben Veterinärmediziner die Geflügelpest auf einem Bauernhof nachgewiesen. Tiere, die nicht gestorben sind, wurden gekeult. Eine Übertragung der Geflügelpest auf den Menschen gilt zwar als ausgeschlossen, das ist aber nur auf den ersten Blick die gute Nachricht. Die schlechte: Das SARS-Cov-2-Virus springt zwischen den Spezies hin und her, ist irgendwann wohl von einer Fledermaus auf den Menschen übergegangen (möglicherweise mit einem Wirten dazwischen), in Dänemark steckten sich Nerze im Winter 2020 in Tierfabriken mit dem Corona-Virus an. Sie hatten sich bei den Tierpflegern angesteckt. Und Wissenschafter gehen davon aus, dass das Virus in Tieren versteckt, viele Jahre "überwintern" kann, bevor es zu einem neuen Ausbruch kommt. 540 Säugetiere als "Corona-Reservoir" haben Forscher in New York schon ausgemacht.

Vielleicht nehmen Sie sich jetzt das zweite Getränk.

Haben Sie einen schönen Abend!

Ihre Eva Konzett

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