Die Toten und wir - FALTER.maily #774

Nina Brnada
Versendet am 04.04.2022

Noch vor einigen Wochen, es war Anfang Februar, telefonierte ich mit einer prominenten ukrainischen Journalistin, einer sehr erfahrenen Kollegin, klugen Beobachterin und Kennerin des Krieges in der Ukraine, der ja bereits seit 2014 im Osten des Landes Realität ist. 

Sie war damals gerade im Osten unterwegs und besuchte die Stadt Charkiw. Sie klagte, sie sei bereits ein wenig genervt von den vielen Fragen der ausländischen Kollegen, darüber, wie es ihr ginge und wie die Situation vor Ort sei. Es passierte nämlich gar nichts, "nothing, really nothing". Sie sagte, sie sei vor allem besorgt um die ukrainische Wirtschaft und die Unsicherheit, die das Gerede vom Krieg bei den ausländischen Investoren hervorrufen würde.

Immer wieder kehre ich gedanklich zurück zu diesen Tagen vor der Invasion. Phasenweise kann ich es kaum fassen, wie absurd kurz es her ist, dass wir Bilder aus Kiew sahen, wo Menschentrauben in Lokalen saßen und durch Fußgängerzonen flanierten. Und heute? Bilder verkohlter Gebäude und tote Augen, die aus dem Schlamm starren, Säcke mit Leichen. 

Vergessen kann ich auch das Gezerre rund um Nord Stream 2 nicht. Die Überzeugung, man könne das Projekt nicht abdrehen, weil es zu bedeutend sei für die europäische, vor allem für die deutsche Wirtschaft. Oder das Zaudern, als es darum ging, Russland vom internationalen Zahlungssystem Swift auszuschließen. 

Niemand wird sich jemals dafür genieren, dass all diese Schritte unternommen wurden, aber vielleicht werden wir uns kollektiv dafür schämen, dass nicht schon viel früher und viel entschlossener gehandelt wurde. Die Wahrheit ist einfach und sie ist hart: Wenn wir die Toten nicht wollen, dann müssen wir unseren Wohlstand in die Waagschale werfen. 

Nina Brnada

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