Bester Twitter-Account - FALTER.maily #692

Nina Brnada
Versendet am 10.12.2021

Falls sie dem Account von Auschwitz Memorial nicht auf Twitter folgen, dann sollten Sie das unbedingt sofort nachholen.

Seit 2012 nimmt der Account mittlerweile knapp 1,2 Millionen Follower täglich auf eine Zeitreise mit. Zum Beispiel zeigen sie Menschen, die zum jeweiligen Datum Geburtstag gehabt hätten. Da ist etwa Maria Wichary, die Polin wurde am 10. Dezember 1900 in Katowice geboren, ihre Nummer war 30767, drei Fotos sind von ihr erhalten. Man blickt in ein blasses Frauengesicht, einmal trägt sie ein weißes Kopftuch, auf den anderen beiden Bildern sind ihre Haare raspelkurz geschoren, weisse Striemen sind von der Kopfhaut sichtbar. Sie zeugen davon, mit welcher Verachtung und Brutalität ihr ihre Haare abgemacht wurden. Maria Wichary kam am 3. März 1943 in Auschwitz um.

Oder Deliana Rademakers, sie kam vor genau 80 Jahren, am 10. Dezember 1941 um, sie starb mit 19 Jahren. Rademakers war eine von 387 Zeugen Jehovas, die in Auschwitz waren.

Oder Edita Kummermannová, eine tschechische Jüdin, geboren in Prag, sie wäre am heutigen Tag 101 Jahre alt geworden. Sie wurde von Theresienstadt nach Auschwitz am 4. Oktober deportiert, sie überlebte nicht.

Oder Simon Boruchowicz, ein jüdischer Bub, am gestrigen 9. Dezember wurde er im Jahr 1938 geboren. Als Vierjähriger wurde er gemeinsam mit weiteren 997 Juden aus Drancy, nahe Paris, nach Auschwitz gebracht. Von dieser Gruppe wurden 897 in der Gaskammer geschickt, unter ihnen der Bub Simon.

Die Akribie des Materials, das gezeigt wird, illustriert auf gespenstische Weise die Systematik der Vernichtung. Doch sie wird im Namen der Erinnerung verkehrt.

Der Account macht die Vergangenheit greifbar und mahnt kraft seiner Beharrlichkeit ohne jeglichen Pathos die Zukunft ein. Es ist ein Musterbeispiel an digitaler Erinnerungskultur. Schauen Sie sich das an!

Ihre Nina Brnada

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