Wo Omikron herkommt - FALTER.maily #696

Katharina Kropshofer
Versendet am 15.12.2021

„Hoffnung ist nicht die Karte, auf die man setzen sollte“, sagt Dirk Brockmann, Professor am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Er meint damit leider nicht die Antwort auf die Frage, ob sich dieses Jahr noch ein Punschrausch am Christkindlmarkt ausgeht. Er spricht von Omikron. 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber mir raucht beim Versuch zu verstehen, was da auf uns zukommt, schon ein bisschen der Kopf. Deswegen hier nochmal eine kleine Einordnung auf Basis dessen, was die Experten und Expertinnen in dem Bereich sagen: 

Die schlechte Nachricht: 

Die Mutante Omikron hat eine Verdopplungszeit von zwei bis drei Tagen. Das ist eine Geschwindigkeit, die niemand auf dem Radar hatte und die ein exponentielles Wachstum bedeutet. Modellierungen aus Norwegen zeigen, dass es dort bald schon bis zu 300.000 Fälle pro Tag geben könnte. Omikron ist also viel dynamischer, viel ansteckender. 

Die gute Nachricht: 

Man kann diese Zahlen nicht eins zu eins auf Österreich übertragen, sagt Epidemiologe Gerald Gartlehner auf Puls4. Denn in Norwegen gelten ganz andere Maßnahmen als hier.  

Noch eine schlechte Nachricht: 

Das mutierte Virus kann Antikörpern gut entkommen. Diese binden an das Spike-Protein auf der Oberfläche des Coronavirus und verhindern so, dass sich die SARS-CoV-2-Viren an die Rezeptoren auf der Oberfläche menschlicher Zellen festmachen. In der Folge können die Viren nicht in die Zellen eindringen und diese infizieren. Kurz gesagt: Omikron kann den Immunschutz aushebeln.

Aber wieder eine gute Nachricht: 

Omikron dürfte die Antwort der T-Zellen nicht so stark vermindern – dem zweiten wichtigen Teil des Immunsystems. Sie sind dafür zuständig die Krankheit, wenn es doch zu einer Infektion gekommen ist, zu kontrollieren. Schwere Verläufe können also vermieden werden – vorausgesetzt, man ist frisch geboostert. Das erzählt Christoph Neumann-Haefelin vom Universitätsklinikum Freiburg.

Omikron ist es egal, ob wir uns beschweren, wie unfair all das eigentlich ist. Dass sich Viren mit der Zeit durch Mutationen verändern, ist nichts Neues. Dabei setzen sich vor allem jene durch, die dem Virus einen Vorteil verschaffen.

Es gibt genetische Analysen, die zeigen, dass der Vorläufer von Omikron schon Mitte 2020 von der Bildfläche verschwand. 15 Monate „versteckte“ er sich – für das „wo“ gibt es verschiedene Erklärungsansätze: 

1. Die Plausible

Die Vorläufer von Omikron evolvierten einfach in der Bevölkerung, wurden aber nie in Proben gefunden.

Was spricht dafür? In einem Gespräch mit der Fachzeitschrift Science favorisiert Christian Drosten diesen Erklärungsansatz. Die Mutante könnte während der letzten Winterwelle im südlichen Afrika entstanden sein.

Was spricht dagegen? Das würde heißen, dass sich eine sehr ansteckendere Variante verbreitete, ohne aufzufallen. Das macht es wiederum unwahrscheinlich. 

2. Die Schleichende
Die Variante sei in einer Person mit geschwächtem Immunsystem evolviert, spekulieren etwa Forscher der University of Edinburgh. Denn Menschen mit Immunschwäche werden das Virus teilweise monatelang nicht richtig los.

Was spricht dafür? Ein Fall aus Boston zeigt deutlich, wie so etwas funktionieren kann: Ein Mann mit Autoimmunerkrankung war fünf Monate lang infiziert, das Virus entwickelte in der Zeit mehr als 20 Mutationen. Ein schwaches Immunsystem haben Menschen, die gerade eine Krebstherapie machen. Oder manche HIV-infizierte.

Was spricht dagegen? Wiederum Christian Drosten: Erfahrung mit chronischen Infektionen durch andere Viren wie Influenza zeige, dass Immunsystem-aushebelnde Varianten zwar in diesen Personen entstehen können, aber diese meist mit Änderungen einhergehen, durch die sie weniger übertragbar werden.

3. Die Altbekannte

Noch fachsimpeln Leute über den Ursprung des Sars-Cov-2 Virus. Favorisiert wird die Erklärung, dass sich das Virus in Fledermäusen entwickelt hat und dann über einen Zwischenwirt auf den Menschen überspringen konnte. Die Vermutung liegt also nahe, dass das noch einmal passiert ist. Und sich auch die Omikron-Variante in einem tierischen Reservoir gebildet hat, nur um dann auf den Menschen zurückzuspringen.

Was spricht dafür? Berichte, dass Sars-Cov-2 immer wieder Tiere infiziert. Weißwedelhirsche zum Beispiel, aber auch Hauskatzen und Hunde.

Fun fact: Rund vier Prozent der Hauskatzen in Europa hatte Corona. Arme Miezen.

Was spricht dagegen? Noch gibt es keine Hinweise darauf, dass Katzen auch Menschen anstecken können. Bei anderen Tieren könnte das aber schon der Fall sein. 

Der Ursprung von Omikron bleibt also weiterhin mysteriös. Nur eines ist klar: Boostern hilft.

Katharina Kropshofer

Der Oberste Gerichtshof hat dem FALTER in einem Verfahren, mit dem die ÖVP durch alle Instanzen gegangen ist, Recht gegeben – es steht für das Höchstgericht außer Zweifel, dass die Türkisen 2019 das gesetzliche Limit für Wahlkampfkosten um zwei Millionen Euro überzogen und die Öffentlichkeit darüber getäuscht haben.

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Sie haben es sicher mitbekommen: Die Stadt Wien droht Aktivist:innen und mittlerweile auch Wissenschafter:innen mit Schadenersatzforderung. Sie haben weiterhin ihr Camp aufgeschlagen haben, um die Stadtstraße zu verhindern. Zur Erinnerung: Die Stadtstraße ist ein Verbindungsstück, der auf die geplante Weise nun - so viele Experten und Expertinnen - verkehrstechnisch kaum noch Sinn macht. Schließlich sagte die Asfinag gestern die S1 und den dazugehörenden Lobautunnel ab, zu der die Stadtstraße plus Spange geführt hätte. Mehr dazu im aktuellen FALTER.morgen.

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