Gruß aus New York - FALTER.maily #737

Barbara Tóth
Versendet am 17.02.2022

Ich schreibe Ihnen nicht aus New York, aber fast. Ich hatte das Privileg, letzte Woche ein paar Tage in dieser Stadt zu verbringen. Es war nicht das erste Mal, aber das letzte Mal war dann doch schon wieder acht Jahre her. Weil man das in diesen Zeiten immer zuerst gefragt wird, gleich vorweg: Die Maßnahmen waren ganz ähnlich wie in Wien. Maskenpflicht in Museen, Lokalen, Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Ohne Impfpass kein Zutritt zu allem, was Spaß macht, gut schmeckt und interessant wird. Ich steckte meine ID hinten in meine durchsichtige Handyhülle, zuerst QR-Code am Schirm, dann Personalausweis auf der Rückseite zeigen – schnell wurde das zur Routine.

Was nahm ich mit? New York und dort vor allem Manhattan, war ja mal so eine Art Sehnsuchtsort, an dem man einen Blick in die Zukunft werfen konnte. Was man dort entdeckte, schlug mit ein, zwei Jahren Verspätung in Europa auf. Das New York, das ich sah, war erschöpft. Es fehlte die frühmorgendliche Geschäftigkeit, weil nach wie vor Home Office die Regel ist. Viele Schaufenster waren blind. An jedem zweiten Block roch es nach Cannabis, das vergangenes Jahr teilweise legalisiert wurde. Der Volkssport ist nach wie vor Joggen und/oder Yoga.

Ich flüchtete mich also in die Museen, verlässliche Tempel des Müßiggangs. Jennifer Packer im Whitney begeisterte mich weit mehr als die große Jasper Johns Retrospektive ebendort. Eine junge, schwarze Frau sticht den alten, weißen Mann aus, wie bezeichnend. Nirgendwo sonst wird der Anspruch des intellektuellen Amerikas, divers zu sein, so spürbar wie in den neu kuratierten Räumen des MoMa: Frauengeschichten, Minderheiten, People of Color sind der Fokus. Es war auch Black History Month. Immerhin, so werden Universalkünstlerinnen wie Sophie Taeuber-Arp gewürdigt. Immer eine Stippvisite wert: das Costume Institute im Metropolitan Museum of Art, weil es einen lehrt, dass das, was wir gerade für mega en vouge halten, nur eine Variation der Vergangenheit ist.

Verzeihen Sie mir meine Banalität, aber wenn es etwas gibt, was von New York aus in Europa demnächst aufschlagen sollte, dann sind das All Gender Toiletten, finde ich. Also ein Örtchen für alle. Mit einem geräumigen, gemeinsamen Vorraum und großzügigen Einzeltoiletten, mit Türen ohne Durchblick oder ähnlichem, die maximale Privatheit geben. Ich habe nie verstanden, wie sich Männer in Pissoirs würdevoll nebeneinander erleichtern können. Schrecklich auch diese Damentoiletten, bei denen man, wenn man sich bückt, die Schuhe der Nachbarin studieren kann.

Und die lebensechten Schaufensterpuppen bei Victoria's Secret auf der Fifth Avenue, die waren auch gut. Sie zeigten eine Frau in Kleidergröße 40, mit Bäuchlein und Körbchengröße C. Was sie anhatte, war auch recht hübsch.

Barbara Tóth

Ich weiß, dass viele vom stufenweisen Ende der Corona-Maßnahmen irritiert oder überfordert oder beides sind und große Ängste haben. Ich hingegen finde das Ende der Maskenpflicht in Schulen, das Auslaufen der Gratis-Tests und die generellen Lockerungen richtig. Auch wenn die Art und Weise, wie die Regierung sie verkündet hat, einmal mehr unprofessionell und kontraproduktiv war (Stichwort "Frühlingserwachen"). Dazu habe ich gestern mit der Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz bei Puls24 im Pro & Contra Format "Politik Insider" diskutiert. Die Sendung können Sie hier nachschauen - dann wissen Sie auch, was ich am 5. März abends machen werde.

Am Rande von Graz lebt einer der bedeutendsten Fotografen der Gegenwart, Seiichi Furuya. Sein Werk kreist um seine verstorbene Gattin Christine Gössel, die er regelmäßig – nach eigener Angabe beinahe zwanghaft – fotografierte. Auch am Tag ihres Selbstmords. Unser Autor Gabriel Proedl hat Furuya in seinem Haus besucht.

Unsere preisgekrönte Kolumnistin Melisa Erkurt widmet sich diese Woche der kulturellen Aneignung in der Küche. Welchen emotionalen Stellenwert Essen vor allem in asiatischen Familien einnimmt und wie es ist, jene Speisen von der Mehrheitsgesellschaft gehyped zu sehen, für die man in der Schulzeit gehänselt wurde, hat in Reaktion auf die Kolumne auch FALTER-Autor Martin Nguyen in diesem berührenden und sehr ehrlichen Twitter-Thread beschrieben.

Um Korruption und andere Gefahren für die Demokratie geht es in der neuesten Episode des FALTER-Podcasts. Die Skandalserie von ÖVP & Co wirft ja die Frage auf: War das schon immer so oder haben Postenschacher und geheime Absprachen zugenommen? Zu hören sind der Richter und Justizvordenker Oliver Scheiber (Autor von "Mut zum Recht"), der Chefredakteur der Wiener Zeitung, Walter Hämmerle, Süddeutsche-Korrespondentin Cathrin Kahlweit, FALTER-Politikchefin Eva Konzett und Raimund Löw. Heute um 19 und 23h ist die Sendung auch auf dem Wiener Stadtsender W24 zu sehen!

Wenn’s nicht wurst ist, dann HERMANN!

Möchtest du die Welt mit jedem Bissen ein kleines bisschen besser machen?

Dann isst du am besten das, was auch Thomas und Hermann Neuburger gerne essen: ihre vegetarische Produktlinie HERMANN.

Wenn’s dir nicht wurst ist, was du isst, klicke hier: www.wenns-nicht-wurst-ist.at


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!