And the Oscar goes to… - FALTER.maily #768

Michael Omasta
Versendet am 28.03.2022

Vor drei Tagen brachte The Guardian eine Hintergrundgeschichte zu den Oscars. Society-Reporterin Hadley Freeman berichtete von den Geschenkkoffern, mit denen die Top-Nominierten jedes Jahr bedacht werden. Diese inoffiziellen „Oscar gift bags“, ergaben ihre Recherchen, enthielten heuer Luxusartikel im Wert für 140.000 Dollar, davon allein Botox für 10.000 Dollar. Manche der Adressaten – etwa die britische Schauspielerin Olivia Colman – baten darum, die „Mitbringsel“ per Spedition geschickt zu bekommen, während andere – wie Denzel Washington – die Annahme schlicht verweigerten.

Das ist so ziemlich das Aufregendste, das es anlässlich der 94. Verleihung der Academy Awards gestern Nacht in Los Angeles zu erzählen gibt. Denzel Washington, für seine grandiose Darstellung des „Macbeth“ nominiert, zog übrigens den Kürzeren gegenüber Will Smith, der im überlangen Tennis-Pic „King Richard“ den strengen Papa der zwei Williams-Schwestern spielt. Von seinem früheren Eifer für Scientology ist Smith angeblich geheilt, dennoch hat er offensichtlich Probleme – zuerst lacht er in Großaufnahme über das Gewitzel von Moderator Chris Rock, dann stakst er auf die Bühne und legt ihm eine auf.

Na ja, die Anwälte der Stars werden sich schon die Hände reiben. Jedenfalls reichte diese Entgleisung, um aus einem triumphalen Abend der Filmemacherinnen ein peinliches Watschen-Gate zu machen. Denn es waren Frauen, die in den allerwichtigsten Kategorien sämtliche Statuetten abräumten – bester Film: Siân Heder für „Coda“, beste Regie: Jane Campion für „The Power of the Dog“, bestes (adaptiertes) Drehbuch: Siân Heder. Als beste Hauptdarstellerin setzte sich Jessica Chastain mit „The Eyes of Tammy Faye“ gegen die hochgehandelte Performance von Kristen Stewart als Lady Diana in „Spencer“ durch und an Ariana DeBose aus „The West Side Story“ führte als bester Nebendarstellerin kein Weg vorbei.

Was bleibt unterm Strich? Der große Verlierer des Abends ist Campions neuseeländischer Spätwestern „The Power of the Dog“, zwölffach nominiert und nur in einer Kategorie, immerhin der Regie, erfolgreich. Die große Überraschung das Rührstück „Coda“, ein Remake der französischen Tragikomödie „Verstehen Sie die Béliers?“ von 2014, das neben den erwähnten beiden Trophäen auch noch die für den besten Nebendarsteller – den gehörlosen Schauspieler Troy Kotsur – davontrug.

Wirklich verdiente Auszeichnungen gingen an „Drive My Car“ von Ryusuke Hamaguchi als bester fremdsprachiger Film und an „Summer of Soul“ als bester Dokumentarfilm. Der beste Film des Jahres, „Licorice Pizza“ von Paul Thomas Anderson, ging erwartungsgemäß in allen drei nominierten Kategorien leer aus.

Für den ergreifendsten, auch härtesten Moment der diesjährigen Oscar-Gala sorgte der finale Auftritt von Lady Gaga und Liza Minnelli. Die schwerkranke Showbiz-Legende musste im Rollstuhl auf die Bühne gebracht werden, genoss den Applaus aber sichtlich – getreu dem Motto: The show must go on!

Michael Omasta

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Im gerade noch aktuellen FALTER erzählen drei ehemalige Schülerinnen und Schüler von Österreichs renommiertestem Filmemacher und Oscar-Preisträger, Michael Haneke, was sie von ihm gelernt haben.

Mit dem Krieg Putins in der Ukraine hat dieses Buch nichts zu tun. Natürlich nicht, denn „Damals in Bolechów. Eine jüdische Odyssee“ (Verlag btb) ist bereits vor 25 Jahren erschienen. Der deutsche Autor und Chansonnier Anatol Regnier hat dafür das Schicksal der Familie Grünschlag recherchiert: von der Friedenszeit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, von der Enteignung unter der russischen Besatzung bis zum Einmarsch der Deutschen, von den ersten „Sonderaktionen“ durch SS und ukrainische Polizei bis zum Zeitpunkt, als der ehemals angesehene Holzhändler Moses Grünschlag mit den letzten Überlebenden seiner Familie in einem Erdloch verschwindet, um unter schier unvorstellbaren Lebensbedingungen das Ende des mörderischen Treibens abzuwarten.

Morgen erscheint die neueste Episode von "Scheuba fragt nach.." in der Florian Scheuba mit dem erfolgreichen SPÖ-Politiker und Bürgermeister von Traiskirchen, Andreas Babler, unter anderem über erfolgreiche Flüchtlingspolitik spricht. Um die Wartezeit zu verkürzen, empfehlen wir, die vorige Folge mit Profil-Aufdecker Michael Nikbakhsh nachzuhören, so Sie das nicht schon getan haben.

Zu guter Letzt noch ein "Save the Date": Am Dienstag den 5. April, stellen die Autoren Peter Hiess und Helmut Singer die schönsten Routen aus ihrem Buch "Wandern im Waldviertel" (Falter Verlag) vor. Die Buchpräsentation findet am 5. April um 18:30 Uhr bei freiem Eintritt in der Bücherei im Bildungszentrum Simmering statt. Wir freuen uns, wenn Sie vorbeischauen!


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