Arme Kinder - FALTER.maily #707

Nina Horaczek
Versendet am 13.01.2022

Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) verspricht ein "pädagogisches Sofortpaket" für coronagebeutelte Kinder und Jugendliche. Ab Mitte Februar gibt es zusätzliche 109 Millionen Euro für Förderstunden an Schulen, dazu den Ausbau einer gemeinsam mit NGOs organisierten individuellen Online-Lernbegleitung für etwa 40.000 Schülerinnen und Schüler über die Plattform weiterlernen.at. Außerdem werden die Gelder für Schulsozialarbeit verdoppelt und zusätzliche 13 Millionen Euro in psychologische und psychotherapeutische Beratung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen investiert.

Um das Miteinander im Klassenzimmer zu stärken, bekommt jede Schulklasse 500 Euro für mehrtägige Klassenfahrten. Schade nur, dass die allermeisten Volksschülerinnen und Volksschüler davon nicht profitieren. Die Kleineren hätten lustige Ausflüge mit ihrer Klasse mindestens so dringend nötig, trauen sich aber oft noch nicht, woanders zu übernachten.

Aber immerhin hat die Regierung nicht auf Lehrlinge vergessen: Für sie stellt Türkis-Grün zusätzliche Millionen für fachliche Vertiefung und für das Nachholen von Lehrinhalten, die coronabedingt verpasst wurden, zur Verfügung.

Kinder und Jugendliche haben Unterstützung dringend nötig. Im November wies die österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie darauf hin, dass der Prozentsatz an Kindern mit klinischen psychiatrischen Symptomen in Österreich zwischen März 2020 und Sommer 2021 von sechs auf 23 Prozent angestiegen war.

Eine weitere Untersuchung, im Februar 2021 unter österreichischen Jugendlichen und Auszubildenden durchgeführt, ergab, dass 55 Prozent klinisch relevante depressive Symptome aufwiesen und 47 Prozent Angstsymptome zeigten. Nachdem die Schulen wieder offen hatten und auch andere Covid-bedingte Einschränkungen temporär zurückgenommen werden konnten, verbesserte sich die psychische Gesundheit der Jugendlichen.

Kinder und Jugendliche haben also eine schwere Zeit hinter sich und diese ist wegen Omikron leider noch nicht vorbei. Die nun angekündigten Maßnahmen von Bildungs- und Gesundheitsministerium sind zumindest ein erster Schritt.

Wir sollten aber nicht übersehen, dass Corona Kinder und Jugendliche in anderen Teilen der Welt noch härter traf. Laut einer vergangenen Dezember vom UN-Kinderhilfswerk Unicef veröffentlichten Untersuchung stieg die Kinderarmut während der Pandemie global um zehn Prozent. Nach zwei Jahren Corona gibt es heute um hundert Millionen arme Kinder mehr. Vor wenigen Tagen berichtete die deutsche Tagesschau, dass im afrikanischen Staat Uganda erst jetzt, nach 83 Wochen, die Schulen zum ersten Mal in der Pandemie wieder öffnen. Trotzdem bleiben viele Schulbänke leer: Die Kinder müssen arbeiten, um ihre während der Pandemie verarmten Eltern zu unterstützen.

Nina Horaczek

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